Offiziell fungiert die Bauhaus-Verlagerung bei der Stadt als Bebauungsplan „Justus-von-Liebig-Straße/Markwiesenstraße“ im gemeinsamen Wirtschaftsgebiet Reutlingen-West/Kusterdingen. Der Gemeinderat hat noch kurz vor den Ferien die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange auf den Weg gebracht.

Zuvor hatte Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, die Planungen für den neuen Baumarkt an der Justus-von-Liebig-Straße vorgestellt. Diese sehen neben einer knapp 7700 Quadratmeter großen, zeitgemäßen Warmhalle auch einen 4225 Quadratmeter umfassenden Stadtgarten für Pflanzen und Gartenequipment vor, der in eine Frei- und in eine überdachte Fläche unterteilt ist. Noch nicht Standard ist die 3260 Quadtratmeter große sogenannte Drive-in-Arena, wo die Kunden – und vor allem die örtlichen Handwerker – direkt vorfahren können, um ihre Waren abzuholen.

Alles in allem verfügt der Markt über eine Fläche von annähernd 16500 Quadratmetern – das sind rund 7500 Quadratmeter mehr als am bisherigen Standort in der Emil-Adolff-Straße. Aus der Perspektive der Stadtverwaltung ist diese mit dem Umzug verbundene Erweiterung wünschenswert. Schließlich hatte das Oberzentrum Reutlingen bereits im Jahr 2009 gerade einmal eine Kennziffer von 0,8. Das bedeutete, wie Dvorak in der Sitzung ausführte, einen jährlichen Kaufkraftabfluss von 12,5 Millionen Euro. Der Wegfall des Praktiker-Marktes ist hier noch nicht eingerechnet.

Aus Sicht von SPD-Stadtrat Thomas Keck hat die „Verlagerung das Potenzial, die Stadt gleich in mehrfacher Hinsicht voranzubringen. So böten sich durch den Wechsel des Bauhauses auch interessante Möglichkeiten für die Nutzung der bisherigen Räumlichkeiten in der Emil-Adolff-Straße. Keck brachte den Standort mit seiner denkmalgeschützten Fassade als Sitz des Industriemuseums ins Gespräch.

Annette Seiz (CDU) lobte die tolle Planung und hob insbesondere die Drive-in-Arena hervor – das sei interessant für das örtliche Handwerk. Und für Regine Vohrer (FDP) entsteht auf dem ehemaligen Real-Areal ein „moderner, zeitgemäßer Baumarkt, wie wir in weitem Umfeld keinen haben“. Die FDP wolle von sich aus keine Vorschläge für das bisherige Bauhausgelände machen. Auch Gabriele Janz (Grüne) erkennt eine positive Entwicklung und hofft, dass Bauhaus weitere Baumärkte anzieht.

Für Erich Fritz (FWV) ist die Verlagerung ebenfalls eine tolle Geschichte , andererseits bedauerte der FWV-Stadtrat, dass Bauhaus seinen jetzigen Standort verlasse. Und er erinnerte  daran, dass die FWV eine Art „Dauerauftrag auf Einrichtung eines Industriemuseums eingebracht“ habe. Die Grünen hingegen wollen in der Emil-Adolff-Straße unbedingt wieder Gewerbe haben“, wie Susanne Müller betonte.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch bewertete die vorliegenden Pläne als „Stabilisierung des Märkte- und-Zentren-Konzepts“: Und: „Es stärkt das, was wir uns in der Gewerbeflächenoffensive vorgenommen haben“. Für sie selbst hat die weitere Gewerbeentwicklung eindeutig Vorrang vor der Umsetzung anderer Projekte  wie beispielsweise eines Industriemuseums. Man könne hier gerne über gute Ideen diskutieren: „Aber: Bringen Sie bitte einen Investor mit.“

Darüber hinaus sei die Rettung der Gebäude in der Oberamteistraße, „die vor unseren Augen weg bröseln, dramatisch dringender“. Aus „Verantwortung für die Geschichte unserer Stadt müssen wir hier schnell gemeinsam eine Lösung finden“, appellierte sie an die Räte.