2016 war kein schlechtes Jahr auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Wilhelm Schreyeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, beim Pressegespräch. Im vergangenen Jahr hätten sich die Beschäftigungschancen weiter verbessert. So hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk, der die beiden Landkreise Reutlingen und Tübingen umfasst, mit 186 140 am 30. Juni 2016 einen neuen Höchststand erreicht – das sind über 4500 Frauen und  Männer mehr als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres.

Gegenüber 2011 hat die Zahl der Beschäftigten, die Beitrage zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung bezahlen, gar um über 21 600 zugelegt. Dabei fiel der Anstieg im Kreis Tübingen, bedingt durch den höheren Anteil von Dienstleistern und einem höheren Akademisierungsgrad, stärker aus.

Betrachtet man die Branchen, hat das verarbeitende Gewerbe (+1144 Beschäftigte) am stärksten zugelegt, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (+854) und den wirtschaftlichen Dienstleistungen (692). Mitarbeiter verloren haben die Finanz- und Versicherungsdienstleister (-189). Die Hauptursache hierfür sieht Schreyeck in einer „Konzentrationswelle bei den Banken“, die sich zukünftig fortsetzen werde. Verloren haben aber auch Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (-176).

Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt 2016 bei 3,5 Prozent – und entsprach damit dem Wert 2015. Dahinter verbirgt sich jedoch ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Auch hier schneidet der Kreis Tübingen mit 3,2 Prozent deutlich besser als der Kreis Reutlingen ab, der mit 3,8 Prozent exakt dem Landeswert entspricht.

Von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind Leute ohne formalen Berufsabschluss. Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist doppelt so hoch wie bei Leuten mit Berufsabschluss. Schreyeck: „Die Ausbildung zur Fachkraft ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.“

Wichtigstes Ziel der Agentur sei, Menschen in Arbeit und Ausbildung zu bringen, sagt Geschäftsführerin Irmtraud Kaiser. Die Agentur hatte vergangenes Jahr 2016 insgesamt 1091 Bildungsgutscheine ausgegeben – rund 830 wurden für Umschulungen, Weiter- und Anpassungsqualifizierungen eingelöst – ein Plus vom immerhin 5,1 Prozent. Zumindest 193 der 830 Nutzer erwarben einen Berufsabschluss.

Auch im vergangenen Jahr gab es mit 3094 wieder mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber (2783). „Der Ausbildungsmarkt bleibt ein Bewerbermarkt“,  konstatiert Schreyeck. Mit 2,7 Prozent liegt die Jugendarbeitslosigkeit vor Ort unter dem Landesdurchschnitt. Bislang gebe es hier kaum Auswirkungen durch die Zuwanderung, so Bereichsleiter Klaus-Peter Scheerer. Das werde sich in den kommenden Monaten aber ändern, wenn junge Flüchtlingen nach Abschluss von Integrations- und Sprachkursen eine Ausbildungsstelle suchen. Die Integration der geflüchteten Menschen werde Zeit  kosten, betont Schreyeck. Die Agentur sieht sich gerüstet mit ausreichend finanziellen Ressourcen, gut ausgebildetem Personal, Netzwerken und einer guten Bildungsträgerstruktur.

Und der Ausblick auf 2017: Agenturchef Schreyeck geht davon aus, dass auch im laufenden Jahr voraussichtlich gute Rahmenbedingungen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt herrschen werden. Die Beschäftigung werde wohl um 1,5 Prozent steigen, aber auch die Zahl der Arbeitslosen werde leicht zunehmen. Laut Prognose werden vor allem die Branchen Erziehung und Unterricht, Metallerzeugung und Bearbeitung sowie das Gesundheitswesen Beschäftigung aufbauen. Allerdings werde der Arbeitsmarkt kein Selbstläufer sein.

Ausgaben und Investitionen


Rund 71 Mllionen Euro hat die Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr Lohnersatzleistungen ausgegeben – davon entfielen 68,8 Millionen Euro auf das Arbeitslosengeld I. Zum Vergleich: 2015 lagen die gesamten Ausgaben für Lohnersatzleistungen  bei rund 60 Millionen Euro.

Von 26,8 Millionen, welche die Agentur insgesamt investierte, flossen knapp 13 Millionen Euro in die berufliche Qualifizierung. Im Jahr davor waren es etwas über 11 Millionen Euro gewesen. rab