Reutlingen Da helfen, wo sonst keiner hilft

Die Rotarier Stefan Schiller, Prof. Karl-Josef Kuschel und Bernhard Jakober (von rechts) übergaben am Montag eine Spende mit 7500 Euro an Peter Donecker und Günter Klinger (links) zur Flüchtlingskinder-Ferienbetreuung.
Die Rotarier Stefan Schiller, Prof. Karl-Josef Kuschel und Bernhard Jakober (von rechts) übergaben am Montag eine Spende mit 7500 Euro an Peter Donecker und Günter Klinger (links) zur Flüchtlingskinder-Ferienbetreuung. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / NORBERT LEISTER 28.07.2016
Ein stattlicher Betrag für ein Projekt, das sonst keine finanzielle Unterstützung erfährt. „Das ist uns wichtig“, sagte Rotarier Bernhard Jakober.

„Unser erster Gedanke war, Sprachkurse für Flüchtlinge zu unterstützen“, berichtete Bernhard Jakober am Montag beim Reutlinger Diakonieverband. Aber: Beim näheren Hinschauen haben die 60 Mitglieder des Rotarier-Clubs Reutlingen-Tübingen-Süd erkannt: „Da wird ja schon ganz viel getan, sowohl von Ehrenamtlichen als auch von der offiziellen amtlichen Seite“, betonte der Rotarier. „Uns war auch wichtig, unsere Spende in gute Hände zu geben, in eine Einrichtung, von der wir wissen, dass das Geld tatsächlich gut ankommt.“

Letztendlich überzeugt hat die Rotarier ein Projekt, das Flüchtlingskindern ermöglicht, an Ferienbetreuungen teilzunehmen, die im Kreis für alle Kinder angeboten werden, wie Peter Donecker ausführte. Er kümmert sich beim Diakonieverband um Ehrenamtliche, die sich wiederum um Asylbewerber bemühen. Der Sozialpädagoge unterstützt die Asylarbeitskreise, vernetzt, informiert und ist Ansprechpartner bei Fragen und Problemen.

Auch nach Ansicht der Rotarier ist die Ferienbetreuung besonders sinnvoll für Flüchtlingskinder, weil sie dafür sorgt, dass die bislang erworbenen Sprachkenntnisse in den sechs Wochen Ferien nicht wieder verloren gehen. Und weil durch die insgesamt 15 Einzelprojekte auch Begegnung und Integration vorangetrieben wird, so Jakober. „Das ist auf unsere Gegenliebe gestoßen.“ Wichtigster Faktor sei bei der Unterstützung der Projekte, dass Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften zu den jeweiligen Orten kommen. „Mobilität als Mittel zur Teilhaber“, sagte Donecker.

Was allein in Reutlingen schon nicht einfach ist, wenn die Kinder gerade mal ein paar Wochen hier sind und sich mit dem ÖPNV noch nicht zurechtfinden. „Es gibt also einen Fahrdienst, der die Kids abholt und wieder zurückbringt“, erklärte Donecker. Natürlich mussten im Vorfeld schon ganz viele Gespräche mit den Kindern und mit den Eltern geführt werden. „Ich kann ja nicht einfach in einem wildfremden Land daher kommen und sagen: Ich nehme jetzt eure Kinder mit und betreue sie für ein paar Stunden“, betonte der Sozialpädagoge.

Ganz unterschiedliche Projekte werden durch die Summe von 7500 Euro nun unterstützt, eine Aktivität des Evangelischen Jugendwerks in Sondelfingen etwa, ein kleineres Vorhaben des Schauspielers Gerald Ettwein, der zusammen mit Eninger und Flüchtlingskindern ein Theaterprojekt plant. „Alle Vorhaben sind für deutsche und internationale Kinder“, unterstrich Donecker den integrativen Charakter. Größere Begegnungsfeste in Gomadingen und Wannweil gehören da ebenfalls dazu.

„Das Gute ist, dass an jedem einzelnen Standort im Landkreis Bezugspersonen da sind, die ehrenamtlich oder hauptamtlich schon den Kontakt zu den Familien haben“, sagte Günter Klinger als Geschäftsführer des Diakonieverbands. Prof. Karl-Josef Kuschel betonte, dass die Rotarier-Bewegung sich auf drei Fundamente gründet: Die Freundschaftspflege sei eine, der Gemeindienst ein weiteres und das dritte die Völkerverständigung. „Dabei ist uns daran gelegen, Projekte zu unterstützen, die sonst keiner fördert“, so der Theologe. „Wir wollen dort helfen, wo sonst keiner hilft.“