Geschichten über Gefühle, Sehnsüchte, Emotionen und das Tragische in unserer menschlichen Existenz kann man vermutlich nur mit stiller Eindeutigkeit, großer Ernsthaftigkeit und klugem Blick für das vermeintlich Banale erzählen. Zumal, wenn diese Geschichten nur mit Bewegungen, Körpersprache und ohne Worte erzählt werden. Der spanische Regisseur Fernando Lima lässt all diese Komponente bei seinem Tanzstück "Una Ciudad Encendida" (Eine brennende Stadt) einfließen und kreiert eine auf langsamen und einfühlsamen Szenen basierende Geschichte mit einer Folge dekorativer Bilder. Er hat die wenigen Mittel genutzt, durch die die 60-minütige Produktion einen ganz eigenen Charakter erfährt: Kreative Choreografie, eindeutige Körpersprache und ausgezeichnete Darsteller, davon drei mit Downsyndrom.

Ana Erdozain, Arturo Parrilla, Helliot Baeza, Jaime Garcia und José Manuel Munoz kämpfen jede auf ihre Weise gegen das Gefühl der Machtlosigkeit an und versuchen, ihre Fähigkeiten und Grenzen ausfindig zu machen. Alle fünf versuchen sie, das Gefühl von Anonymität, Isolation und Kälte, die sie in der Großstadt erleben, zu überwinden. Der eine tritt ins pulsierende Leben hinaus und lässt sich auf andere Menschen ein, der andere flüchtet sich vor Nähe in die Einsamkeit, windet sich unter einem Stuhl, versteckt sich vor der Anmache einer Frau im Nachtclub.

Doch die vier Tänzer und eine Tänzerin aus Sevilla holt die Sehnsucht nach Nähe und echten Gefühlen immer wieder ein. Vor einer Videoleinwand, auf der mal Naturaufnahmen, dann kalte Beton- und Glasfassaden in Schwarz-Weiß zu sehen sind, entladen sich Ängste, Hoffnungen und überschäumende Lebenslust immer wieder in aufregenden Hebungen und Verrenkungen. Regisseur Lima lässt die Akteure mit Stühlen und Puppen tanzen, lässt sie nach den Sternen greifen und schüchterne, ungelenke Annäherungsversuche starten.

Diese Aufführung bietet nicht nur ein überzeugendes Zusammenspiel von Videoeinspielung, spanischer Musik und zeitgenössischem Tanz, die fünf Darsteller beeindrucken auch durch ihre spielerische Leichtigkeit, gepaart mit experimenteller Tanzkreativität. Immer dann, wenn die Bewegungsmuster der behinderten Darsteller ins Parodistische abgleiten und sie sich auf ihre Ausdrucksstärke konzentrieren, wirkt das Geschehen dicht und tritt aus seiner Distanziertheit heraus.

Dann fragt man sich: Wie ist das mit der sexuellen Anziehung und der Angst vor dem Versagen? Was passiert, wenn sich Blicke treffen und die beklemmende Anonymität für einen Moment aufgelöst wird? Das sind Themen, die jeden berühren, ob behindert oder nicht behindert. Der Balanceakt zwischen Videoeinschüben und Ausdruckstanz gelingt, die jungen Darsteller aus Sevilla bieten eine beachtenswerte Leistung - mal poetisch, mal entrückt, mal bodennah.

So gerät Danza Mobiles "Una Ciudad Encendida" zu einem intensiven Bewegungsschauspiel und vor allem zu einer anrührenden Hinwendung zum Leben. Gleichzeitig beinhaltet sie die Aufforderung, das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Eine Aufforderung, der sich an diesem Abend auch das Publikum nicht entziehen mochte.