Freiwilligendienst Botschafter für Afrika

Sie betraten mit ihrem Reutlingen-Aufenthalt Neuland (von links): Ibrahim Kologon, Fatim Dao und  Adama Traore aus Bouaké, hier bei ihrer Ankunft im Sommer landestypisch gewandet.
Sie betraten mit ihrem Reutlingen-Aufenthalt Neuland (von links): Ibrahim Kologon, Fatim Dao und Adama Traore aus Bouaké, hier bei ihrer Ankunft im Sommer landestypisch gewandet. © Foto: Privat
Von Peter U. Bussmann 27.12.2017

Um einen besonderen Aspekt erweitert wurde die Reutlinger Städtepartnerschaft mit dem ivorischen Bouaké: Bei dem von Stadt, Städtepartnerschaftsverein und Diakonie getragenen FSJ-Programm (Freiwilliges Soziales Jahr) „Weltwärts mit x-change“ kam 2016 erstmals ein junger Mann aus Bouaké in die Partnerstadt und wurde hier in der Bruderhaus-Diakonie  eingesetzt.

Aktuell sind seit Sommer die beiden Deutsch-Studenten Ibrahim Kologon und Adama Traoré und ihre Landsmännin Fatim Dao an der Achalm zu Gast. Traoré ist Praktikant im Jugendhaus Orschel-Hagen, „Ibi“, wie ihn alle nennen, macht Dienst im EPIZ, dem Entwicklungspädagogischen Informationszentrum. Fatim, die in der Familie von Gemeinderätin Sabine Gross wohnt, absolviert ihr Freiwilliges Jahr im Steinenberg-Klinikum.

Sibylle Hahn vom Diakonieverband  ist Teamleiterin  der Internationalen Freiwilligenprogramme, bei dem seit 20 Jahren Menschen aus aller Welt nach Reutlingen kommen.

Mit dem Süd-Nord-Austausch Bouaké-Reutlingen wurde zeitgleich auch ein umgekehrter Nord-Süd-Austausch eingerichtet mit derzeit fünf Praktikantenstellen in der Stadt an der Elfenbeinküste. Zum Einsatz kommen die jungen Deutschen in einem HIV-Zentrum (für medizinisch Interessierte in der Assistenz), in einem Waisenhaus bei der Betreuung für Kinder bis sechs Jahren und im Förderzentrum für geistig, seelisch und körperlich Behinderte ähnlich der Bruderhaus-Diakonie. Vier Plätze sind für 2018 noch zu vergeben, dabei werden „Bewerber aus Reutlingen bevorzugt“, sagt Sibylle Hahn.

Angesprochen sind junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren mit Berufsausbildung oder vergleichbarer Erfahrung oder Hochschulreife. Sie verpflichten sich für ein Jahr. Gute Französischkenntnisse sind Voraussetzung, ebenso Interesse an entwicklungspolitischen Themen. Die Interessenten müssen einen privaten Förderkreis aufbauen und Spenden und Sponsoren akquirieren, um monatlich rund 200 Euro Eigenanteil zur Kostendämpfung aufzubringen. Im Gegenzug entstehen beim vom Bund finanzierten Programm keine Kosten für Flug und Unterkunft. Das Auswahlverfahren läuft Mitte Januar.

„Die Bedingungen für ein freiwilliges Jahr sind in Bouaké deutlich besser als woanders“, sagt Margit Fausel, städtische Verantwortliche für die Partnerschaft im schulischen und kulturellen Bereich. 2020 jährt sich die Jumelage, die auf den wirtschaftlichen Kontakten des Reutlinger Furnierherstellers Karl Danzer gründete, zum 50. Mal. Dort ist mittlerweile „ein tolles Netzwerk entstanden“, berichtete Sabine Gross vom Städtepartnerschaftsverein. Der Verein „Amis de Reutlingen à Bouaké“ (AReBo) mit Deutschlehrern und einem Uni-Club der Germanisten „bietet jungen Leuten die Chance, sich  gut zu integrieren“, so Gross. „Und es beruhigt die Bedenken“, setzt Fausel hinzu. Die FSJler werden an den Einsatzstellen und in der Freizeit „gut betreut“, wohnen in Studierendenwohnheimen zu landesüblichen Standards.

Die Freiwilligen treten ihren Dienst gut vorbereitet an, sowohl in der Heimat als auch im Gastland, wo sie einen sechsmonatigen entwicklungspolitischen Lerndienst besuchen: „Die ersten Monate lernt ihr, dann bringt ihr euch ein“, sagt Hahn stets zu den Freiwilligen. Und „wir sehen sie als Botschafter.“

Kontakte für Weltwärts mit x-change

Diakonisches Werk Württemberg, (07 11) 16 56-232, E-Mail: x-change@diakonie-wuerttemberg.de, www.ran-ans-leben.de/x-change; Partnerschaftsverein: sa_gross@t-online.de; Städtepartnerschaft: margit.fausel@reutlingen.de, (0 71 21) 303 23 59.