Corona bedingt bleiben dieses Jahr viele Menschen zuhause und nutzen bei hochsommerlichen Temperaturen den Neckar zum Baden und Schwimmen. Der Neckar stehe jedoch leider nicht für ungetrübten und einfachen Badespaß, teilte die Wasserschutzpolizeistation Stuttgart in einem Schreiben mit.
In manchen Streckenabschnitten sei das Baden im Neckar gemäß Rechtsverordnung schlicht verboten, wie zum Beispiel im gesamten Stadtgebiet Stuttgart einschließlich Max-Eyth-See.

Von Klärwasser bis hin zu Pilzen und Ratten: Der Neckar ist mit Vorsicht zu genießen

Aber auch im übrigen Neckar ist das Baden aus den folgenden Gründen nicht wirklich empfehlenswert:
  • Der Neckar ist nicht als Badegewässer ausgewiesen
  • Am Neckar gibt es keine ausgewiesenen Badestellen
  • Der Neckar ist ein sogenannter "Vorfluter": Das bedeutet, dass Kläranlagen ihr gereinigtes Abwasser in den Fluss leiten. Zwar werden Keime zum größten Teil abgebaut, nie jedoch vollständig
  • Krankheitserreger wie Fäkalkeime, Salmonellen, Viren oder Pilze im Wasser können daher gesundheitliche Probleme verursachen
  • Bei starken und langanhaltenden Regenfällen können Abwässer auch ungeklärt in den Neckar gelangen
  • Durch die Einleitung von Industrieabwässern bestehen bei Störfällen ebenfalls gesundheitliche Risiken
  • Ebenso können Ratten in der Kanalisation und an den Ufern eine Vielzahl von Krankheit erregenden, darunter auch multiresistente Keime übertragen
  • Der Neckar ist eine Bundeswasserstraße ähnlich einer Bundesautobahn: Er wird von Motor,- Ruder,- und Segelbooten sowie Schlauchbootfahrern, Stand-Up-Paddlern und Belly-Booten befahren, die für die Badenden erhebliche Risiken darstellen
  • Das Schwimmen und Baden besonders im Bereich von 100 m oberhalb bis 100 m unterhalb von Wehr- und Schleusenanlagen lebensgefährlich und deshalb nicht erlaubt ist
  • Ebenso ist das Springen von Brücken strengstens untersagt

Generell für alle befahrene Flüsse gilt: Güterschiffe haben immer Vorfahrt

Für den Landkreis Reutlingen und Tübingen unerheblich, jedoch erwähnenswert: Die Berufsschifffahrt hat grundsätzlich Vorfahrt, alle anderen sind daher ausweichpflichtig. Ein Motorschiff vermag etwa wegen seiner Größe und Trägheit keine schnellen Ausweichmanöver zu fahren. Hinzu kommt, dass der Kapitän eines Motorgüterschiffes vor seinem Bug einen "Sichtschatten" von bis zu 300 m haben kann, in dem er Badende und kleine Fahrzeuge nicht erkennt.
Wer trotz aller Bedenken auf das Baden im Neckar nicht verzichten möchte, sollte sich unbedingt auf den Flussrand beschränken und nicht in die Schifffahrtswege schwimmen.