Fliegerbombe Bis zu 700 Einsatzkräfte

Zentrum des Geschehens am morgigen Sonntag: Gleich an der Kreuzung Karlstraße/Bismarckstraße wurde der Metallgegenstand geortet. Um 6 Uhr rückt die Spezialfirma an.
Zentrum des Geschehens am morgigen Sonntag: Gleich an der Kreuzung Karlstraße/Bismarckstraße wurde der Metallgegenstand geortet. Um 6 Uhr rückt die Spezialfirma an. © Foto: Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 03.08.2018

Die Ungewissheit führt am morgigen Sonntag Regie. Ungewissheit darüber, wie der Tag verlaufen wird und welchen Zeitplan die Umstände diktieren werden. Fest steht bislang nur: Um 6 Uhr am Sonntagmorgen wird die Firma Geomer aus Augsburg damit beginnen, die Erdschichten um die vermutete Fliegerbombe in der Karlstraße freizulegen und zu eruieren: Ist das geortete Metallteil tatsächlich ein Blindgänger oder nicht.

Sollte sich bewahrheiten, was die Feuerwerker und Fachleute vermuten, dann wird ab 9 Uhr die größte Evakuierungsaktion der Stadt Reutlingen in den letzten Jahrzehnten beginnen. Bis zu 3100 Menschen müssen aus den Häusern, die Polizei wird Wohnung für Wohnung und Haus für Haus abgehen. Der Einsatzstab, bestehend aus Vertretern von Stadt, Polizei, Feuerwehr, DRK, Ordnungsamt, THW hofft dabei auch auf nachbarschaftliche Hilfe. „Wer von älteren Leuten weiß, kann bei den Nachbarn klingeln und sie informieren, falls es zur Evakuierung kommt“, sagt Stadtsprecher Wolfgang Löffler. Fest steht eines: Raus muss jeder. Sollte sich jemand weigern, wird aufgrund der Allgemeinverfügung der Stadt zwangsgeräumt.  „Wir hoffen natürlich, dass es soweit nicht kommt.“

Die RSV stellt drei kostenlose Busse zur Verfügung, die die Bewohner, die kein Auto haben oder nicht zu Fuß gehen möchten, aus dem Sperrgebiet bringt. Die beiden Haltestellen, an denen die Busse abfahren sind der Regionale Omnibus-Bahnhof und die Haltestelle Kaiserpassage in der Kaiserstraße.

Während der Evakuierung darf niemand mehr die Sperrzone betreten. Erst wenn komplett geräumt ist, kann der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit seiner eigentlichen Aufgabe, der Entschärfung der Bombe beginnen. Wie viele Stunden die Bewohner ihrem Zuhause fern bleiben müssen, ist völlig ungewiss. Zum einen hängt dies mit der notwendigen Zeit für die Räumung zusammen, zum anderen mit der Art der Bombe beziehungsweise des Zünders. Eine Entschärfung kann bis zu zwei Stunden dauern.

Auch am Sonntag wird das Bürgertelefon noch geschaltet sein. Bislang haben sich rund 100 Personen dort gemeldet, wie es von der Stadt heißt. Die Notunterkunft in der Stadthalle wird vom DRK betreut. Dort gibt es auch Getränke. Allerdings weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass jeder Betroffene möglichst selbst einen Rucksack mit Essen und Getränken packen sollte, zumal es auch am Sonntag wieder sehr heiß werden soll.

Die Überwachung des Sperrgebiets ist übrigens flächendeckend: Ein Polizei-Helikopter mit Wärmebildkamera wird während der gesamten Aktion über dem Gebiet kreisen.

Morgen gegen 9 Uhr wird die Stadt Gewissheit haben, ob es sich tatsächlich um einen Blindgänger handelt. Bei vielen besteht derweil noch die Hoffnung, dass das geortete Metallstück vielleicht doch ganz harmlos ist.

Fliegerbombe oder nicht? Wissenswertes zum morgigen Sonntag

Der ungefähre Zeitablauf: 6 Uhr Beginn der Freilegung durch die Firma Geomer aus Augsburg an der Baustelle Karlstraße/Bismarckstraße: 9 Uhr Auswertung der Ergebnisse und Entscheidung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg. Einsatzende oder Beginn der Evakuierung sowie Festlegung des Absperrbereiches; 9.30 Räumung des Gefahrenbereichs und Einrichtung der Straßensperren; Verlegung der nicht gehfähigen beziehungsweise mobilitätseingeschränkten Personen. Das Ende der Räumung könnte zwischen 13 und 15 Uhr liegen. Erst wenn das gesamte Gebiet geräumt ist, kann mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden. Die Entschärfung kann je nach Zünder bis zu zwei Stunden dauern.

Zugverkehr: Im Falle eines Bombenfundes wird der Hauptbahnhof ab 9 Uhr gesperrt, die Züge fahren dann den Bahnhof-West in Reutlingen an. Ab Beginn der Entschärfung muss der Zugverkehr komplett eingestellt werden. Züge aus Richtung Stuttgart/Bad Urach enden in Metzingen und fahren von dort wieder zurück in Richtung Stuttgart/Bad Urach. Ebenso wird der Zugverkehr zwischen Tübingen und Reutlingen eingestellt. Reisende von Tübingen nach Stuttgart fahren bitte mit der Ammertalbahn über Herrenberg nach Stuttgart. Um 13.45 Uhr fährt ein Schienenersatzverkehr (Bussteig D) von Tübingen nach Metzingen. In Metzingen besteht Anschluss mit Zügen in Richtung Stuttgart/Bad Urach. Um 14.45 Uhr fährt ein Schienenersatzverkehr (Bussteig 8) von Metzingen nach Tübingen. Mit Einschränkungen im Zugverkehr ist bis gegen 18 Uhr zu rechnen.

Live-Ticker der Südwest Presse: Die Südwest Presse schaltet einen Live-Ticker mit fortlaufend aktualisierten Informationen unter www.swp.de/reutlingen.
Infos gibt es auch auf der städtischen Homepage www.reutlingen.de und auf www.facebook.com/stadt.reutlingen.

Bürgertelefon: Bis einschließlich Sonntag ist das Bürgertelefon unter (0800) 303-4444 geschaltet.

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