Ab dem 19. April setzt das Land Baden-Württemberg die von der Bundesregierung beschlossene Notbremse um. Neben nächtlichen Ausgangssperren und verschärften Kontaktbeschränkungen dürfen Friseurdienstleistungen nur wahrgenommen werden, wenn ein tagesaktueller negativer Covid-19-Schnelltest nachgewiesen wird, eine Impfdokumentation oder ein Nachweis einer bestätigten Infektion vorliegt.
Doch welche rechtlichen Vorgaben sind zu beachten, was unterscheidet die verschiedenen Testvarianten und wo erhalten Unternehmen zugelassene Produkte.

Corona-Tests in den Betrieben: Arbeitgeber müssen Tests anbieten

Das Bundeskabinett hat am 13. April hat ein verbindliches Testangebot in Unternehmen beschlossen. Betriebe und Verwaltungen müssen ihren Beschäftigten mindestens einen Test pro Woche anbieten. Besonders gefährdete Beschäftigte (häufige Kundenkontakte, körpernahe Dienstleistungen) müssen zweimal pro Woche ein Angebot erhalten.
Das Testangebot ist nicht gleichzusetzen mit einer Testpflicht. Beschäftigten steht es frei, das Angebot wahrzunehmen – oder nicht. Die Kosten sind – allen Einwänden der Wirtschaftsverbände zum Trotz – von den Arbeitgebern zu tragen. Das Testangebot wird in der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung verbindlich geregelt. Die neue Fassung der Verordnung, die nach aktuellem Stand bis zum 30. Juni 2021 gelten soll, wird voraussichtlich Mitte nächster Woche veröffentlicht und in Kraft treten.

Reutlingen/Metzingen

Testen in Unternehmen und Firmen verbindlich: Schnelltest oder Selbsttest?

Bei beiden Varianten handelt es sich um sogenannte Antigen-Tests. Der wesentliche Unterschied liegt in den Anforderungen an die praktische Durchführung im Betrieb.
  • Schnelltests stellen höhere Anforderungen. Sie dürfen deshalb nur durch fachlich geschultes Personal durchgeführt werden, erfordern zudem gesonderte Räumlichkeiten und umfassende Schutzvorkehrungen für die Tester. Diese Variante wird in zahlreichen kommunalen Testzentren angeboten. Betriebe können also auf externe Anbieter ausweichen.
  • Selbsttests hingegen sind deutlich praktikabler und auch für Laien anwendbar. Die Proben werden aus dem vorderen Nasen- oder Rachenraum entnommen, mit Spuck-, Lolly- oder Gurgellösungen sind weitere simple Verfahren verfügbar. Fachkenntnisse sind also nicht erforderlich.

Den richtigen Lieferanten für Selbsttest oder Schnelltests finden

Die Auswahlkriterien
  • Aufgeführt werden ausschließlich Selbsttests („Tests zur Eigenanwendung durch Laien“), für deren Anwendung keine fachlichen Kenntnisse erforderlich sind.
  • Alle Produkte sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet.
  • Alle Tests haben bereits das gesamte Zulassungsverfahren durchlaufen und sind damit unbefristet zugelassen.
  • Alle Anbieter beliefern Betriebe – und nicht ausschließlich Apotheken.
Die Handwerkskammer Reutlingen hat sich bewusst dagegen entschieden,ihren Mitgliedsbetrieben Test-Kits eines bestimmten Anbieters zu empfehlen oder einen Exklusivvertrag mit einem solchen zu schließen.
„Eine Anbietermonopolisierung und ein stark in den Wettbewerb eingreifendes Nachfragebündelungsverfahren kam nach einer kartellrechtlichen Prüfung aus unserer Sicht nicht in Frage“, erklärt Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen. „So attraktiv das Angebot für einen Betrieb auch scheinen mag, alles aus einer Hand zu erhalten – eine Rahmenvereinbarung mit nur einem einzigen Anbieter schied somit aus. Die Liste der von uns aufgeführten Testlieferanten wurde mit Sorgfalt erstellt, wird laufend erweitert und aktualisiert. Gleiches gilt für die Suchfunktion von Apotheken, die Tests durchführen.“