Die Umweltspur in der Lederstraße sorgt für Gesprächsstoff unter den Bürgern, im Gemeinderat und zunehmend am Amtsgericht. Zwischen Alter Feuerwache und Parkhaus müssen die Schadstoffwerte runter. Daher wurde im März die rechte Fahrbahn in Richtung Pfullingen zwischen 19 und 6 Uhr und zwischen 10 und 15 Uhr gesperrt. Es kontrollierte das Ordnungsamt, da Autofahrer die offensichtlichen Hinweis- und Verbotstafeln übersahen oder ignorierten. Das wiederum führte zu Bußgeldbescheiden. Gegen diese wurde Einspruch erhoben, sodass das Verfahren jetzt auf Richter Sierk Hamanns Schreibtisch landete. Und damit auch die Frage nach dem Sinn und Zweck der Spursperrung.

Doch sei das Amtsgericht der falsche Diskussionspartner, nutzte Hamann eines der Bußgeldverfahren, um das einmal klarzustellen. „Es steht uns nicht zu, da einzugreifen. Das ist eine politische Entscheidung, und die dritte Gewalt wird sich da nicht einmischen.“ Ein Mann wurde nämlich im März erwischt, wie er trotz Sperrung auf der rechten Spur unterwegs war. 90 Euro sollte er zahlen und einen Punkt kassieren, er widersprach.
Dass er gefahren ist, hatte er bis zur Verhandlung eingeräumt, weshalb sein Verteidiger Joachim Labsch ohne ihn erschienen ist. „Ich habe meine Schwierigkeit mit der Messung und der Lichtbilddokumentation“, erklärte dieser. Welche Fahrspur wurde gemessen, wie wurde das Gerät eingerichtet, waren seine Fragen, die Richter Hamann mit einem Blick in die Akte schnell beantwortet hatte. Das Leiftec-Messgerät mit Lasertechnik und digitaler Fotoeinrichtung ist als standardisiertes Messverfahren dafür gemacht, einzelne Spuren zu überwachen. Und die Einrichtung der Messstelle wurde dokumentiert. Hamann kam schnell zum Urteil, dass er das Verfahren nicht einstellt, sondern der Angeklagte das Bußgeld und die Verfahrenskosten zu zahlen hat.
Weniger schnell wird die Diskussion um die Spur enden. Das ist ein Politikum. Und darum ein Thema für den Gemeinderat oder das Verwaltungsgericht in Sigmaringen, sagte Hamann. Tag für Tag fährt er selbst die Strecke – auf dem Fahrrad. Er kennt sich aus, hat auf dem Lichtbild auch sofort die Backsteinmauer der Alten Feuerwache erkannt, an der der Fahrer zu nah war, als das er die linke Spur genutzt hätte. Auch Hamann hat seine Meinung zu dem Dauerlichtzeichen mit den „roten gekreuzten Schrägbalken“ wie es in der Amtssprache heißt, die aber im Saal des Amtsgerichts nichts zu suchen hat. Generell: „Es geht nicht an den Bürger, die Sinnhaftigkeit von Schildern zu hinterfragen. Damit wird der Grundkonsens aufgekündigt, dass man sich an Normen hält“, betonte er. „Das Chaos wäre sondergleichen.“ So stehe es auch ihm nicht an, zu entscheiden, ob das Schild notwendig ist. „Das ändert nichts am Regelbußgeld.“
Ändern würde sich am Regelbußgeld nur etwas, wenn im Bescheid auch die Geschwindigkeit eingetragen würde. Wären die erlaubten 40 Stundenkilometer überschritten, würde es noch teurer werden. Ein Bußgeld wegen zu schnellen Fahrens kennen die Menschen, ein Bußgeld, weil sie ein Lichtzeichen missachtet haben, das falle ihnen deutlich schwerer zu akzeptieren, sagte Hamann und erläuterte, warum sich diese Verfahren in seinem Referat häufen. Doch auch da gilt: „Schild ist Schild.“