Pfullingen / Von Evelyn Rupprecht

Gedanken eines engagierten Bürgers zum beabsichtigten Bau eines Kulturhauses Klosterkirche: So hat Benno Hagel den offenen Brief überschrieben, den er am Donnerstag nicht nur Bürgermeister Michael Schrenk, sondern auch allen Stadträten und der Presse hat zukommen lassen. Es ist ein Schreiben, mit dem der Pfullinger die öffentliche Diskussion darüber in Gang bringen möchte, ob es den Anbau an die Klosterkirche, mit dem sich der Gemeinderat in den nächsten Wochen noch näher befassen wird, auch tatsächlich braucht, oder ob nicht etwa das Geld im sanierungsbedürftigen Schlossgebäude besser angelegt wäre.

Auf die Idee, die Debatte über das Kulturhaus noch einmal zu eröffnen, ist Hagel gekommen, als er zusammen mit Gabriele Raisch, die ebenfalls beim Liederkranz ist, einen Wegweiser zur Nutzung städtischer Räume erarbeitet hat. „Man muss berücksichtigen, dass es noch vor wenigen Jahren tatsächlich für die Vereine sehr schwierig war, die vorhandenen städtischen Räume der Schulen und  sonstigen Gebäude für Veranstaltungen zu nutzen. Dies ist heute anders. Heute gibt es viele Möglichkeiten und günstige Konditionen. So kommt man zu der Frage: Wer wird dieses Kulturhaus in der Zukunft bespielen?“, schreibt Hagel in dem Brief, den er als einzelner Bürger und nicht für den Liederkranz in seiner Gesamtheit verfasst hat. „Das betone ich, weil ich die Vereine nicht gegeneinander aufbringen möchte“, sagt er auch in Richtung der Gruppierungen, die sich für das Kulturhaus stark machen. Das sind vor allem die Initiative für ein Kulturhaus (I’kuh) und der Förderverein Kulturhaus Klosterkirche (KuK). Ersterem zolle er Respekt und Hochachtung für dessen ehrenamtliche Arbeit, die das Leben in Pfullingen sehr bereichere. „Dennoch muss es möglich sein, dass man sich kritisch zu dem Vorhaben des Baus eines Kulturhauses an der Klosterkirche äußert“, findet Hagel, der vor allem das Ansinnen des Fördervereins KuK in Frage stellt.

„Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Klosterkirche zu sanieren und daran anzubauen, um sie als Kulturhaus in Pfullingen wieder zu beleben“, beschreibt KuK, der sich 2017 gegründet hat, sein Hauptanliegen. Er macht sich stark für einen Anbau im nordöstlichen Teil der Kirche mit einem Kultursaal, in den knapp 200 Besucher passen könnten. Es gab auch einen entsprechenden Wettbewerb zu der Planung, den der Pfullinger Architekt Thomas Bamberg gewonnen hat.  Hagel sieht aber gerade in Bezug auf die Lage des Anbaus Probleme und befürchtet eine erhebliche Lärmbelastung. „Die östliche Glastürenfront des geplanten Kulturhauses ist auf den Innenhof von über  40 Wohnungen der Klostergartenbebauung gerichtet. Die Lärmbelastung für die Anwohner wird nicht zu vernachlässigen sein“, befürchtet er, der auch glaubt, dass es viel zu wenige Parkmöglichkeiten in der Nähe gibt. Doch auch die Bebauung als solche ist ihm ein Dorn im Auge. „Wenn man sich die Pläne ansieht, so liegt der Schluss nahe, dass hier eine Grenzbebauung in südlicher und zum Teil in östlicher Richtung vorgesehen ist mit einer Wandhöhe von etwa elf Metern in geringem Abstand zum bestehenden Wohngebäude Klostergarten“, sagt Hagel.

Weil er nicht nur kritisieren will, macht er auch noch zwei Vorschläge.  Denn selbst wenn das Kulturhaus an der Klosterkirche gebaut werde, könne man das Schloss nicht verfallen lassen. Das Geld für  die Sanierung des Schlosses werde also trotzdem benötigt. „Hier könnte man doch die  berechtigten Sanierungswünsche der Musikschule gleich mit bedienen“, meint Hagel. Und weiter: „Wenn die Klosterkirche eine einfache, mit dem Denkmalamt abgestimmte Fluchttreppe bekäme,  wären die oberen Räume bestimmt bald wieder nutzbar.“

Mit seinem Schreiben möchte Hagel seinen Beitrag „zur bald anstehenden Entscheidung zum Bau des Kulturhauses“ leisten. Eine erste Reaktion hat er auf seinen Brief indes schon bekommen. „Ein Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat fand meine Ideen gut“, berichtet er. Doch gerade die CDU war es, die im Zuge der Haushaltsberatungen im Dezember beantragt hatte, die Konzeption zur Klosterkirche vertieft zu prüfen. Stark gemacht hatten sich damals Mitglieder aller Fraktionen dafür, dass für die Klosterkirche nicht nur eine Planungsrate eingestellt, sondern das Projekt auch auf den Weg gebracht wird.

Bürgermeister Michael Schrenk will indes aktuell keine Stellungnahme zu dem offenen Brief abgeben. Das Schreiben, lässt er auf Anfrage unserer Zeitung mitteilen, sei an den Gemeinderat gerichtet, der auch darüber entscheiden solle.