Ausbildung Chance für Benachteiligte

Manfred König von Pro Labore (zweiter von links) freut sich über die Spende der Bürgerstiftung Reutlingen, die von Ingo Wolff (links), Gregor Völker (rechts) und Hans Hamann (zweiter von rechts) überbracht wurde.
Manfred König von Pro Labore (zweiter von links) freut sich über die Spende der Bürgerstiftung Reutlingen, die von Ingo Wolff (links), Gregor Völker (rechts) und Hans Hamann (zweiter von rechts) überbracht wurde. © Foto: Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 23.01.2018

Ohne Spenden und tatkräftige Unterstützung von außerhalb könnte Pro Labore wohl nicht bestehen. Dieser Tage gab es wieder eine Ausschüttung aus der Bürgerstiftung Reutlingen in Höhe von 2520 Euro. Dringend benötigtes Geld, wie Manfred König betont. Der ehemalige und langjährige Geschäftsführer von Pro Labore arbeitet heute nach der Berentung noch ehrenamtlich mit. Die Jungs liegen ihm am Herzen. 20 Auszubildende werden derzeit in den Werkstätten von Pro Labore, einer gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft, in Betzingen fit gemacht für einen soliden Handwerksberuf, zehn davon sind Asylbewerber. Schreiner, Maler, Zimmerer werden hier ausgebildet, die Vermittlungsquote bei den erfolgreichen Azubis liegt bei 100 Prozent. Kein Wunder, schließlich werden gerade Handwerker händeringend gesucht.

Dr. Gregor Völker, Dr. Ingo Wolff, Dr. Hans Hamann vom Vorstand der Bürgerstiftung Reutlingen ließen es sich nicht nehmen, den Scheck, der für Werkzeugkoffer verwendet werden soll, persönlich zu überreichen. Die Bürgerstiftung hat es sich zur Aufgabe gesetzt, neben der Denkmalpflege auch lokale Projekte, Einrichtungen und Institutionen zu unterstützen, für deren Tätigkeit im Interesse der Bürger der Stadt liegen. Nun schon zum vierten Mal wird auch Pro Labore mit einer Spende unterstützt. Möglich ist dies auch deshalb, weil die Bürgerstiftung 2017 das erfolgreichste Jahr bislang verzeichnete. „So viel Geld hatten wir noch nie zur Verfügung“, sagen Völker und seine Mitstreiter. „Wir hatten ein unglaublich erfolgreiches Jahr.“

Seit mehr als 25 Jahren

2015 konnte Pro Labore das 25-jährige Bestehen feiern. Die Einrichtung gibt denjenigen eine Chance, die benachteiligt sind,  bildet sie aus und betreut sie sozialpädagogisch. Aber auch Langzeitarbeitslosen wird hier eine neue Perspektive vermittelt. Gleichzeitig fungiert Pro Labore als Dienstleistungszentrum, nimmt Aufträge entgegen, saniert und renoviert, fertigt Möbel nach Maß und vieles mehr. Derzeit stehen in den Werkstätten die Weihnachtshäuschen vom Reutlinger Weihnachtsmarkt. Sie werden renoviert und auf Vordermann gebracht, damit sie Ende des Jahres wieder benutzt werden können.

„60 Prozent der Kosten werden über unsere Aufträge finanziert“, sagt Manfred König. Die Einrichtung hat zehn Festangestellte, davon drei Meister und drei Gesellen. Für die Ausbildungen gibt es Zuschüsse von Jobcenter und Agentur für Arbeit. Und dann ist Pro Labore noch dringend auf Spenden angewiesen, eben für alle Dinge, die von staatlicher Seite nicht gefördert werden.

Auch Asylbewerber werden derzeit bei Pro Labore ausgebildet. Der Weg zum erfolgreichen Abschluss ist weit. Denn die Asylbewerber absolvieren zunächst einen achtmonatigen Grundlagenkurs, wo ihnen Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten beigebracht werden. Danach steigen sie in die eigentliche Ausbildung ein. Die Jungs seien hoch motiviert und engagiert, bescheinigt König seinen Schützlingen, „aber wir müssen natürlich ganz vorne anfangen, die Rechenarten lehren, vor allem Sprachkurse anbieten“. So lernen die Asylbewerber nicht nur wie man zimmert, Wände streicht und Möbel baut, sondern absolvieren auch Deutschkurse begleitend zur Ausbildung. Neben den sprachlichen Grundlagen wird dabei auch noch die notwendige Fachsprache gelehrt. Ein gutes Sprungbrett für einen soliden Handwerksberuf.

Pro Labore: Seit mehr als 25 Jahren in Reutlingen

Pro Labore wurde im Jahr 1990 gegründet, der langjährige Geschäftsführer Manfred König war einer der beiden Gründer. 1995 zog Pro Labore von der Wiesstraße in die Rainlenstraße. Seit Anfang Januar 2018 ist Thomas Riekert Geschäftsführer.

Im Leitbild von Pro Labore heißt es: „Die Gewerke Zimmerei, Tischler und Maler stellen dabei aufgrund ihrer Vielfältigkeit eine optimale Grundlage dar, um benachteiligte Personen zu fördern und sie nachhaltig in die Arbeitswelt zu integrieren. Sie können über positive handwerkliche Erfahrungen ihr persönliches Potenzial auch in anderen Bereichen weiterentwickeln. Wichtig ist für uns auch in Zukunft die Wertschätzung durch gute Formen in der Zusammenarbeit weiterzuentwickeln, damit jeder sein eigener ‚Schöpfer’ werden und sich verwirklichen kann. Diese Kompetenz setzen wir motiviert für unsere Kunden ein.“

Die gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg.