Reutlingen Bürgerbeteiligung ist wieder gefragt

Christine Grüger und Dirk Kron moderierten die Informationsveranstaltung zur Oststadt in der Aula des Isolde-Kurz-Gymnasiums.
Christine Grüger und Dirk Kron moderierten die Informationsveranstaltung zur Oststadt in der Aula des Isolde-Kurz-Gymnasiums. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 21.05.2015
Bürgerbeteiligung ist für die Oststädtler kein Fremdwort: Sehr gut besucht war am Dienstagabend eine Info-Veranstaltung, die einen erneuten Dialog mit den Bürgern in Gang setzen soll.

"Die Stadtentwicklung ist einer stetigen Veränderung unterworfen und damit eine kontinuierliche Aufgabe." Die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz wies in ihrer Begrüßung in der Aula des Isolde-Kurz-Gymnasiums darauf hin, dass die Oststadt trotz oder gerade des stetigen Wandels wegen nach wie vor attraktiv sei.

Mit einer Fläche von 118 Hektar und seinen rund 6500 Einwohnern ist die Oststadt das größte innerstädtische Viertel im Herzen der Stadt. Laut Hotz ist es "ein lebendiges Stadtquartier" mit rund 5500 Arbeitsplätzen und insgesamt 8300 Schülern. Es gibt aber auch Themen wie der zunehmende Verkehr, die schwierige Parkplatzsituation und die Verschlechterung des Stadtbilds, die den Oststadtbewohnern seit Jahren auf den Nägeln brennen. Die Veranstaltung hatte daher das Ziel, über die Themenschwerpunkte Stadtbild und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Oststadt zu informieren. Zu den Themen wurden im Vorfeld zwei Dialoggruppen gegründet, die bis zu den Sommerferien konkrete Empfehlungen erarbeiten werden, die sie dem Gemeinderat vorlegen. Ergänzend dazu wurde ein Online-Portal eingerichtet, in dem Bürger ihre Anregungen formulieren können.

Die beiden Moderatoren Christine Grüger und Dirk Kron vom Moderationsbüro Suedlicht sowie Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, stellen in ihrer Einführung vor, worum es geht: Um Information, aber "vor allem um Meinungsaustausch und das Erarbeiten von Empfehlungen", sagte Dvorak. Dazu referierte im Anschluss Prof. Jürgen Gerlach von der Bergischen Universität Wuppertal über Möglichkeiten und Erkenntnisse in Bezug auf verkehrsberuhigende Maßnahmen in der Oststadt: Er schlug vor, weiter die Geschwindigkeiten zu reduzieren und Tempo- 30-Zonen einzuführen, Straßenräume aufzuwerten sowie Rad- und Fußwege zu fördern. Dagegen hält er von der Einschränkung des Durchgangsverkehrs wenig: "Das Problem des Durchgangsverkehrs wird eindeutig überschätzt."

Kritisch äußerte er sich jedoch zum Parkproblem: "Es gibt in der Oststadt zuviel parkende Autos", dadurch sei die Sichtperspektive von Kindern stark eingeschränkt. Um oftmals unkalkulierbare Sicherheitsrisiken für Schulkinder und "das alltägliche Parkchaos vor Grundschulen" zu lösen, empfiehlt Gerlach, Hol- und Bringzonen für die Elterntaxis in angemessener Entfernung vom Schuleingang einzurichten. Auch in puncto Barrierefreiheit hätte die Oststadt angesichts der zunehmend älteren Bevölkerung Nachholbedarf: "Mir fehlt es für sehbeeinträchtigte Bürger an Farben", so sein Einwand. Und wie sieht es mit dem Image der Oststadt aus? "Sie müssen mehr die Attraktivität und nicht die Technik in den Vordergrund stellen und auch die Potenziale, die die Planie bietet, werden nicht genutzt", führte er als weitere Kritikpunkte auf. Zum Stadtbild referierte im Anschluss Dr. Philipp Dechow vom Internationalen Stadtbauatelier Stuttgart (ISA). Er gab zu bedenken, dass der Wandel in der Gesellschaft sich auch in der Architektur niederschlage. Der Bedarf an altersgerechtem Wohnen steige, und auch die Bedürfnisse und Lebensstile der Menschen hätten sich in den letzten Jahren stark verändert. Dieser Wandel hätte sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Stadtbild. Das Ziel sei für die Oststadt, Baukultur gemeinsam zu gestalten und den Wandel als Chance zu nutzen. Elemente, die wichtig seien für die Identität des Viertels, müssten übernommen, aber auch moderne Architektur integriert werden: "Entscheidend ist, dass sich das Moderne harmonisch in das Stadtbild einfügt", so der Stadtplaner.

Und wie geht es nun weiter? Nach der Einführung des neuen Parkraum-Managements vor vier Jahren konnte laut Ulrike Hotz der Verkehr in der Oststadt "um zwölf Prozent reduziert werden". Nun gelte es, die Entwicklung des Quartiers mit Blick auf die Öffnung des Scheibengipfeltunnels 2017 weiter zu stärken. Hotz sagte zu, dass auf Grundlage des Rahmenplans von 2009 und den Empfehlungen der beiden Dialoggruppen ein Konzept zur weiteren Verkehrsberuhigung entwickelt werde. Auch der bereits 1998 formulierte Bebauungsplan zwischen Otto-Johannsen-Straße und August-Lämmle-Straße werde "nochmals überarbeitet".

Bürgerdialog

Weitere Informationen zum Bürgerdialog finden sich unter www.reutlingen.de/oststadt. Fragen beantwortet auch das Amt für Stadtentwicklung und Vermessung unter Telefon: (07121) 303 24 22.

 

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