Auftragseinbrüche und damit einhergehend finanzielle Einbußen und Kurzarbeit: Das komplette Corona-Programm hat auch der Stickerei Klam aus Unterhausen gedroht. Kaum war das Virus in Deutschland ausgebrochen, stornierten große Kunden wie Porsche, für die die Lichtensteiner Firma vor allem im Eventbereich unterwegs war, ihre Bestellungen.

Mit Logos und Werbung versehene Arbeitskleidung, Taschen oder Handtücher werden derzeit nicht mehr gebraucht.  Wie den Betrieb also weiter am Laufen halten und dafür sorgen, dass den acht Angestellten die Arbeit nicht ausgeht? Die Antwort darauf hatte der Inhaber der Stickerei schnell gefunden. Maic Klam sattelte um auf die Produktion von Stoffmasken.

Viele Diakonien als Kunden

„Ich habe mich Anfang März entschieden, die Produktion größtenteils auf Stoffmasken umzustellen, da wir auch einige Diakonien zu unseren Kunden zählen und deren Not mitbekommen haben,“ berichtet der Firmenchef mit Blick auf den Mangel an Mund-Bedeckungen mit dem auch die Pflegekräfte im Kreis Reutlingen zu kämpfen haben. Gegen die anfängliche Skepsis seiner Kollegen habe man dann einfach mal losgelegt. „Anfangs haben wir ganz einfache Masken produziert, im Prinzip war es ein Stück Stoff mit einer Naht versäubert und zwei Gummibändern angenäht. Aber wir lernen jeden Tag dazu, durch das Feedback unserer Kunden versuchen wir die Masken stetig zu verbessern“, sagt Klam. Mittlerweile, erläutert er, könne man die Masken, je nach Kundenwunsch, doppellagig, mit Nasenklammer und verschiedenen Verschlussarten anbieten.

Höherer Output ist möglich

Bei gut 1000 Stück liegt die Kapazität des Unterhausener Betriebs derzeit. Aber durch die Ausweitung des Schichtsbetriebs könne man „den täglichen Output“ jederzeit erhöhen. „Und unsere Mitarbeiter ziehen alle super mit“, lobt Diana Notz-Klam, die ebenfalls in der Firma ihres Mannes beschäftigt ist, ihre Kollegen.

Dabei hatte sich die Produktionsumstellung anfangs gar nicht so gut angelassen. „Als wir begonnen haben, Stoffmasken herzustellen, gab es erstmal einen richtigen Shitstorm in den sozialen Medien“, berichtet Notz-Klam. „Die Leute haben uns vorgeworfen, wir würden die Lage ausnutzen und aus Corona noch Profit schlagen“, blickt sie zurück. Als wenige Tage später Wolfgang Grupp bekannt gab, dass auch Trigema in Zukunft Mundmasken herstellen werde, da legte sich auch der Shitstorm, der über die Lichtensteiner Firma hereingebrochen war, im Nu.

Mittlerweile sind zu den Diakonien, die Maic Klam beliefert, immer mehr Kunden dazukommen. „Es sind inzwischen auch viele Industriekunden, die bei uns bestellen, um ihre Mitarbeiter zu schützen“, sagt Diana Notz-Klam, die allerdings diesbezüglich eine Einschränkung machen muss.  Es sind nämlich keine medizinischen Produkte und es liegt keine Zertifizierung dafür vor. Trotzdem hat die Stickerei Klam derzeit gut zu tun.  Und es gibt sogar schon neue Pläne, wie die Firma einigermaßen unbeschadet durch die Corona-Krise kommen könnte. Denn Klam überlegt jetzt, ob er auch noch in die Produktion von Schutzanzügen einsteigen soll.