Kurz nachdem Steffen Jung und Jessica Hermand sich zusammengetan hatten, wurde Anfang Juni die Seite "Hochwasser Reutlingen/Tübingen auch hinterher wird Hilfe benötigt bei Facebook eingerichtet. Helfer und Betroffene aus der Region Neckar-Alb sollten sich auf dieser Seite finden können, sagt Jessica Hermand.

Rasch wurde deutlich, dass die Region glimpflich davongekommen war. In dieser Zeit reiste ein Bekannter von Jung mit der Freiwilligen Feuerwehr Fichtenberg im Landkreis Schwäbisch-Hall nach Dresden, um dort Hilfe zu leisten.

Für die Koordinatoren zeichnete sich wegen des regen Zuspruchs der Spender bald ab, dass nicht alle gespendeten Möbel, Kleidungsstücke und Spielsachen in der Region benötigt würden. Hermand und Jung entschieden, die Aktion auf die sächsische Metropole Dresden auszuweiten. Um die Idee in die Tat umzusetzen, kontaktierte Jung neben der Reutlinger Stadtverwaltung auch drei Speditionen, denn wo sollten die Spenden gelagert und wie nach Dresden gebracht werden? Und wie sollten die Spenden in Dresden verteilt werden?

"Tausendsassa" Jung fand im Sickenhäuser Bezirksbürgermeister Erich Fritz einen Unterstützer, der vor Ort eine Lagermöglichkeit zur Verfügung stellte. Bezirksbürgermeister Fritz: "Wir fanden schnell eine Lösung und unterstützten diese Aktion sehr gern".

Bei den Speditionen rannte Jung ebenfalls offene Türen ein. In Dresden fand man mit dem Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden (SUFW e.V.), das auch einen sozialen Möbeldienst unterhält, einen Partner, der die Spendenverteilung übernehmen konnte.

Somit stand der zwölftägigen Spendenannahme bis Ende Juni nichts mehr im Wege. Privatleute unterstützen die Aktion, die in Reutlingen von Hermand koordiniert wurde, bei der Spendenannahme. Dinge, die nicht zum Sammelort gebracht werden konnten, wurden von einer Helferin direkt bei den Spendern abgeholt. Mit 15 Helfern wurde am 21. Juni ein Sattelzug der Reutlinger Spedition Willi Betz beladen. Am Ende stand kaum mehr Platz zur Verfügung. Betz-Pressesprecherin Anja Herrmann: "Wir finden so viel freiwilliges Engagement ist es wert, unterstützt zu werden."

Die von Steffen Jung begleitete Hilfslieferung vom Fuße der schwäbischen Alb konnte in den frühen Morgenstunden des 24. Juni starten. Vor Ort luden SUFW-Mitarbeiter die Spenden zügig ab, kurz darauf konnte begonnen werden, die Spenden an Betroffene auszugeben. Michael Rönsch, Bereichsleiter Beschäftigung des SUFW: "Wir waren überrascht, mit wie viel Einsatz und Engagement eine private Initiative gestartet wurde, um den Geschädigten der Flut zu helfen. Als Beauftragte der Stadt Dresden werden wir dafür sorgen, dass die Hilfsgüter so schnell wie möglich die Betroffenen erreichen. Unser Dank geht an alle Spender, insbesondere an Herrn Jung, für die reibungslose Koordination."

Nun waren die Spenden zwar vor Ort, aber Jung stand in Dresden. Hier half unbürokratisch die Deutschen Bahn - Jung bekam ein kostenloses Rückfahrticket.