Zugausfälle, Verspätungen und ein aufgrund von Lokführermangel reduzierter Fahrplan: Auf der Neckar-Alb-Bahn läuft es zwischen Tübingen und Stuttgart seit Monaten nicht rund, ebenso wie auf der Ammertalbahn und der Ermstalbahn. Von einem „unzumutbaren Bahnverkehr im Raum Reutlingen und Tübingen“ sprechen nun die Organisationen Fridays for Future und Parents for Future aus beiden Landkreisen, die einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr als wichtiges Element für den Klimaschutz betrachten.

Daher haben die Klimaschutzaktivisten über die Plattform „We act“ eine Petition gestartet, die sich unter anderem an die Bundestagsabgeordneten aus der Region, aber auch an die Landtagsvertreter, die Kreisräte und die Landräte richtet. Gefordert wird darin unter anderem kurzfristige Abhilfe durch einen Schienenersatzverkehr für die ausgefallenen Regionalbahnen, die Rückerstattung insbesondere von Monatskarten, aber auch bessere Löhne für Zug- und Buspersonal und die Schaffung eines Fahrgastbeirates.

Die Petition im Wortlaut

Am Sonntagnachmittag hatten kurz nach ihrem Start über 60 Menschen die Petition unterzeichnet. Es ist vorgesehen, die Unterschriften während der Bürgersprechstunden an den Kreistagssitzungen in den beiden Landkreisen öffentlich zu übergeben: Am 16. März um 15 Uhr in Reutlingen und am 25. März um 15 in Tübingen, jeweils am örtlichen Landratsamt.

Die Petition im Wortlaut: „Es kann nicht sein, dass wir tagtäglich zu spät zur Arbeit, zur Schule und nach Hause kommen, es kann nicht sein, dass wir uns ständig trotz Monatsticket oder Einzelfahrkarte um eine andere Form des Transports kümmern müssen, sei es Taxi, Elterntaxi, Bus über Umwege oder Auto, es kann nicht sein, dass wir ständig unseren Tagesablauf neu organisieren müssen (berufliche Termine vor Ort bis bundesweit, Kinderbetreuung, Hobbies, etc.), es kann nicht sein, dass wir schlechte Noten in Klassenarbeiten bekommen, nur weil die Bahn ständig ausfällt, zu spät kommt oder zu wenig Wagons hat und nicht alle mitgenommen werden können, u.a. auch Personen mit Kinderwagen oder Rollstuhl.

Aufgrund dieser täglichen Erfahrungen mit dem derzeit unzumutbaren Bahnverkehr im Raum Reutlingen und Tübingen und der Berichterstattung im Schwäbischen Tagblatt, dass dieser Zustand noch länger andauern wird, wenden wir uns an Sie und bitten inständig darum, alle Ihre Möglichkeiten zu nutzen, um eine kurzfristige und dauerhafte Verbesserung der derzeitigen Situation auch vor dem Hintergrund der notwendigen Anstrengungen zum Klimaschutz zu erreichen. Insbesondere halten wir folgendes für erforderlich:

Forderung 1: Schienenersatzverkehr mit Bussen oder - wenn keine Busse anmietbar sind - Sammeltaxis bei Zugausfällen bei allen Regionalbahnen und nicht nur auf der Ammertalbahn am Nachmittag

Forderung 2: Kurzfristiges Organisieren von zusätzlichem Wagenmaterial für die Betreiber der Strecken, um die Züge zu verlängern. Zu kurze Wagen sind regelmäßig überfüllt und häufig können viele Personen, insbesondere mit Kinderwagen, Rollstuhl o.ä., nicht oder nur im Menschengedränge mitfahren.

Forderung 3: Rückerstattung/Entschädigung von Fahrkarten auch im Regionalverkehr für Monatskarteninhaber und Einzelfahrten für die letzten Monate. Diese halten wir für Schüler ebenso wie für Erwachsene erforderlich, da diese täglich mit der Unzuverlässigkeit der Bahn kämpfen müssen und deren Folgen tragen.

Forderung 4: besserer Tarifvertrag für Zug- und Buspersonal mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen vereinbaren, damit dieses Arbeitsgebiet wieder attraktiv und damit dem akuten Zugpersonal- und Busfahrermangel entgegengewirkt wird.

Forderung 5: Einrichtung eines Fahrgastbeirat jeweils für den Landkreis Tübingen und den Landkreis Reutlingen, der die Interessen der ÖPNV-Nutzer im Naldo und gegenüber den Bestellern des ÖPNV und den Verkehrsunternehmen vertritt.

Wir fordern insbesondere Frau Beauftragte der Bundesregierung Widmann-Mauz und die Bundestagsabgeordneten Donth und Rosemann auf, kurzfristig Ihre Möglichkeiten in der Bundesregierung als Eigentümerin der Deutschen Bahn zu nutzen, um auf die Deutsche Bahn als derzeitigen Betreiber der Strecken einzuwirken, damit ausreichend funktionierendes Wagenmaterial zur Verfügung steht, ggf. auch unterstützt durch zusätzliche Bundesnahverkehrsmittel, die Bundestagsabgeordneten Hänsel, Kober, Kühn, Müller-Gemmeke und Tatti auf, Frau Beauftragte der Bundesregierung Widmann-Mauz und die Bundestagsabgeordneten Donth und Rosemann dabei im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu unterstützen, die Landtagsabgeordneten Lede Abal und Poreski auf, in der Landesregierung als Besteller des schienengebundenen ÖPNV darauf hinzuwirken, dass die vertraglichen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation genutzt werden- Von der Seite des Landes soll auf die deutsche Bahn entsprechend eingewirkt und ggf. zusätzliches Wagenmaterial anderweitig angemietet werden.

Herrn Landtagsabgeordneten Selcuk auf, die Landesregierung dabei zu unterstützen, die Landräte Reumann und Walter als Vertreter der Landkreise Reutlingen und Tübingen im Naldo und die Kreisräte der beiden Landkreise auf, einen Schienenersatzverkehr für Zugausfälle für alle Regionalbahnen, eine Rückerstattung/Entschädigung für den bisherigen unzumutbaren Bahnbetrieb für alle Naldo-Monatsticketinhaber und jeweils einen Fahrgastbeirat pro Landkreis einzurichten.

Wir wünschen uns einen täglich funktionierenden ÖPNV im Raum Reutlingen und Tübingen, der seinen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Wir wollen nicht mit dem Auto fahren müssen.