Mitte Februar hat der Reutlinger Gemeinderat den Verkauf des Areals Planie 20/22 beschlossen. Der Antrag von Seiten der CDU fand mit Hilfe der Stimmen von FDP, FWV und der WiR eine Mehrheit. Dagegen regt sich Widerstand. Gestern erläuterten Vertreter des Vereins „Industrie-Kulturdenk.mal“ gegenüber der Presse ihre Bedenken und kritisierten Versäumnisse der Stadt. Seit fast sieben Jahren setzen sich die Mitglieder für eine an städtischen Bedürfnissen orientierte Entwicklung des früheren Heinzelmann-Fabrikgeländes ein. So geht der Ensembleschutz durch das Landesdenkmalamt beispielsweise auf einen von Seiten des Vereins gestellten Antrag zurück, betonten Dr. Jochen Böckem und Karin Zäh. Derzeit wird der denkmalpflegerische Rahmenplan ausgearbeitet.

Vehement wandte sich Zäh gegen die ihr zufolge von CDU-Fraktionschef Rainer Löffler ins Feld geführte Argumentation, derzufolge ein Verkauf gerechtfertigt sei, weil sich auf dem Areal nichts tue. „Seit 2005 bereits werden Versuche unternommen, das Gelände zu entwickeln“, betonte Zäh. Noch vor dem Antrag auf Ensembleschutz fand das Thema Eingang in eine Podiumsdiskussion zur Oststadtentwicklung, und 2013 signalisierten die Gemeinderatsfraktionen grundsätzlich ihre Zustimmung zu dem unter Federführung des Vereins „Industrie-Kulturdenk.mal“ entwickelten „maßgeschneiderten Nutzungsmix“ für das Gelände. Beteiligt an der Entwicklung waren zudem die Initiative Lebenswerte Oststadt (ILOS) und das Forum-Reutlingen als überparteiliche Plattform bürgerschaftlichen Engagements. Vor gut einem Jahr ließ der Verein dann mit dem Büro „Reschl“ einen Konzeptvorschlag ausarbeiten, der einige Monate später gegenüber Finanzbürgermeister Alexander Kreher ausführlich erläutert werden konnte, wie Böckem in Erinnerung rief. Ende November habe die Stadt auf den denkmalpflegerischen Rahmenplan verwiesen – danach herrschte bis zum Verkaufsbeschluss des Gemeinderats Funkstille.

Als frühere Forums-Sprecherin nannte es Martina Kaplan „den falschen Ansatz“, die Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt jetzt dem künftigen Investor überlassen zu wollen. Vielmehr hätte die Stadt festlegen sollen, welche Nutzung dort erwünscht und sinnvoll sei, um dann nach geeigneten Investoren zu suchen. „Der jetzige Ansatz ist der falsche Weg für eine Stadtentwicklung“, so Kaplan, die auf Beispiele einer erfolgreichen Quartiersentwicklung unter städtischer Regie in Augsburg (frühere Kammgarnspinnerei) oder im schweizerischen Winterthur mit dem Sulzareal verwies.

„Die Stadt hat wohl kein Interesse an der Entwicklung des Areals“, kritisierte Gabriele Janz. Die Gemeinderätin der Grünen verwies auf die bereits vor drei Jahren von ihrer Fraktion dazu gestellten Anträge. Die blieben folgenlos. „Wir bestehen aber auf einer Antwort der Stadt“, betonte sie. „In der Verwaltungsspitze braucht der Verkauf nicht bedauert zu werden“, sagte Janz mit Blick auf Äußerungen von OB Barbara Bosch, schließlich habe die Stadt nichts unternommen.

Eine vertane Chance, bedauert der Verein. „Andernorts wird so eine Möglichkeit genutzt, um ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen“, unterstrich Kaplan. Und: Auch für die Entwicklung der allseits geforderten „Marke Reutlingen“ biete sich hier eine gute Gelegenheit, schließlich betreffe dieses Ziel nicht nur Einkaufsmöglichkeiten in Reutlingen. Folglich müsse die Stadt anhand der Vorgaben des Denkmalamtes ein differenziertes Nutzungskonzept entwickeln und dann Investoren suchen. Es gelte, Chancen in den Vordergrund zu rücken.

Nutzungskonzept für das Areal Planie 20/22


Der Verein „Industrie-Kulturdenk.mal“ hat für das frühere Heinzelmann-Fabrikgelände, das mit seinem Nebeneinander von Gründerzeit, Jugendstil und Moderne eine einzigartige bauhistorische Besonderheit darstellt, ein differenziertes Nutzungskonzept entwickelt. Motto: „Zeitgeist trifft Zeitzeuge“. Neben öffentlichen Nutzungen wie Räumen für das Stadtarchiv oder dem geplanten Bürgerhaus, sollen unter anderem Wohnungen, Arbeitsstätten – auch mit integrativen Arbeitsangeboten –, ein Gästehaus im ehemaligen Hausmeistergebäude, Angebote zur Nahversorgung, ein Mobilitätszentrum und Möglichkeiten für „Urban Gardening“ sowie individuelle Lagerflächen geschaffen werden. Internet: „www.planie22.de“. rot