Familienunternehmer Bundeswehr setzt auf Kampf gegen Cyber-Kriminelle

Staatssekretär Markus Grübel war zu Gast bei den Familienunternehmern.
Staatssekretär Markus Grübel war zu Gast bei den Familienunternehmern. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / Jürgen Herdin 19.07.2017

Mit einem Personal von 13 500 Kräften will die Bundeswehr gegen die steigende Cyber-Kriminalität vorgehen. Der CDU-Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Markus Grübel, erläuterte bei einem Besuch der Familienuntenehmer in der Region, weshalb Cyber-Attacken, Angriffe via Internet, auch verteidigungsrelevant seien. Die neue Organisationseinheit Cyber- und Informationsraum steht auf einer Ebene mit Heer, Marine und Luftwaffe.

„Wir wollen auch ein Staatsministerium für Digitalisierung“, sagte der 57-jährige Esslinger, denn die Angriffe aus dem Netz nähmen zu. Im Übrigen sei es „durchaus möglich“, so Grübel, dass Hacker und Leute, die bewusst brisante Falschinformationen („Fake News“) in Umlauf bringen, versuchen könnten, den Ausgang der Bundestagswahl am 24. September zu beeinflussen. Ins Restaurant Achalm hatte Rainer Knauer vom Vorstand der „Familienunternehmer/Die jungen Unternehmer“ erneut unter dem Motto „Politik und Wirtschaft im Dialog“ eingeladen. Wie immer ging Knauer sofort in die Vollen: In kürzester Zeit sollen sich die Politiker über so viele Themen wie möglich äußern. So musste der CDU-Staatssekretär Grübel sogleich auch darüber Auskunft geben, ob denn seine Chefin, Ursula von der Leyen, angesichts der aktuellen Skandale überhaupt als Verteidigungsministerin geeignet sei. Das bejahte Grübel freilich, merkte aber auch an: „Mit 236 000 Leuten sind wir halt auch ein Riesenladen“. Da habe es „punktuell Vorfälle gegeben, die uns erheblich betroffen gemacht haben.“

Betroffen macht die CDU im Bundestag, dass der Koalitionspartner SPD erst unlängst eine Bewaffnung der Bundeswehr mit Kampfdrohnen ausgebremst hatte. Ein solches High-Tech-Gerät in rein aufklärerischer Funktion könne man sich allerdings bei der SPD vorstellen.

Militärische Drohnen, die sich lautlos an potenzielle Gefahren heranmachen und dann auf wenige Meter genau treffen und töten, heißen in den USA auch „Sensenmann“. Solche Namen möchte die Bundeswehr nicht haben. „Aber dem Unbemannten gehört die Zukunft“, so Grübel, der übrigens ziemlich genaue Vorstellungen über die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl hat. Er spricht bereits heute von „der neuen Koalition“.

„Was Trump da fordert, ist völliger Unsinn“ beschied Grübel dem US-Präsidenten, der bekanntlich verlangt, dass alle NATO-Staaten zwei Prozent ihres jeweiligen Brutto-Inlandsprodukts für Rüstung ausgeben sollen. „Das war mal ein Fernziel“, so Grübel. Außerdem müsse schon auch der Status quo betrachtet werden: „Wir in der NATO haben 29 Fregatten, die USA nur vier“.

Kriterium für Investitionen im Rüstungsbereich sei „allein die Notwendigkeit“. Beim Material müsse die Bundeswehr, betonte Grübel, zulegen, da sei eine „Trendwende bereits im Gange“, sagte er. Er stellte fest, dass es der Bundeswehr derzeit in einigen Bereichen, so zum Beispiel bei einem langen Auslandseinsatz – „nicht reicht“. Offen blieb die rechtlich und moralisch äußerst diffizile Frage, ob das Militär zur Gefahrenabwehr im Inneren eingesetzt werden dürfe – und in welchem Umfang. Im Sanitätsdienst sei das sowieso erlaubt, auch eine Hubschrauber-Unterstützung in Notfällen sei bereits geklärt – „und harmlos“, sagte der Staatssekretär.

Doch sprach er auch das das Szenario in Ferdinand von Schirachs Buch „Terror“ an. Der packende Fernsehfilm, der daraus entstand, bewegte 2016 die ganze Republik: Ein Kampf-Pilot muss ganz schnell entscheiden, ob er ein gekapertes Passagierflugzeug mit vielen Menschen an Bord abschießen soll, das von Terroristen ins Münchner Olympiastadion gesteuert werden soll. Grübel kennt die Sachlage: „Eigentlich muss darüber das Bundes-Kabinett entscheiden“. Dafür indes reiche die Zeit niemals aus.

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