Wir sind ausgezeichnet! Das darf das Festival Kultur vom Rande über sich sagen. Bereits 2014 gewann das Treffen den Inklusionspreis des Landes Baden-Württemberg. Und 2017, erst kürzlich, ist es zusammen mit zwei weiteren Reutlinger Festivals mit dem begehrten europäischen Qualitäts-Siegel EFFE prämiert worden (wir berichteten) – die Abkürzung steht für Europe for Festivals, Festivals for Europe.

Alle drei Jahre geht Kultur vom Rande mittlerweile über die Bühne. Auch jetzt wieder, zum siebten Mal – und zwar von 24. Juni bis 2. Juli. Das Festival „für Menschen unabhängig von Behinderung und Benachteiligung“ steht dieses Mal unter dem Motto „Hast du Töne!“ Neun Tage lang wird es die Stadt verwandeln, den Bürgerpark, das franz.K und die City bespielen.

Rosemarie Henes und Elisabeth Braun haben mit ihrem Team wieder ein Programm zusammengestellt, das prallvoll ist mit Straßenaktionen, Theater, Tanz, Kabarett, Lesungen, Workshops und vielem anderem mehr. Rund 70 Einzelveranstaltungen sind geplant, darunter 16 Gastspiele aus neun Ländern, aus Chile, Niederlande, USA, Kanada, England, Italien, Frankreich, Finnland und Deutschland.

Vergleichbares in dieser Dichte und Buntheit gibt es nicht, allenfalls beim Festival „Grenzgänger“ in München oder „sicht:wechsel“ im österreichischen Linz. Kultur vom Rande erneuert sich auch ständig. Es wird ein Festivalzelt auf dem neuen Kulturplatz geben, zudem erstmals ein HipHop-Jam und zum Abschluss ein „Großes Singen“ auf dem Marktplatz, wo unter der Leitung von Patrick Bopp (Füenf), Dirk Blümlein (Bassist von Fool’s Garden) und Sanna Valvanne (Finnland/USA) vermutlich ganze Hundertschaften von Sangesfreudigen ihre Stimme erheben werden.

Bei den Kooperationen ist jetzt auch das Spendhaus mit eingestiegen. Erstmals dabei ist zudem das Programmkino Kamino mit einer aufs Festival zugeschnittenen Filmreihe. In der Stadt sichtbar sein werden auch die Ergebnisse eines Projekts, bei dem aus alten Stühlen Kunstwerke geschaffen werden sollen – eine Kunstaktion zum Mitmachen.

Eine dieser Neuerungen, der HipHop-Jam, wird am 28. Juni im und am Festivalzelt über die Bühne gehen: „ein Tag voller Rap, Breakdance und Graffiti“, wie es heißt – mit Workhops (14 bis 16 Uhr), Offener Bühne (16.45 bis 17.45 Uhr), einem Auftritt des T.A.L.K.-Projekts (18 Uhr) und einer HipHopper-Show (19 Uhr).

Herzstück des Abendprogramms sind die Gastspiele. Schon zur Eröffnung (24. Juni) wird unter anderem Stix alias Dergin Tokmak aus Augsburg auftreten. Mittlerweile international gefragt, wird Stix einen akrobatisch-ästhetischen Tanz mit Krücken zeigen, er gehörte jahrelang als einziger Körperbehinderter zum berühmten Ensemble des Cirque du Soleil. Das Teatro La Ribalta (Italien) präseniert Tanztheater, in dem die Figuren von sich selbst erzählen (25. Juni), und die Bremer Truppe tanzbar beschäftigt sich mit dem Thema Gemeinschaft (26. Juni).

Das inklusive Baff-Ensemble des Reutlinger Tonne-Theaters zeigt seine neue Produktion „Irre ist menschlich“ (27. Juni). Spektakulären Breakdance auf Händen und Krücken wird’s dann beim großen HipHop-Jam mit der multinationalen Truppe ILL-Abilities geben (28. Juni) – der kanadische Artist Lazylegz (im Bild links) hat das Publikum schon bei Kultur vom Rande 2008 „schwer beeindruckt“, jetzt bringt er vier weitere Jungs aus USA, Chile und den Niederlanden mit, ergänzt durch den deutschen Rapper Fidi.

„Kabarett mit Gänsehaut-Garantie“ bietet dann das Théàtre du Cristal aus Frankreich (29. Juni) – mit einer Koch-Revue aus Chansons, Jonglage und Zaubertricks, da sind „schmissige“ Nummern zu erwarten, etwa „Gurken-Jonglagen“ oder „Bananen-Songs“. Das Theater Brût aus Passau zeigt eine Bergbauern-Tragikomödie (30. Juni), übrigens vor der lautmalerisch erzeugten Kulisse muhender Kühe.

Komisch und poetische Szenen ohne Text, aber mit Musik, bringt schließlich die Compagnie Création Ephémère aus Frankreich mit (1. Juli) – bevor dann auf dem Marktplatz das „Große Singen“ steigt (2. Juli). Spannend wird sicher, was da unter Leitung von Patrick Bopp & Co. so alles angestimmt werden könnte, die „Capri-Fischer“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“? Mal hören.

Das und noch viel mehr, etwa Workshops, Erlebnis- und Straßentheater, bietet Kultur vom Rande, das sich als Festival der Begegnung begreift – unschätzbar wichtig zu Zeiten, da manche wieder Angst, Abgrenzung und Verachtung predigen.

2014 kamen 6000 Menschen. Der Etat jetzt liegt bei 250 000 Euro, der städtische Zuschuss beläuft sich auf 40 000 Euro. Karten gibt es bereits jetzt im Vorverkauf (siehe Info). Schirmherrin ist Carmen Würth (Künzelsau). Das Festival, schreibt Würth, soll „einen gemeinsamen Ort bilden, an dem Menschen unterschiedlichster Herkunft sich gegenseitig wertschätzen lernen können.“

Das Festival


Kultur vom Rande 24. Juni bis 2. Juli, Motto „Hast du Töne!“ Das Festival für Menschen unabhängig von Behinderung und Benachteiligung in Reutlingen umfasst diesmal rund 70 Einzelveranstaltungen, darunter 16 Gastspiele aus insgesamt neun Ländern.
Veranstalter
des Festivals Kultur vom Rande sind
- Baff (Bildung, Aktion, Freizeit, Feste), getragen von der Lebenshilfe Reutlingen und der Bruderhaus-Diakonie Reutlingen;
- Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg;
- Kulturamt Reutlingen
sowie weitere Partner. Das nichtkommerzielle Festival wird durch Förderer finanziert. Schirmherrin: Carmen Würth (Künzelsau).
Tickets
Karten gibt’s bei unseren SÜDWEST PRESSE-Geschäftsstellen in Reutlingen (Albstraße 4), Metzingen (Hindenburgstraße 6), Bad Urach (Wilhelmstraße 8) und Münsingen (Gutenbergstraße 1) sowie online auf den Websites www.reservix.de und www.franzk.net.