Reutlingen Buch als Spielzeug erleichtert Einstieg

Mirko Barth (Stiftung Stadtbibliothek), Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele, Markus A. Barz (Stiftung), Stadtbibliotheksleiterin Beate Meinck und Kinderbibliotheksleiterin Simone Langer (von links) freuen sich über die Spende der Stiftung Stadtbibliothek.
Mirko Barth (Stiftung Stadtbibliothek), Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele, Markus A. Barz (Stiftung), Stadtbibliotheksleiterin Beate Meinck und Kinderbibliotheksleiterin Simone Langer (von links) freuen sich über die Spende der Stiftung Stadtbibliothek. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 17.10.2018

Wir haben die Zusammenarbeit auf neue Beine gestellt“, betonte Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele gestern im Pressegespräch. Im Juni hat die Solemon-Stiftung die Treuhänderschaft für die Stiftung Stadtbibliothek übernommen (siehe Infobox). Und zur großen Freude der Bibliotheksleitung gewährte der neue Treuhänder gleich nach wenigen Monaten eine Ausschüttung über 1660 Euro. Das Geld wurde dafür eingesetzt, um digitale Lesestifte und Programmierspielzeuge für die Stadtbibliothek zu kaufen.

Digitale Lesestifte wie Tiptoi oder Tellimero bieten Kindern die Möglichkeit, sich spielerisch und selbstständig mit dem Buch zu beschäftigen. Durch das Berühren von Texten und Bildern mit dem Stift können sie Originalgeräusche, Tiergeräusche, Lieder, aber auch Texte hören. Manche Stifte lassen sich programmieren und bieten so die Möglichkeit, eigene Texte aufzunehmen. Dadurch kann bedarfsgerecht Textinformation vermittelt werden. Das Buch als Spielzeug erleichtere hier den Einstieg, betont Beate Meinck.

„Wir können mit diesen Stiften Zielgruppen erreichen, für die das Buch aufgrund fehlender Sprachkenntnisse zu schwierig ist. Da gehöre zum Bereich ‚digitale Leseförderung’ auch dazu“, unterstreicht die Stadtbibliotheksleiterin. „Wir sind ein Haus der Medien. Wir sind ein Ort der Wissensvermittlung. Als Haus des Wissens möchten wir auch digitale Kompetenz fördern.“

Neben den Lesestiften hat die Stiftung auch Roboter beziehungsweise Programmierspielzeug finanziert, mit denen Kinder und Jugendliche digitale Kompetenz erlernen können – eine Kompetenz, die in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Spielzeuge wie beispielsweise der Holzroboter „Cembetto“ helfen Kindern, spielerisch Programmiersprachen zu lernen. In der Kinderbibliothek können sie für Gruppenveranstaltungen mit Schulklassen oder Vorschulgruppen eingesetzt werden. Für Februar 2019 ist ein Familientag vorgesehen, bei dem Eltern und Kinder gemeinsam das vielseitige Angebot der Stadtbibliothek entdecken können.

Neben den Sachspenden stehen auf der neugestalteten Homepage (www.stiftung-stadtbibliothek-rt.de) vier Projekte: ein 3D-Drucker für die Stadtbibliothek, eine E-Gitarre für die Musikbibliothek, Stühle für den Bilderbuchbereich und ein Comic-Workshop. „Der Stifter soll die Möglichkeit haben, in konkrete Dinge zu investieren“, sagt Markus A. Barz, Vorstandmitglied der Stiftung Solemon. Als Anreiz haben befreundete Unternehmen bereits zehn Prozent der Summe vorfinanziert.

Mit dem Standing, das die Stadtbibliothek hat sowohl in der Kommunalpolitik als auch in der Bevölkerung, wie Besucher- und  Ausleihzahlen zeigen, ist Beate Meinck zufrieden: „Viele in Reutlingen wissen, was sie an ihrer Bibliothek haben.“

Kleine Geschichte der Stiftung

Die Stiftung Stadtbibliothek wurde im Jahr 2002 von einer Reutlinger Bürgerin gegründet, die damit Dank sagen wolle für die in vielen Jahren ausgeliehenen Bücher und besuchten Veranstaltungen. Sie wollte damit anderen einen Anstoß geben, es ihr gleichzutun. Die Erträge der Stiftung sollten ausschließlich der Stadtbibliothek zugute kommen. Von 2004 bis 2014 schüttete die Stiftung jährlich zwischen 1000 und 2500 Euro an die Stadtbibliothek, wie die Leiterin Beate Meinck sagte. Die niedrigen Zinsen waren dafür verantwortlich, dass es in den zurückliegenden drei Jahren keine Ausschüttungen mehr gab. Die Stiftung Stadtbibliothek verfügt derzeit über ein Stiftungskapital von knapp 90 000 Euro.

Seit Juni findet sich die Stiftung unter dem Dach der Solemon-Stiftung, die ihren Sitz ebenfalls in Reutlingen hat. Der bisherige Treuhänder sei vor gut eineinhalb Jahren auf sie zugekommen, um sich in Sachen Anlagenpolitik beraten zu lassen, sagte Markus A. Barz.

Infos zur Solemon-Stiftung gibt es unter www.solemon-stiftung.de. rab

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