Den Feierabend mit einem Weinschorle auf der Terrasse verbringen oder zu den EM-Spielen ein kühles Bier genießen: In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist Alkohol als Genussmittel kulturell fest verankert.

Übermäßiges Trinken zählt weltweit zu den größten Risikofaktoren

Ein Vereinsfest ohne Alkoholausschank oder die Hochzeitsfeier ohne Sektempfang ist fast undenkbar. Der Konsum von Alkohol hat jedoch auch gesundheitsgefährdendes Potenzial. Denn Alkoholabhängigkeit ist das größte Suchtproblem in Deutschland.
Laut Bundesministerium für Gesundheit trinken 6,7 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren zu viel Alkohol, etwa 1,6 Millionen Deutsche gelten als alkoholabhängig. Übermäßiges Trinken von Alkohol zählt weltweit zu den fünf bedeutsamsten Risikofaktoren für Krankheiten und Sterbefälle.

Von 350 auf 308 Fälle von Alkoholvergiftungen – Rückgang um 12 Prozent

Gesellschaftliche Anlässe haben Einfluss auf den Alkoholkonsum. Je weniger Gelegenheiten, desto weniger wird – so scheint es – auch exzessiv getrunken. Zumindest legen aktuelle Zahlen der AOK Neckar-Alb diesen Schluss nahe. Demnach wurden im Vor-Corona-Jahr 2019 im Landkreis Reutlingen noch 350 behandelte Fälle von Alkoholvergiftungen gezählt, im Jahr 2020 ging diese Zahl auf 308 zurück. Das ist ein Rückgang um 12 Prozent. Die Jahre davor fiel die Fallzahl an Alkoholvergiftungen jedes Jahr um durchschnittlich 2 Prozent.

Von Wein bis Bier: Über 65-Jährige trinken am häufigsten

Diesen positiven Effekt bestätigt auch eine von der AOK in Auftrag gegebene Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey zum Alkoholkonsum in den Landkreisen Baden-Württembergs während der Corona-Pandemie.
Ein Viertel der Befragten aus der Region gab an, weniger Alkohol in der Pandemie getrunken zu haben als vorher. 11,3 Prozent trinken nach eigenen Angaben jeden Tag Alkohol, am häufigsten Wein (32,4 Prozent, gefolgt von Bier 29,6 Prozent). Unter den über 65-Jährigen liegt der Prozentsatz derer, die täglich Alkohol konsumieren sogar bei 16,3 Prozent, wohingegen er in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre bei 10,8 Prozent liegt.