Der Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge kommt für die IHK Reutlingen  nicht überraschend. Corona hat den Ausbildungsmarkt gleich in zweifacher Hinsicht getroffen: „Im Frühjahr läuft die Bewerbungsphase für das neue Ausbildungsjahr eigentlich immer auf Hochtouren, aber Corona hat viele Unternehmen gezwungen, ihre Auswahlprozesse zu unterbrechen“, sagt IHK-Präsident Christian O. Erbe. Zudem konnten die für Schülerinnen und Schüler wichtigen Angebote zur Berufsorientierung wie Praktika oder Berufsberatung nicht stattfinden. „Das Ergebnis sehen wir jetzt in Form von weniger Ausbildungsverträgen.“
Junge Frauen und Männer in der Region, die eine Lehrstelle suchen, können gleichwohl noch einen Ausbildungsplatz finden. Aktuell sind in der IHK-Lehrstellenbörsen auf www.ihk-lehrstellenboerse.de
40 offene Lehrstellen für einen Ausbildungsbeginng noch in diesem Jahr zu haben. In Abstimmung mit dem Lehrbetrieb und der Berufsschule kann die Ausbildung zu jedem Zeitpunkt begonnen werden. Die IHK berät dazu sowohl Mitgliedsunternehmen als auch potenzielle Bewerber. Unterstützung während der Ausbildung bieten zudem die Angebote des IHK-Azubis-Kollegs.
Pünktlich zum neuen Ausbildungsjahr führt die IHK Reutlingen zudem eine Azubi-Card ein und schafft damit für Azubis zusätzliche Anreize in Form von Preisnachlässen und Zusatzangeboten. „Das sind weitere gute Gründe, warum die Ausbildung mit ihrer praktischen und arbeitsmarktnahen Ausrichtung höchst attraktiv ist“, sagt der IHK-Präsident.

Alle Landkreise betroffen

Der Rückgang hat alle drei Landkreise der Region Neckar-Alb erfasst. Der Landkreis Reutlingen verzeichnet zum Stichtag 31. August ein Minus von 21 Prozent oder 235 Ausbildungsverträgen. Mit einem Rückgang von 13,8 Prozent oder 101 Verträgen schneidet der Zollernalbkreis noch am besten ab. Im Landkreis Tübingen wurden 430 Ausbildungsverträge geschlossen, ein Minus von 19,3 Prozent oder 103 Verträgen.
Die kaufmännischen Ausbildungen haben um 18,3 Prozent verloren, die technisch/gewerblichen um 18,6 Prozent. Am stärksten waren der Rückgänge in der Versicherungsbranche (-45,9 Prozent), im Verkehrs- und Transportwesen (-36,8 Prozent), im Bankensektor (-28,3 Prozent) sowie im Bereich von Hotellerie und Gastronomie (-24,7 Prozent).
Wenig Bewegung gibt es bei der Wahl der Ausbildungsberufe. Zu den stärksten technischen Lehrberufen zählen die Berufe der Metalltechnik, bei denen die IHK Reutlingen allein 410 neue Lehrverträge registrierte, sowie in der Elektrotechnik (205). Bei den kaufmännischen Berufen liegen die Handelsberufe (546) und Berufe in der Industrie (166) vorn.
Einen hilfreichen Impuls für den Ausbildungsmarkt bietet das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ mit Hilfen von 2000 oder 3000 Euro je neuem Ausbildungsplatz. „Für kleine und mittlere Betriebe, die durch Corona erheblich getroffen wurden, kann das Programm eine echte Hilfe sein, um ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht zu erhalten, Kurzarbeit für Azubis zu vermeiden oder auch Anreize zur Übernahme im Falle einer Insolvenz zu schaffen“, unterstreicht Erbe. Der IHK-Präsident appelliert an die Betriebe, ihre Ausbildungsbereitschaft aufrecht zu erhalten. „Der nächste Aufschwung kommt bestimmt, und da werden gut ausgebildete Fachkräfte dringend gebraucht.“

Nachvermittlung am 18. September


Am Freitag, 18. September, gibt es von 13.30 bis 16.30 Uhr bei der Agentur für Arbeit Reutlingen eine Nachvermittlungsaktion, an der sich auch die IHK Reutlingen beteiligt. swp