Reutlingen Bunt, international und voller Leben

NORBERT LEISTER 26.03.2012
Das Kinder- und Familienzentrum im Ringelbachgebiet ist nun ein Jahr alt - ein Erfolgskonzept, sagen die Beteiligten, die nun gemeinsam feierten.

Einige Kinder, vor allem Mädchen, waren hoch konzentriert dabei, sie sangen den Text des KiFaZ-Liedes so gut sie es konnten und machten dementsprechende Bewegungen dazu. Andere junge Sänger waren eher damit beschäftigt, das Nachbarkind zu ärgern. So unterschiedlich sind Kinder. Oder anders ausgedrückt: "Unser Leben ist bunt, die Menschen sind nun mal nicht normiert", sagte Lothar Bauer, Geschäftsführer der Bruderhaus Diakonie, die als ein Kooperationspartner in Reutlingens erstem Kinder- und Familienzentrum mitwirkt. Am Samstag wurde dort gefeiert, aber nicht nur mit der Präsentation der unglaublichen Vielfalt an Angeboten in dem Gebäude wie etwa mit "Interkulturellen Inseln" - immerhin treffen sich im KiFaZ 23 Nationen. "Wenn alle ihr Wissen einbringen, wäre das ein unermesslicher Schatz", sagte eine Frau, die sich in der Einrichtung im Andersenweg engagiert und die wortwörtlich ein Teil zu einem großen Puzzle namens "KiFaZ" einsetzte. 135 Kinder besuchen die Einrichtung regelmäßig. Sie kommen in die Krippe der Bruderhaus Diakonie, gehen in die Kindergartengruppen, die einstmals in der Sebastian-Kneipp-Straße waren oder auch in der Bellinostraße.

Bevor die zahlreichen Besucher sich aber auf Entdeckungstour durch das Haus machten, stand zunächst noch eine Festrede von Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch an: "Das ist die größte Kindereinrichtung in Reutlingen, die seit 100 Jahren gebaut wurde", sagte sie. Vor ziemlich genau einem Jahrhundert war im Gmindersdorf eine ähnliche Einrichtung eröffnet worden - für Kinder, für Erwachsene, für Eltern, für Familien. Auch Bosch deutete auf die Vielfältigkeit der Menschen und die notwendige Vielfalt der Bedürfnisse: "Wir brauchen nicht ein Angebot für alle, sondern viele verschiedene." Wie aus einem Werkzeugkasten - den es ständig auszubauen gelte.

Die Kooperationspartner hoben in dem von Ariane Höhn "moderierten Grußwort" das Reutlinger Erfolgsmodell hervor, das sich an ein Konzept aus England anlehnt: "Early excellent centre" heißt es da. Kreisjugendamtsleiter Reinhard Glatzel betonte, dass er schon lange ein Fan von "early excellent centres" sei. Das Interesse der Jugendhilfe sei groß, in solchen Zentren mitzuarbeiten. Für Pfarrer Lothar Bauer werde die Arbeit jedes einzelnen Kooperationspartner im Verbund noch besser. "Das Motto der Bruderhaus Diakonie lautet schon immer teilhaben und Teil sein." Reutlingens Sozialbürgermeister Robert Hahn erinnerte an die Geschichte dieses Gebiets unterm Georgenberg, wo einst Kasernen standen. Dass nach wenigen Jahren Bautätigkeit nun 1000 Menschen dort wohnen, könne nicht ohne Probleme vonstatten gehen. Um diese Schwierigkeiten anzugehen - dafür gebe es jetzt das KiFaZ. "Bisher läufts ganz gut, ich bin überzeugt, dass hier die richtige Entscheidung für den Stadtteil getroffen wurde", so Hahn.