Herbert Faßnacht, Manfred Hanselmann, Josef Härle, Norbert Strauß und Walter Rosenfelder freuen sich. Endlich können sich die munteren Albvereinler wieder in ihrem Stammlokal, dem Naturfreundehaus Am Lindenplatz, zum sonntäglichen Frühschoppen treffen. Seit dem 21. Mai ist die Gastronomie wieder geöffnet, seit dem 29. Mai kann man auch wieder die Zimmer zum Übernachten nutzen.

„Dahoim gwä“ sei man am Sonntag, solange das Naturfreundehaus geschlossen war, sagt Faßnacht. Denn zum zweiten Stammlokal, dem Vereinsheim auf der Eninger Weide, komme man ja wegen der Sperrung der St. Johanner Steige nicht. Rüdiger und Sonja Theis, seit zwei Jahren Pächter des Naturfreundehauses, sind glücklich, dass ihnen die Stammgäste die Treue gehalten haben und sofort wieder da waren, als sie öffnen durften. „Das ging gleich von Null auf Hundert“, so Theis.
Vor zwei Jahren hatte das Ehepaar Theis das Gebäude üernommen. „Wir waren bereits in der Gastronomie tätig und suchten einen kleineren Betrieb, den wir zu zweit bewirtschaften können“, erzählt Sonja Theis. Mit den Naturfreunden sei man sich schnell einig geworden. Dann habe man kräftig investiert. „Als wir anfingen, haben wir zuerst oben die Zimmer renoviert.“ Da habe man schon sechs Wochen schließen müssen. Im November wurde die Haushaltsküche gegen eine Profiküche ausgetauscht. „Wieder hatten wir eine Großbaustelle. Aber das war planbar.“ Die Corona-Pandemie habe sie jedoch aus dem Nichts getroffen. „Am Freitagabend hat uns die Dehoga, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, informiert, dass wir am nächsten Tag nicht mehr öffnen dürfen.“ Dabei habe man gerade erst, so Rüdiger Theis, reichlich für das Wochenende eingekauft.

Schließung war eine Katastrophe

So gut wie möglich habe man die Vorräte verbraucht und verteilt, aber leider auch so manches entsorgen müssen. Vielen Gastronomen sei es so gegangen. Die Schließung sei schlichtweg „eine Katastrophe“ gewesen. Die Corona-Zwangspause habe man nicht einmal zum Renovieren nutzen können. „Denn wir hatten ja alles in Ordnung und keinerlei Renovierungsstau.“
Bis 20. Mai spielte sich nichts ab. „Danach haben wir praktisch zum dritten Mal einen Neuanfang gestartet“, sagt Sonja Theis. Alle geplanten Feiern habe man absagen müssen, obwohl März und April schon komplett ausgebucht gewesen seien. Und natürlich habe man auch keine Einnahmen gehabt. „An einem normalen Wochenende hatten wir oft über 200 Gäste. Das alles war weggebrochen.“

Kreidetafel ersetzt Speisekarten

Ende Mai lief der Betrieb wieder an. Freilich sind die Tische draußen und drinnen weit auseinander gestellt und durchnummeriert, um die Gäste gemäß den Vorschriften erfassen zu können. Statt Speisekarten gibt es aus Hygienegründen eine Kreidetafel, auf der die etwas reduzierte Speisekarte gut sichtbar notiert ist. Schnitzel, Fleischkäse oder selbstgemachte Spätzle sowie Kaffee und Kuchen warten auf die Gäste, die das Naturfreundehaus gerne als Start- und Endpunkt von Wanderungen nutzen.
Während Pfingsten ein gut besuchtes Haus bescherte, sah es am vergangenen Wochenende mit Regen und Kälte etwas anders aus. „Viele haben noch nicht mitbekommen, dass man bei uns auch drinnen sitzen kann und nicht nur auf der Terrasse“, sagt der Pächter. Aber das sei auch kein Wunder bei den ständigen Änderungen. So habe es vor kurzem eine Anfrage für ein Familientreffen mit Übernachtungen gegeben. „Aber da war die Lage noch so unklar, dass ich erst sehr spät das Okay geben konnte. Da war das Treffen aber schon abgesagt worden“, erzählt Sonja Theis.

Ständige Änderungen

Hinzu komme Verunsicherung, weil bei größeren Feiern auch Gäste aus anderen Bundesländern dabei seien, wo ganz andere Regeln gelten würden. „Manchmal kommen zwei Mails mit Aktualisierungen pro Tag“, so Rüdiger Theis. „Man möchte sie schon gar nicht mehr öffnen.“ Im Moment gehe es jedoch nicht anders, als bei Anfragen bei größeren Feiern mit Übernachtungen den jeweils aktuellen Stand zu berücksichtigen.

Historie und Öffnungszeiten


Das Naturfreundehaus wurde 1968 eingeweiht und 1984/85 umfangreich erweitert. Insgesamt bestehen 50 Übernachtungsmöglichkeiten, zwei Aufenthaltsräume, ein Jugendraum, eine Terrasse, Liegewiese, Grillstelle und ein 2002 entstandener Kinderspielplatz. Es ist von Donnerstag bis Sonntag ab 14 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 20 Uhr geöffnet. gboe