Stadtgespräch Evelyn Rupprecht über eine Misere am Südportal Brache in Top-Lage

Von Evelyn Rupprecht 06.10.2018

Der Scheibengipfeltunnel ist ein knappes Jahr nach seiner Eröffnung kaum mehr wegzudenken aus dem Straßengeflecht rund um Reutlingen. Gut 26 000 Fahrzeuge durchqueren ihn täglich – gerechnet hatten die Planer ursprünglich mit einer Auslastung von 20 000 bis 22 000 Gefährten. Vom Tunnel indes profitieren nicht nur die Autofahrer, auch die Kommunen tun es. Die Röhre hat der Reutlinger Stadtmitte und der Eninger Ortsdurchfahrt einen guten Teil der Verkehrslast abgenommen. Vorteile sehen aber auch die Firmen in Tunnelnähe. „Wir sind jetzt logistisch unabhängig“, sagte der Sprecher der Unternehmen am Südportal, Thomas Braun, im Sommer, als die  Hajek-Skulptur an ihrem neuen Standort direkt neben dem alten Südbahnhof enthüllt wurde. Dass das Kunstwerk hier seinen neuen Platz gefunden hat, darf man getrost als eine der besseren Ideen bezeichnen, die die Reutlinger Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren hatte. Die Skulptur soll, aus Richtung des Tunnels gesehen, das Entree zur Innenstadt optisch aufwerten.

Von Aufwerten kann indes auf der gegenüberliegenden Straßenseite nicht mal ansatzweise die Rede sein. Dort dümpelt seit langem das leergefegte ehemalige Schwab-Areal vor sich hin. Die Prettl-Group hat das Gelände 2015 gekauft und mit Plänen für ein Green Village aufhorchen lassen. Sogar ein Hotel, das das Herzstück des Öko-Dorfes werden sollte, war im Gespräch. Das Grundstück sollte Heimat für Start-up-Firmen und einen Energiepark werden. Doch dann kamen die Planungen ins Stocken, das Interesse war wohl zu gering. Nicht mal der Optimal-Standort am Tunnel-Südportal konnte die großen Pläne, die einst unter dem Arbeitstitel „P.E.72793“ verkündet wurden, voranbringen. Jetzt  ist aus dem Gelände, das als vielversprechendes Filetstück gehandelt wurde, eine karge Dauerbrache geworden, die vor allem für die Menschen in den 26 000 Fahrzeugen, die hier täglich vorbeikommen, kaum zu übersehen ist.

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