Alle Bibliotheken in Deutschland hatten ab Mitte März vier bis sechs Wochen oder gar bis spätestens Mitte Juni ihre Pforten geschlossen. „Durch Corona gab es einen gewissen Bremsfaktor bei den physischen Medien“, betonte ekz-Geschäftsführer Dr. Jörg Meyer während der Jahrespressekonferenz bei der ekz-Bibliotheksservice GmbH in der Reutlinger Bismarckstraße. Physische Medien wie Bücher machen immer noch mit rund 29 Millionen Euro den größten Teil des Umsatzes des Bibliothek-Komplettausstatters aus – doch die digitalen Medien haben laut Meyer gerade in den Corona-Monaten mit elf Millionen Euro schwer aufgeholt.
Von den insgesamt 66 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr (was eine Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute) gehen rund 40 Millionen an den Medienbereich, etwa sechs Millionen an die Bibliothekstechnik, der Rest an den Ausstattungsbereich sowie Dienstleistungen, wie der ekz-Geschäftsführer ausführte. „Mit den digitalen Medien sind wir mit 90 Prozent der Marktführer“, sagte Jörg Meyer. Der Anteil bei den physischen Medien liege bei rund 30 Prozent, „größte Konkurrenten der Bibliotheken sind die Buchläden vor Ort“. Im Bereich der Bibliothekstechnik habe ekz einen Marktanteil von etwa 40 Prozent. „Wir werden im Jahr 2020 wohl etwas schrumpfen, aber in einem erträglichen Bereich“, so Meyer. „Wir können alles in allem zufrieden sein.“

Keine Kurzarbeit geplant

Allerdings erwartet der ekz-Chef für die Jahre 2021 und 2022 eine deutlichere Delle in der Geschäftsbilanz der Gruppe – Kurzarbeit oder gar Entlassungen seien aber nicht geplant. Neben Reutlingen hat die Gruppe weitere Standorte in Wiesbaden, Göppingen, München, Salzburg, dazu einen in Frankreich und einen in Holland. Ein neuer Standort ist in Bonn hinzugekommen. „Wir haben die borro medien übernommen, die sich auf den Bereich der kleinen ehrenamtlich geführten Büchereien spezialisiert hat“, so Meyer. „Das macht strategisch Sinn, weil ekz auf die Wünsche der kleinen Büchereien nicht eingehen kann.“ Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ekz-Gruppe (insgesamt rund 300) sind allerdings mit 240 in Reutlingen zu finden.

Plattform-unabhängiges Ausleihen

„In den Monaten zwischen März und Mai 2020 gab es einen Ansturm auf die Onleihe, die von ekz angeboten wird“, betonte Johannes Neuer als Bibliothekarischer Direktor. Im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr wurden laut Neuer monatlich rund 2,6 Millionen Medien ausgeliehen, 2020 stieg die Zahl auf etwa 3,7 Millionen. Die Zahl der Nutzer ist im gleichen Zeitraum 2020 von rund 400 000 ein Jahr zuvor auf 500 000 angewachsen. „Ausleihen und Nutzerzahlen sind aber auch danach deutlich über dem Stand von 2019 geblieben.“ Diese erfreuliche Entwicklung wird unterstützt durch die Einführung eines eigenen Onleihe-Webreaders, wie Neuer weiter ausführte. Mit dem „Onleihe:reader“ sei das Ausleihen von E-Books „plattformunabhängig geworden“.

Büchereien nach skandinavischem Vorbild

Neu gegründet hat die ekz-Gruppe schon im September vergangenen Jahres das „Team Stonepark“: „Seine Spezialität sind besondere Bibliotheks-Interieurs ‚aus einem Guss‘“, betonte Jörg Meyer. Als Generalunternehmer plant das Team komplett alles für künftige Bibliotheken – vom Fußboden über Möbel und Licht bis zu ausgefallenen Dekorationsobjekten.
Ganz neue Konzepte werden laut Neuer mittlerweile für Bibliotheken entworfen: Angelehnt an skandinavische Modelle wird dabei die kommunale Bücherei zu einem Treffpunkt mit vielfacher Funktion. Das Buch und Regale rücken in den Hintergrund, einige Projekte wurden laut Meyer bereits zusammen mit einer Bäckerei in Esslingen oder mit einem italienischen Café in Fürth eingeläutet. Die neuen Erlebnis-Bibliotheken sind allesamt mit deutlich verlängerten Öffnungszeiten verbunden. „Auch Reutlingen denkt ja über ein neues Konzept für seine Bibliothek nach“, sagte Meyer. In Eningen unter Achalm hat die ekz schon eine neue Bücherei mit viel Aufenthaltsqualität umgesetzt.