Reutlingen Baugenehmigungen für 401 Wohnungen

Wo ein Richtkranz ist, da wurde gebaut. Allerdings führt längst nicht jeder Bauantrag, der einen Stempel vom Bauamt bekommt, auch zum Richtfest, so die IG BAU.
Wo ein Richtkranz ist, da wurde gebaut. Allerdings führt längst nicht jeder Bauantrag, der einen Stempel vom Bauamt bekommt, auch zum Richtfest, so die IG BAU. © Foto: Tobias Seifert/IGBau
Reutlingen / SWP 14.07.2016
Wohnungsneubau ist die beste Mietpreisbremse. Zusätzliche Anreize dafür müssen auch von der Politik kommen, sagt die IG Bauen-Agrar-Umwelt.

Es wird gebaut: Für 401 Wohnungen gab es im ersten Quartal dieses Jahres im Landkreis Reutlingen eine Baugenehmigung. Die Bauherren und Investoren gaben dabei an, in den Bau von Wohnhäusern rund 43,1 Millionen Euro investieren zu wollen. Das teilt die IG BAU Südwürttemberg mit.

Die Bau-Gewerkschaft beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Doch die IG BAU warnt vor „zu großen Neubau-Fantasien“: „Nicht hinter jedem Bauantrag, der einen Stempel bekommt, steckt auch eine ernsthafte Bauabsicht. Oft werden Baugenehmigungen nur eingeholt, um damit den Wert des Baulands zu heben – um also die Grundstückspreise nach oben zu jubeln“, sagt Andreas Harnack.

Der Regionalleiter der IG BAU Baden-Württemberg sieht beim Wohnungsneubau im Kreis Reutlingen „noch Luft nach oben“. Insbesondere auch beim altersgerechten Umbau vorhandener Wohnungen bestehe nach wie vor „ein enormer Nachholbedarf“.

Seniorengerechte Wohnungen seien nach wie vor „Mangelware“. Auch bei der energetischen Gebäudesanierung gebe es noch eine Menge zu tun. Harnack appellierte an Haus- und Wohnungseigentümer im Kreis Reutlingen, hierbei die Förderprogramme der KfW intensiver zu nutzen. Die staatliche Förderbank (www.kfw.de) biete für den altersgerechten Umbau beispielsweise einen zinsgünstigen Kredit von bis zu 50 000 Euro oder einen Investitionszuschuss von maximal 6250 Euro pro Wohneinheit.

Insgesamt seien, so die IG BAU, im vergangenen Jahr im Kreis Reutlingen 973 Wohnungen neu gebaut worden – darunter 293 Eigentumswohnungen. „Der Wohnungsneubau ist die beste Mietpreisbremse. Jede Wohnung, die neu entsteht, zählt im System von Wohnungsangebot und Mieternachfrage“, so  Harnack.

Um den Wohnungsneubau attraktiver zu machen und ihm einen schnellen Impuls zu geben, müsse es hier allerdings bessere steuerliche Anreize geben: Die lineare Absetzung für Abnutzung (kurz AfA) müsse von zwei auf drei Prozent erhöht werden. In Ballungsräumen und Universitätsstädten, wo die Wohnungsnot besonders hoch sei, bedürfe es zusätzlicher Anreize für Investoren im Mietwohnungsbau. Diese Förderung müsse sich dann aber auch in den Mietpreisen niederschlagen.

„Diese Botschaft müssen die heimischen Bundestagsabgeordneten mit nach Berlin nehmen“, fordert Harnack. Der Wohnungsbau werde auch im Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr eine zentrale Rolle spielen, prophezeit der IG BAU-Regionalleiter.