In einer ersten Runde ist demnach vorgesehen, bis zu 3.000 erwachsene Einwohner des Landkreises zu testen.

Wie viele Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt?

Nach bisheriger Kenntnis bleiben viele Sars-CoV-2-Infektionen wegen ihres milden Verlaufs unerkannt. Infizierte bilden aber Antikörper gegen das Virus. Die Studie soll Aufschluss darüber geben, wie viele Menschen in Deutschland sich tatsächlich bisher mit dem Virus angesteckt haben und nach bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft als immun gelten.

Probanden per Zufallsprinz ausgewählt

Potenzielle Probanden werden per Zufallsprinzip ausgewählt und um eine Teilnahme gebeten. Bei einer Zusage nehmen ihnen auf dem Reutlinger Testgelände Mitarbeiter der Johanniter-Unfallhilfe Blut ab.

NWI Reutlingen analysiert Proben auf Antikörper

Insgesamt sollen in der Studie etwa 60.000 Blutproben genommen werden, sagte Nicole Schneiderhan-Marra vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) mit Sitz in Reutlingen. Das NMI ist ein vom Land Baden-Württemberg gestiftetes Forschungsinstitut, das die Proben für das HZI auf Antikörper gegen das Coronavirus analysiert.

Nach Reutlingen zehn weitere Kommunen

Nach dem Kreis Reutlingen sollen in zehn weiteren deutschen Kommunen Menschen nach dem Zufallsprinzip zur Teilnahme an der Studie gebeten werden. An jedem Ort erfolgt nach mehreren Monaten eine zweite Erhebungsphase. Nach der Analyse durch das NMI wertet das HZI die Ergebnisse epidemiologisch aus - das bedeutet, das die Verbreitung des Coronavirus beispielsweise nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselt wird.

Statement von Landrat Thomas Reumann zum Start der bundesweiten Antikörperstudie - Landkreis Reutlingen Pilotregion:

„Mit dem Beginn der bundesweiten Antikörperstudie des HZI werden Fragen aufgegriffen, die den Menschen unter den Nägeln brennen und alle Entscheidungsträger bewegen: Wie viele Personen hatten oder haben eine SARS-CoV-2 Infektion und wie viele Personen haben eine Infektion durchgemacht und in der Folge eine Immunität entwickelt. Es geht um ein realistisches Bild in das Infektionsgeschehen und den Pandemieverlauf, das wir derzeit nicht haben“, machte Landrat Thomas Reumann zu Beginn deutlich. „Auf dieser Grundlage können wir die Bürgerinnen und Bürger und vor allem die älteren und verletzlichen Menschen in unserer Gesellschaft noch besser schützen, Präventionsstrategien entwickeln und zugleich die Eingriffe und Beschränkungen in das alltägliche Leben auf das notwendige Maß begrenzen.“
„Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung für unsere Gesellschaft, für unser Gesundheitssystem, für die Wirtschaft, für die Politik und ebenso für die Landkreise, Städte und Gemeinden, wie wir sie uns vor einigen Monaten nicht hätten vorstellen können. Und nach allem was wir wissen, ist sie noch lange nicht vorbei“, so Reumann weiter. „Wenn wir auf die vergangenen Wochen zurückblicken, dann können wir auch im Landkreis Reutlingen mit Blick auf das großartige Engagement vieler Beteiligter feststellen: Das war eine tolle Mannschaftsleistung, mit der wir die Krise bisher gut bewältigen konnten. Stand heute gibt es im Landkreis Reutlingen 1.556 laborbestätigte Fälle.“, führte Reumann weiter aus. Die Inzidenz der letzten 7 Tage betrage 1,0 pro 100.000 Einwohner.

„Covid-19 ist aber immer noch eine Erkrankung, die viele Fragen aufwirft“, unterstrich Reumann. Deshalb sei Forschung der Schlüssel im Kampf gegen das Coronavirus. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung leiste hier mit der bundesweiten Antikörperstudie, die am 1. Juli im Landkreis Reutlingen gestartet sei, einen herausragenden und wertvollen Beitrag. „Ich freue mich sehr, dass der Landkreis Reutlingen als Pilotregion für diese Studie ausgewählt wurde. Die flächendecken Abstriche in allen stationären Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe im Landkreis Reutlingen im April haben bereits deutlich aufgezeigt, dass es nicht möglich ist, zuverlässige Aussagen zu treffen, wie viele Menschen tatsächlich eine Infektion mit SARS-CoV-2 hatten oder haben“, betonte Reumann. „Fast dreiviertel aller positiv getesteter Bewohnerinnen und Bewohner in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe haben im Vorfeld keine Symptome angegeben“, so Reumann weiter. „Dies unterstreicht, dass die bisherigen Covid-19-Fallzahlen offenbar keine verlässliche Abschätzung des tatsächlichen Vorkommens von Infektionen mit SARS-CoV-2 in der Bevölkerung zulassen“.
Wenn wir ein realistisches Bild über die tatsächliche Verbreitung von Infektionen mit SARS-CoV-2 und über den Grad der Immunität haben und die konkrete Wirkung von Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen einschätzen können, sind dies wichtige Grundlagen bei der Prognose des weiteren Verlaufs der Pandemie und eine wichtige Entscheidungshilfe für konkrete Maßnahmen und vorausschauende Präventionsstrategien“, unterstrich Reumann. Abschließend dankte Reumann dem Team des Helmholtz-Zentrums für die Durchführung der Studie, Oberbürgermeister Thomas Keck für die Bereitstellung des städtischen Paketpostareals, dem NMI und der Johanniter-Hilfe e.V.