Kein Großveranstaltungen bis Ende Oktober, unzählige Auflagen in der Gastronomie und keine Planungssicherheit: Kulturbetriebe wie das FranzK leiden enorm unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

„Night of Light“ als Lebenszeichen der Veranstaltungswirtschaft

Die deutsche Veranstaltungswirtschaft wollte nun mit einer bundesweiten Aktion auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für ihre Branche aufmerksam machen. In der vergangenen Nacht leuchteten in rund 200 Städten Gebäude, Bauwerke und Eventlocations Rot auf: Mit der „Night of Light“ will die Branche auf die „Alarmstufe Rot“ hinweisen. Auch die Stadthalle Reutlingen, das Schloss Lichtenstein und die Motorworld Metzingen beteiligten sich an der Initiative. Doch wie steht es eigentlich um die Kulturbetriebe in der Region?

Überleben nur Dank Kurzarbeit

Seit 13. März sind große Teile des Kulturbetriebes - sowohl Kultureinrichtungen als auch die Künstlerinnen und Künstler - von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie stark betroffen. Doch Andreas Roth, geschäftsführender Vorstand des FranzK. in Reutlingen, will den Kopf nicht in den Sand stecken „Wir verfolgen die wissenschaftlichen Diskussionen rund um das Coronavirus und die politischen Entwicklungen, und warten ab. Allerdings bin ich wenig optimistisch, dass sich an unserer Lage schnell etwas ändern wird.“
Derzeit könne sich das FranzK. nur aufgrund der Kurzarbeit noch halten. Eine Maßnahme von der alle Mitarbeiter betroffen seien. „Sämtliche Veranstaltungen wurden entweder abgesagt oder mindestens bis in den September hinein verschoben. Durch die Lockerungen sind wir jetzt in der Lage wieder ein wenig für die kommenden Wochen planen zu können“, erklärt Roth.

Alle Veranstaltungen verschoben oder abgesagt

Allerdings sind die Regelungen der Corona-Landesverordnung auch nach den Lockerungen nach wie vor einschneidend. So sind auch weiterhin weder Partys noch größere Konzerte möglich.
Viele Künstler, vor allem Musiker, hätten ihre Tourneen bereits auf das kommende Jahr 2021 verschoben, denn „es herrscht keine Planungssicherheit. Das Risiko, dass sich im Herbst wieder alles ändert, ist einfach zu groß.“ Roth und sein Team arbeiten gerade daran, dass zumindest Lesungen und kleinere Konzerte wieder möglich sind: „Derzeit sind nur Veranstaltungen möglich, die maximal 100 Besucher mit festes Sitzplätzen garantieren. Daran orientieren wir uns momentan.“

Tickets stornieren oder auf einen Ausweichtermin warten

Kartenbesitzer rät Roth sich bei den Tickethändler etwa im Internet über die jeweilige Möglichkeiten zu informieren. „Entweder man lässt die Tickets stornieren, oder man wartet einfach auf einen Ausweichtermin zu einem späteren Zeitpunkt. Auf unserer Internetseite kann man sich darüber informieren, wie es um die jeweilige Veranstaltung steht.“
Trotz allem will Andreas Roth jedoch nicht die „Flinte ins Korn werfen“. Das FranzK. hat ein franz.K - Open-Air! Sommerprogramm initiiert, durch das auf dem Gelände der alten Paketpost ab Juli neben Comedy und Musik auch Podiumsdiskussionen anbietet.

Clubs und Partylocations müssen weiter geschlossen bleiben

Bitter ist die derzeitige Lage für die Clubs und Partylocations in der Region. Aufgrund fehlender Hygiene- und Sicherheitskonzepte können die Betreiber ihre Tanzbars nicht öffnen. Mindestabstand und Mund-Nasenschutz sind beim Tanzen schlicht nicht durchsetzbar. So bleiben etwa das Top10 sowie die Butterbrezel in Tübingen auch weiterhin geschlossen.
Der Betreiber des Großgastronomiebetriebs Area 14 zu dem das Pflaumenbaum, das Coyote, das Prisma und das Holy21’s in Reutlingen gehören, plant währenddessen wieder im September zu starten. „Wir hoffen bis dahin klar zu kommen“, erklärt der Geschäftsführer Josua Grauer. Auch sie hätten nur Dank Stundung, Teilstundung und Stundenerlassen überleben können. „Wir arbeiten praktisch nur mit Aushilfen und haben daher zur Zeit null Lohnkosten, was uns jetzt alles Hilfe, die ganze Sache zunächst entspannt zu sehen.“ Sollte es allerdings länger gehen als September dauern, mache es betriebswirtschaftlich einfach keinen Sinn mehr.“
Grauer fordert von den Politikern mehr Klarheit und Rechtssicherheit, um „das Unternehmen fortzuführen und um generell diese gesamte Branche dauerhaft am Leben zu halten, um Investitionen zu tätigen und um Mitarbeiter einzustellen.“

Aufatmen beim den Theatern in der Region

Gute Nachrichten haben derweil das Tonnen Theater und das Landestheater Tübingen für ihre Besucher. In beiden Einrichtungen wird wieder gespielt. Nachdem in den vergangenen Wochen nur „kleine kulturelle Ersatz-Häppchen“ wie Online-Lesungen und Auftritte gab, haben beide Einrichtungen bereits erste Veranstaltungen angekündigt.
Im Theater Tonne steht das Sommertheater mit Schillers »Räuber« an. Premiere soll am 16. Juli stattfinden. Bereits am 20. Juni. präsentierten Heiner Kondschak, Mona Maria Weiblen und Christian Dähn ihren Gundermann-Abend. Ein weiterer Termin soll Anfang Juli folgen.
Im LTT wird bereits seit Anfang Juni wieder gespielt - unter freiem Himmel im Hinterhof. Am 19. und 20. Juni feierten bereits „Top Dogs“ und „Medea“ Premiere.
Für beide Theater gilt jedoch eine Platzbeschränkung, darum ist eine Online-Reservierung unter Angabe einer Kontaktadresse ratsam.

Soforthilfen des Landes auch für Kultureinrichtungen


Die Landesregierung hat weitere Corona-Soforthilfen für Kunst und Kultur in einem Gesamtumfang von 50 Millionen Euro beschlossen. Die Mittel fließen in einen Hilfefonds für pandemiebedingt in finanzielle Not geratene Kunst- und Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg (32,5 Mio.), in das Impulsprogramm „Kunst trotz Abstand“ für neue Formate unter Corona-Bedingungen (7,5 Mio.) und in ein Soforthilfeprogramm für die Vereine der Breitenkultur (10 Mio.).

Darüber hinaus wurden bereits mehr als 75 Millionen Euro Soforthilfe an notleidende Künstlerinnen und Künstler direkt ausgezahlt. Auch dieses Programm wird fortgeschrieben werden. Damit können Soloselbstständige aus dem Kulturbereich und der Kreativwirtschaft weiterhin Corona-Soforthilfe beantragen und 1180 Euro monatlich für private Lebensunterhaltskosten anrechnen.