Sturmschäden Burglind bleibt im Kreisgebiet zahm

In Mittelstadt musste die Wehr beim Häckselplatz Kirrisgrube einen umgestürzten Baum beseitigen.
In Mittelstadt musste die Wehr beim Häckselplatz Kirrisgrube einen umgestürzten Baum beseitigen. © Foto: Feuerwehr Mittelstadt
Evelyn Rupprecht 03.01.2018

„Burglind“ hat den Kreis Reutlingen nicht ganz, aber zumindest beinahe verschont. Umgekippte Bäume, abgerissene Äste, gesperrte Straßen: Entgegen aller Befürchtungen mussten die Feuerwehren keine Großeinsätze fahren, sondern waren eher mit kleineren Unwetterschäden beschäftigt. Von den 22 Einsätzen im Kreis waren fünf im Stadtgebiet Reutlingen und die anderen schwerpunktmäßig im Echaztal und auf der Albhochfläche.

In Mittelstadt musste die Wehr auf Höhe des Häckselplatzes Kirrisgrube einen umgestürzten Baum von der Straße bergen, ähnliche Einsätze gab’s unter anderem auch in Bronnweiler, Honau und Böhringen und auf der Hochfläche zwischen Wasserstetten und Eglingen und Wilsingen und Harthausen. In Bremelau hat es Ziegel vom Kirchendach geweht, in Auingen ist ein Zelt Opfer der Windböen geworden und in Pliezhausen hat der Sturm eine Photovoltaikanlage vom Dach eines Einkaufsmarkt gerissen. Ein nennenswerter Schaden ist laut Polizei auch in Metzingen entstanden, wo ein umherfliegendes Trampolin und ein Anhänger gegen ein Auto geweht wurden.

Zehn „witterungsbedingte“ Anrufe hatte die Polizei während und kurz nach dem Sturm am Vormittag zu vermelden. Wobei es den Kreis Reutlingen deutlich weniger stark getroffen hat, als den Nachbarkreis Esslingen, wo die Telefone in der Notrufzentrale nicht mehr stillstanden und etliche Fahrzeuge beschädigt wurden.

Martin Reicherter, Abteilungsleiter Technik bei der Reutlinger Feuerwehr, war mehr als erleichtert, als das Haupt-Sturmtief bereits vormittags an der Kreisstadt vorbeigezogen war. „Wir sind sozusagen das kleine gallische Dorf aus Asterix“, freute er sich, dass sich Reutlingen den Wind-Böen nicht gebeugt hat – die in der Kreisstadt übrigens längst nicht so schlimm waren wie andernorts. Eine Windgeschwindigkeit von 85,3 Stundenkilometern hat die Feuerwehr an ihrer Wache am Mittwoch um 8.59 Uhr gemessen. Kein Vergleich also zu den 120 Stundenkilometern, die Burglind in anderen Teilen Deutschlands erreicht hat. Freilich ist auch die Reutlinger Wehr weiterhin auf der Hut: Denn dem Starkregen, der für gestern Nachmittag und die Abendstunden vorausgesagt war, könnte heute das Hochwasser folgen. Drei bis fünf Meter sind laut Prognosen möglich. Bei fünf Metern wird es vor allem am Neckar in Mittelstadt kritisch, weiß Reicherter.

Groß war die Erleichterung auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Pfullingen. „Bei uns ist’s sehr ruhig“, konnte Bernhard Eisele gestern Vormittag vermelden. Was fast schon ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit ist, angesichts dessen, dass die Pfullinger im Juni 2016 ein Unwetter wirklich schlimm erwischt hat. „Von dem sind die Leute in der Stadt noch heute mitgenommen. Hoffen wir also, dass wir diesmal auch weiter verschont bleiben“, so Eisele.

Ähnliches konnte auch Boris Goller, der Eninger Kommandant, berichten: „Der Sturm ist über uns hinweggezogen, in Eningen war das für die Feuerwehr überschaubar“. Wobei die Gemeindeverwaltung auf Prävention gesetzt hat. Die Fahnen, die normalerweise vor dem Rathaus hängen, wurden gestern schnell eingeholt. Das vorige Fahnen-Set hat’s beim letzten Sturmtief nämlich komplett zerfetzt.

Ob die teils orkanartigen Böen in den Wäldern der Umgebung größere Schäden angerichtet haben, konnte der Leiter des Kreisforstamts, Werner Gamerdinger, gestern noch nicht sagen. Für die Förster wäre es am Mittwoch zu gefährlich gewesen, in den Wald zu gehen, so der Amtsleiter, der sich sicher ist: „Bereits in ein bis zwei Tagen wissen wir mehr über mögliche Schäden“.