"Kurz Carla Anni 30" - hinter dieser Inschrift auf einer Granitstele neben dem Beinhaus von Sant' Anna die Stazzema verbirgt sich eine Geschichte, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Stuttgart begann und vor 71 Jahren bei einem SS-Massaker in dem toskanischen Bergdorf endete. Am 12. August 1944 rückte die alliierte Front näher. Carla Kurz, Enkelin des Stuttgarter Arztes Alfred Kurz und Urenkelin des Reutlinger Schriftstellers Hermann Kurz, war mit ihrer Familie auf dem Seebad Forte dei Marmi nach Valdicastello am Fuße der Apuanischen Alpen evakuiert worden. Von dort machte sie sich nach Mulina die Stazzema auf, um bei den Großeltern ihres Mannes Nahrungsmittel zu organisieren. Der Weg führte über Sant' Anna die Stazzema, wo sie in ein Inferno geriet: Die Angehörigen der 16. SS-Panzergrenadier-Division "Reichsführer SS" trieben etwa 100 Menschen, darunter die 30-jährige Carla Kurz, Mutter von drei Kindern, in Ställen und Höfen zusammen, warfen Handgranaten auf die Eingeschlossenen und erschossen alle noch Lebenden. Anschließend wurden die Leichen angezündet. Von der Gedenktafel auf der Anhöhe oberhalb von Sant' Anna schweift der Blick hinab auf die Küste der Versilia bei Forte dei Marmi. Dort hatte die Familie Kurz um 1900 eine neue Heimat gefunden.

Dieser Mord, so Eberhard Frasch von der "AnStifter-Initiative Sant' Anna" wurde nie gesühnt. Die politische Abteilung der Stuttgarter Staatsanwaltschaft unter Oberstaatsanwalt Häußler habe, so Frasch, "schlampig und zeitverschwendend" ermittelt und jetzt sei das letzte Verfahren zu Sant' Anna in Hamburg eingestellt worden. Einen Prozess in Deutschland gegen die Täter von Sant' Anna werde es somit nicht geben. "Durch dieses bittere Faktum sehen wir uns in unserer Kritik an der Stuttgarter Justiz bestätigt. Das jahrelange Verschleppen der Ermittlungen und der mangelnde Strafverfolgungswille der Stuttgarter Staatsanwälte sind ursächlich für das Scheitern der Bemühungen um eine strafrechtliche Aufarbeitung des Massakers von 1944", klagt der Reutlinger Frasch.