Reutlingen / VALERIE EBERLE  Uhr
Wer dieses Jahr gehofft hatte, bei seinem Herbstspaziergang zufällig Pilze zu finden, hatte oft Pech. Auch für Experten war es eine schlechte Saison. Karlheinz Baumann klärt auf: Es war einfach zu trocken.

"So wenige Pilze wie in diesem Jahr gab es seit ich denken kann noch nie - und das ist schon ganz schön lange", sagt Karlheinz Baumann. Der Naturfilmer absolvierte bereits vor 50 Jahren seine Prüfung zum Pilzberater. Er sagt: "Pilze kann es viele geben oder keine." In diesem Jahr war es einfach zu trocken, so musste so mancher Sammler mit einem leeren Korb nach Hause. Der Experte kennt sich nicht nur mit Pilzen aus, er ist durch und durch Naturmensch.

Baumann ist Produzent, Autor, Naturfilmer und Naturfotograf. Unter anderem arbeitete der Pilzexperte für Film und Fernsehen, sein letztes Projekt war ein Buch über die Formen, Farben und Muster der Natur. Pilze schmecken so gut wie jedem - was nur wenige wissen, so der Experte: "Sie sind die Motoren und Stabilisatoren der Natur." Sie recyceln altes Holz oder Laub zu neuem Humus. Sie geben den besonderen Geschmack in Bier und Käse und versorgen Bäume mit Mineralstoffen.

Die eigentliche Pilzsaison geht von August bis Ende Oktober. "Schaut man genau, kann jeder das ganze Jahr über Pilze finden, selbst im Winter können Speisepilze wie der Austernseitling oder der Samtfußrübling gefunden werden", sagt Baumann. Für einen unerfahrenen Sammler ist das natürlich nicht so einfach, denn man sollte schon wissen, wo sie zu finden sind. So erklärt der Gomaringer, dass es in Wäldern mit viel Bodenbewuchs meist keine Pilze gibt. Eine Stelle an der junge Pilze gefunden wurden, sollte sich der Sammler merken, denn sie kommen schubweise. So kann es sein, dass Tage darauf einige Nachzügler zu finden sind. Dieses Jahr hatte aber auch der Experte kein Glück. Gerade einmal zehn Prozent seiner früheren Ausbeute konnte er einsammeln. Baumanns größter Fund waren Stockschwämmchen, die sich einen feuchten Baumstumpf als Untergrund ausgewählt hatten.

Während der Pilzhochsaison beraten Fachleute im Naturkundemuseum die noch nicht so erfahrenen Sammler. Aber auch dort, so Baumann, werden normalerweise viel mehr Pilze vorbeigebracht. Die am häufigst gefundenen Pilze waren Krause Glucken. Sie wachsen unter Kiefern und der Pilzexperte schätzt, dass diese Baumart besonders viel Feuchtigkeit speichern kann. Nur so kann er sich erklären, dass es die Krause Glucke verhältnismäßig oft gab dieses Jahr.

Um einschätzen zu können, welcher Pilz giftig ist und welcher nicht bedarf es eine Menge Erfahrung. Baumann rät: "Wer Pilze sammeln will, sollte sich zuerst ein Pilzbuch kaufen. Eine Lebensversicherung ist es natürlich nicht, aber für den Anfang genau richtig."

Einer der giftigsten einheimischen Pilzen ist der grüne und weiße Knollenblätterpilz. "Er geht zu 95 Prozent seine Symbiose mit einer Eiche ein und ist kein seltener Pilz", sagt der Experte. Selbst erfahrene Sammler können sich täuschen, denn ein Pilz sieht in jeder Alterstufe anders aus. Aber nicht nur das Alter verändert sie. So kann es sein, dass der berühmte Fliegenpilz auch ohne seine weißen Punkte im Wald zu finden ist. Das charakteristische Pünktchenmuster kann ganz einfach vom Regen abgewaschen werden. Nicht nur über die Symbolik des Giftpilzes wird wild spekuliert. So hält sich die Sage, dass giftige Pilze einen Silberlöffel schwarz anlaufen lassen. Alles Unfug, sagt der Fachmann, als giftig oder nicht kann ein Pilz nur eingestuft werden, wenn er erkannt wird. "Um selbst Pilzexperte zu werden, ist es am Besten, sich fünf originell aussehende Speisepilze einzuprägen und jedes Jahr weitere fünf dazuzulernen."