Pfullingen Bläser vor dem „Beiwagen?40“

Stadtmusikdirektor Alfred Hepp und seine Instrumentalisten sorgten für ein beschwingtes Programm, die Pfullinger Straßenbahn wird noch das ganze Jahr über gefeiert.
Stadtmusikdirektor Alfred Hepp und seine Instrumentalisten sorgten für ein beschwingtes Programm, die Pfullinger Straßenbahn wird noch das ganze Jahr über gefeiert. © Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 19.07.2016
Musik auf dem Markplatz gab’s mit großem Blech und filigranen Flöten, dazu Straßenbahnromantik samt Film über 100 Jahre Schienenverkehr in der Stadt

Diesen etwas muffigen, unvergleichlichen Geruch nach Altem lieben Menschen, die hingebungsvolle Fans von Schienenverkehr jedweder Art sind. Ja, so hat’s in der Tram gerochen, als ich Kind war. Und es gibt auch Tausende, die mit verbundenen Augen feststellen könnten, dass sie gerade in einer Berliner U-Bahn oder in der Pariser Metro unterwegs sind. Hauptsache, die Nase ist nicht verstopft.

Zu 100 Jahren Straßenbahn in Pfullingen mit Musik von der Stadtkapelle wusste auch Bürgermeister Michael Schrenk einiges beizutragen. Mit dem „Beiwagen Nummer 40“ würden jede Menge Erinnerungen an den Beginn der Mobilität für die Pfullinger wach. Auch wenn es freilich keine erwachsenen Zeitzeugen von damals mehr gibt: Bis vor 42 Jahren war dieses Verkehrsmittel für die Menschen in der Echazstadt, die kein Auto besaßen, ein Stück Bewegungsfreiheit, das sich die Leute für wenige Pfennige  leisten konnten, das sie nach Reutlingen brachte  und wieder zurück. Worauf die Pfullinger großen Wert legten, denn sie fremdelten damals  weitaus mehr, wenn es um den großen Nachbarn ging.

Bekanntermaßen hat sich der Verein zur Brauchtumspflege zwei Jahrzehnte lang in tausenden Arbeitsstunden mit Tramwagen beschäftigt, Triebwagen und Waggons umsichtig restauriert und stilvoll innen eingerichtet. Da steht er nun also, der Beiwagen 40, vor den Altstadthäusern auf dem Marktplatz – und weckt bei vielen Menschen sehnsüchtige Erinnerungen. Auf der einen Seite das Rathaus, auf der anderen die Martinskirche, dazwischen fuhr die  Straßenbahn durch.

Das Rahmenprogramm zur 100-Jahr-Feier ist umfangreich und liest sich außergewöhnlich spannend, und das abendliche Open-Air-Hauptprogramm des Musikvereins Stadtkapelle war auch sehr vielfältig. Zitieret Schrenk eingangs noch ganz unmusikalisch Wolle Kriwaneks „I’ muss mei Stroaßabah’ no kriaga“ und Wolfgang Ambros „Schaffnerlos“, legten die Männer und Frauen  vor dem schweren und dem leichten Blech los mit der „Egerländer Festtagspolka“, dem „Kuschelwalzer“ und erinnerten musikalisch an die „Golden Swing-Time“. Für die Bewirtung sorgte das Team der Marktschenke, für einen filmischen Genuss danach Raimund Vollmer. Gute alte Zeiten: Der Protagonist von „Bildertanz“ hatte eine seiner Straßenbahnerinnerungen mitgebracht.

100 Jahre Straßenbahn

Reichhaltig und interessant ist das Rahmenprogramm, hier einige Highlights. Am Mittwoch, 27. Juli, gibt es eine Märchenstunde in und um die Straßenbahn. Am Mittwoch, 3. August, berichtet der Brauchtumsverein über die aufwendige Restaurierung von „Triebwagen 29“. Am Montag, 8. Ausgust skizziert Stadtarchivar Stefan Spiller den „langen Weg“ hin zur Tram. Und der letzte Schaffner von 1974  kommt auch zu Besuch.

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