Reutlingen CDU drängt auf Kameras

Die Polizei zeigt seit geraumer Zeit mehr Präsenz in Reutlingen. Und das, obwohl die Personaldecke dünn ist. Erst ab Herbst 2019 wird es mehr Personal geben.
Die Polizei zeigt seit geraumer Zeit mehr Präsenz in Reutlingen. Und das, obwohl die Personaldecke dünn ist. Erst ab Herbst 2019 wird es mehr Personal geben. © Foto: Silas Stein
Von Carola Eissler 19.07.2018

Die Kriminalstatistik für die Stadt Reutlingen hat der Revierleiter Michael Simmendinger am Dienstagabend im Finanz- und Wirtschaftsausschuss präsentiert. Die guten Nachrichten zuvorderst: Die Zahl der Straftaten ist um 1,93 Prozent leicht gesunken, die Aufklärungsquote ist höher als im Landesdurchschnitt. Insgesamt 6654 Straftaten wurden im vergangenen Jahr in der Stadt Reutlingen angezeigt, 63,6 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Während Wohnungseinbrüche und Diebstähle abgenommen haben, verzeichnet die Polizei eine Zunahme der Sexualstraftaten um 31,9 Prozent, der Raubdelikte  um 25 Prozent, der Rauschgiftdelikte um  34 Prozent.

Der Drogenhandel wurde zum Teil aus Flüchtlingsunterkünften heraus betrieben, sagte Simmendinger. In Reutlingen gebe es eine Rauschgiftermittlungsgruppe. Die Dolmetscherkosten seien erheblich, damit diese Gruppe arbeiten könne. „Aber wir wollen eine offene Drogenszene in der Stadt verhindern.“ Insgesamt haben 447 Flüchtlinge Straftaten begangen, 38,4 Prozent der Straftäter haben keinen deutschen Pass. Im Blick hat die Polizei derzeit 20 Zuwanderer, die als Mehrfachtäter eingestuft sind. „Die sind bei uns in einem besonderen Fokus.“

Dreiviertel der Straftaten werden in der Innenstadt begangen. Brennpunkte sind hier der Zentrale Omnibusbahnhof mit Bürgerpark mit einer Zunahme der Straftaten um 34,7 Prozent, das Wohngebiet Storlach mit einer Zunahme von 30 Prozent und der Stadtteil Orschel-Hagen mit einer Zunahme von 20,5 Prozent.

Erschreckt von der Zunahme der Drogendelikte zeigte sich Jürgen Fuchs (FWV). Zudem müsse man die Kriminalitätszunahme in den Stadtteilen in den Griff bekommen. Fuchs drängt darauf, in so genannten Angstzonen wie ZOB und Bürgerpark aktiv zu werden. „Die Leute fragen, wieso wir nichts unternehmen.“

Gabriele Janz (Grüne) zeigte sich besorgt über die Zunahme von Delikten, die von Kindern begangen werden. Knapp vier Prozent der Tatverdächtigen sind Kinder, 11,3 Prozent sind Jugendliche von 14 bis 18 und 11,7 Prozent Heranwachsende bis 21 Jahre.

Ginge es nach der CDU-Fraktion, dann würde am ZOB, im Bürgerpark und am Bahnhofsvorplatz eine Video-Überwachung installiert. Allerdings legte Ordnungsamtsleiter Albert Keppler dar, dass es sich bei diesen drei Orten laut Gesetzeslage um keine klassischen Kriminalitätsschwerpunkte handle. Die Fallzahlen müssten sich schon deutlich von anderen Orten in Reutlingen abheben, was hier aber, trotz der Zunahme in den vergangenen Jahren, nicht zutreffe. „Weder der Tatortbereich „Reutlingen-ZOB“ noch der Tatortbereich „Reutlingen Listpark, Bahnhof“ hatte im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre eine über anderen Bereichen liegende Belastung mit Straßenkriminalität“, so die Einschätzung der Stadt.

Die CDU will sich damit allerdings nicht zufriedengeben. „Wir halten eine Videoüberwachung für dringend nötig“, sagte Elisabeth Hillebrand für ihre Fraktion. „Natürlich verstehe ich, wenn die Polizei das personell nicht leisten kann. Aber es dient der Sicherheit und auch der Abschreckung.“ Es könne nicht sein, so Hillebrand, dass Kinder und Jugendliche den ZOB meiden, weil es dort zu gefährlich sei.

Von einer „latenten Unsicherheit“ sprach Jürgen Fuchs. „Warum gehen denn Leute abends nicht durch den Bürgerpark“, fragte er in die Runde. Gabriele Janz (Grüne) hielt dagegen und betonte, man solle Gefahren nicht herbeireden. „Ich bin sehr häufig spätabends in der Innenstadt unterwegs und habe keine Angst.“

Für die SPD steht und fällt die Sicherheit nicht zuletzt mit der Belebung der Stadt. „Polizeipräsenz ist nicht die Lösung. Wir brauchen eine belebte Stadt“, sagte Helmut Treutlein.

Verstärkt wurde in den vergangenen Jahren bereits die Polizeipräsenz, wie auch Michael Simmendinger verdeutlichte. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die Polizei derzeit in einem Personaltief stecke. Erst im Herbst 2019 ist mit einer Verbesserung der Personalsituation zu rechnen.

Kriminalität in der Stadt Reutlingen

Straftaten 6654
Aufklärungsquote 63,6 Prozent (Landesdurchschnitt 62,4 Prozent);
Tötungsdelikte (fahrlässige Tötung) 6;
Sexualdelikte 95;
Raubdelikte 40;
Körperverletzung 854;
Diebstahl 2233;
Vermögens- und Fälschungsdelikte 928;
Widerstand gegen Polizisten 16;
Hausfriedensbruch 70;
Beleidigung 352;
Sachbeschädigung 876;
Drogendelikte 563;
Tatverdächtige 2982 (2318 Männer, 664 Frauen);
38,4 Prozent der Tatverdächtigen sind Nichtdeutsche.

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