Reutlingen Bohren mit Leidenschaft und Augenmaß

PETER U. BUSSMANN 08.03.2012
Erfolgsmodelle wie die Ermstalbahn oder der Expresso und unsichere Kantonisten wie die Regionalbusse Reutlingen-Tübingen prägen die ÖPNV-Bilanz.

"Die Verbesserung des ÖPNV ist ein Bohren von dicken Brettern mit Augenmaß und Leidenschaft", verriet Dezernent Hans-Jürgen Stede in der Sitzung des Kreistagsausschusses für technische Fragen und Umweltschutz. Doch "wir haben im vergangenen Jahr einmal mehr erfolgreich gebohrt", versicherte er den Räten in seiner Bilanz über einen Bereich, der alles in allem den Kreis 801 000 Euro kostet.

So fuhr das Schwäbische Alb Freizeit-Netz 2011 ein schönes Ergebnis ein. 40 316 Fahrgäste und damit 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr wurden befördert, 7856 Fahrräder mitgenommen, was einem Plus von 14,5 Prozent entspricht. Als Hauptursache für die Steigerung macht Stede die Ausweitung des Angebots beim Rad-Wander-Bus Schwäbische Alb auf den Samstag sowie den Sommerferien-Express der Schwäbischen Alb-Bahn aus.

Auch die Ermstalbahn war 2011 "gut unterwegs". Im Februar 2012 wurden täglich 3812 Fahrgäste in Bahn und Bus gezählt, wobei die Bahn mit 2600 Nutzern deutlich beliebter war. "Die rund 50 000 Euro, mit denen der Kreis die Ermstalbahn pro Jahr unterstützt, sind bestens angelegt", urteilte Stede.

Der 2011 schwach gestartete Expresso-Schnellbus zum Flughafen legte im Laufe des Jahres "umso erfreulicher zu", berichtete der Dezernent. 95 300 Fahrgäste nutzten am Ende die Linie, 1,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Einnahmen erhöhten sich sogar um 2,5 Prozent. Die positive Entwicklung im zweiten Halbjahr geht, so Stede, "auch darauf zurück, dass alle Partner verstärkt die Werbetrommel gerührt und wir ein vergünstigtes Schnupper-Abo angeboten haben. So machen wir weiter!", bekräftigt er.

Auf Erfolgskurs befindet sich auch die Buslinie 100 Reutlingen- Hülben, eine der längsten Linien im Kreis. Der neue Konzessionär entwickelt laut Stede die Linie auf gute Weise weiter, Fahrgäste profitieren "durch höhere Pünktlichkeit, zuverlässigere Anschlüsse und zusätzliche Verbindungen".

Die ersten dynamischen Fahrgastinformationen konnten in Münsingen und Bad Urach eingeführt werden, Metzingen, Pfullingen und der Regionalbusbahnhof Reutlingen sollen in diesem Jahr folgen, berichtete Stede weiter.

Für ein gelungenes Beispiel der ÖPNV-Entwicklung hält Stede die Einführung des Metropol-Tages-Tickets für neun Verkehrsverbünde, das es seit Beginn des Jahres gibt, Metropol-Einzeltickets soll es ab kommendem Jahr geben.

Wermutstropfen in der Erfolgsbilanz sind hingegen Veränderungen bei den Regionalbuslinien zwischen Reutlingen und Tübingen. Seit 2002 vom Landkreis Tübingen bezuschusst, werden die Linien 7601, 7605 und 7611 teilweise nur schwach genutzt. Tübingen will nun Parallelverkehre zwischen Schiene und Bus abbauen. Der RSV will mit seiner Linie 10 diese Streichungen mildern. Für Schüler von den Härten, die Reutlinger Schulen besuchen, wird derzeit noch eine Lösung gesucht.