Reutlingen Blick aufs Nicht-Sichtbare

Reutlingen / MARIE-LOUISE ABELE 10.09.2013
Die Sonne muss draußen bleiben, sonst schwindet die Wirkung. Der sonst so helle Raum des Kunstvereins ist dieser Tage abgedunkelt und finster. Er zeigt fünf Positionen, die sich dem "Kalten Licht" widmen.

Die Sonne versucht mit aller Macht noch hier und da ihr Glück. Sie ist im Kunstverein derzeit nicht erwünscht, denn Schwarzlicht mit seiner elektromagnetischen Strahlung hat jetzt das Sagen.

Es bringt Neonfarben, fluoreszierende Stoffe, aber auch Hautschuppen auf dunklem Untergrund zum Leuchten - Dinge, die unter natürlichem Licht weitgehend unsichtbar bleiben. Fünf Künstler(innen), die bis dato noch nicht mit dem künstlichen Licht gearbeitet haben, haben sich dem herausfordernden Thema "Kaltes Licht" gestellt.

So entstanden gänzlich unterschiedliche Positionen. Versuche, dem ungewohnten Terrain auf den Grund zu gehen. "Für uns war es spannend zu sehen, wie das Thema, das Material aufgenommen wurde", erzählt Gastkuratorin Carmen Beckenbach. Die Arbeiten sind ortsbezogen und arbeiten mit dem "Nicht-Sichtbaren". Die Tendenz zur Disco durch Schwarzlicht sei da, das wisse man, sagt Beckenbach. Doch jede Arbeit findet ihren Platz außerhalb dieser Wirkung.

Christian Aberle geht noch einen Schritt weiter: Es gehe nicht um eine Goa-Party, betont er, vielmehr stehe die unterschiedliche Wahrnehmung der Lichteffekte im Vordergrund. "Ich habe bei dem Thema gleich an Hannelore Kohl gedacht", verrät er beim Presserundgang durch die Schau. Was wird alles sichtbar, wenn man eine Lichtallergie hat, im Dunkel leben muss? Er ging auf Versuchsreise und lernte, dass herkömmliche Farbpigmente unter Schwarzlicht gänzlich erstarben, chlorgebleichtes Zeichenpapier und Phosphorfarben aber nicht. So arbeitete er sich mit Hilfe von zwei Lichträumen, einem mit Schwarz-, einem mit Tageslicht, durch und schuf seine grafische Ansicht des Zen-Gartens in Japans historischer Hauptstadt Kyoto.

Judith Röder blieb mit ihrer Glasinstallation ihrem Werkstoff treu. "Fenster IV" zeigt drei hintereinander geschobene Scheiben, auf denen an einer Stelle durch das eingestrahlte Licht natürliche Ornamente Gestalt annehmen. Der Blick wechselt, je näher der Betrachter dem Objekt kommt. An einer zunächst scheinbar verschmutzten Fensterscheibe werden nach und nach Bäume und Blätter sichtbar.

Tanja Goetzmann wiederum nutzte dann tatsächlich T-Shirts und Textilien, auf denen Spuren wie Schuppen, Nähte oder auch nichts zu sehen sind. Ihre Türsteher mit offenem Blick zum Eingang erinnern dabei auch noch an den "Disco"-Klassiker. Max Kosoric Arbeit fordert den Besucher auf, aktiv zu werden. Seine "Gesichtsschutzhelme", jeweils mit verschiedenfarbigen Folien überzogen, verstärken oder neutralisieren den Schwarzlichteffekt und stellen die Ausstellung so immer wieder neu dar - bis hin zur Auflösung der eigentlichen Wirkung. "Es ist eine andere Ebene, auf die man sich mit seiner Arbeit begibt", erklärt Beckenbach.

"Things are growing in the dark", überschrieb Christa Fülbier ihre Arbeit, in der sich zahlreiche Gebilde, laborartig mit Deckenstrahlern beleuchtet, aus Aquariumsandhaufen emporstrecken. Die Schau passe wunderbar zur Kulturnacht am 28. September, freut sich Katrin Willert, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kunstvereins. Ist die Nacht doch stets dem Thema Licht verschrieben.

Dauer und Öffnungszeiten
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