Der soeben veröffentlichte „City-Report Reutlingen 2020“ analysiert die Marktentwicklung auf dem Wohnimmobilienmarkt der Stadt und gibt Auskunft über das aktuelle Kauf- und Mietpreisniveau.
„Der Wohnimmobilienmarkt in Reutlingen ist weiterhin sehr agil“, so Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Was er damit meint: relativ preisträchtig. Denn wie aus dem Report hervorgeht, kam es auf dem Kaufmarkt mangels adäquater Angebote und einer nach wie vor unzureichenden Bautätigkeit zu weiteren Preissteigerungen. „Im Mietensektor führen Neubautätigkeiten nur allmählich zu einer Beruhigung am Markt“, so der Experte.

Eigentumswohnungen 33 Prozent teurer

Wie sich das Preisniveau am städtischen Wohnimmobilienmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat, wird in der Fünf-Jahresbetrachtung deutlich: Gegenüber dem Frühjahr 2015 nahmen im Frühjahr diesen Jahres die Kaufpreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand um 33 Prozent und für freistehende Einfamilienhäuser um 15 Prozent zu. Die Preise für bestehende Mietwohnungen aus dem Bestand stiegen um 23 Prozent.
Für ein freistehendes Einfamilienhaus mussten in diesem Frühjahr im Schnitt 503 000 Euro, für eine Doppelhaushälfte 470 000  Euro und für ein Reihenmittelhaus 380 000 Euro bezahlt werden. Das sind jeweils etwa ein bis eineinhalb Prozent mehr im Vergleich zum Wert im Herbst 2019.
Ähnlich hoch fielen die Teuerungsraten für Eigentumswohnungen aus. Im Halbjahreszeitraum Herbst 2019 zu Frühjahr 2020 verteuerten sich Bestandsobjekte im guten Wohnwert im Schnitt um 1,1 Prozent, neuerrichtete Objekte tendierten mit 1,6  Prozent Verteuerung noch deutlicher nach oben.

Reutlinger Wohnbauoffensive will 500 Wohnungen schaffen

„Im Zuge der Reutlinger Wohnbauflächenoffensive sieht die Stadt vor, bis 2025 jährlich für 500 Wohneinheiten planungsrechtliche Voraussetzungen zu schaffen“, erläutert Christoph Landgraf, Vorstandsmitglied des IVD Süd: „Mit dem ‚Blue-Village’ befindet sich eines der größten städtebaulichen Projekte der Region derzeit in der Bauphase. Hier entstehen in mehreren Bauabschnitten rund 330 Wohneinheiten, die bereits kurzfristig dämpfend auf den Markt wirken könnten.“

Mietpreise gestiegen

Im Frühjahr 2020 lagen die Mietpreise in Reutlingen durchschnittlich bei 10,70  Euro pro Quadratmeter für Altbauwohnungen, das sind 2,9 Prozent mehr im Vergleich zum Herbst 2019. Bei 10,90 Euro pro Quadratmeter für Bestandswohnungen blieb der Wert im Vergleich zum Vorjahr gleich, während für neuerrichtete Wohnungen 13,20  Euro pro Quadratmeter und damit 1,5 Prozent mehr als im letzten Jahr zu zahlen sind.

Corona führt zu leichter Entspannung

Diese Marktpreise wurden kurz vor Beginn der Corona-Pandemie erhoben. Zusätzlich hat das IVD-Institut in einer Erhebung ein Stimmungsbild der IVD-Mitglieder, also Immobilienberater, Makler, Sachverständige und Verwalter, in Süddeutschland erstellt. Während die Krise auf der einen Seite schwerwiegende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die gesamtwirtschaftliche Lage und einen preissenkenden Einfluss mit sich bringt, steht auf der anderen Seite ein weiterhin ungebrochen hoher Bedarf nach Wohnraum und das Bestreben von Investoren, Geld sicher in Immobilien anzulegen.
Diese marktwirtschaftlichen Kräfte werden auf dem Wohnimmobilienmarkt zumindest mittelfristig wohl zu etwas reduzierten Preisen führen.