Reutlingen Aus dem Milieu heraustreten

Über 30 Kunstschaffende beteiligen sich am Projekt "Kunst an jedem Ort". Los gehts am Sonntag. Foto: Marie-Louise Abele
Über 30 Kunstschaffende beteiligen sich am Projekt "Kunst an jedem Ort". Los gehts am Sonntag. Foto: Marie-Louise Abele
Reutlingen / MARIE-LOUISE ABELE 11.09.2013
Kunst an alltäglichen Orten zu zeigen - das haben sich über 30 Kunstschaffende aus der Region zur Aufgabe gemacht. Das bunte Kunstprogramm startet am Sonntag und zieht sich hin bis Februar 2014.

Geschäfte, Firmen und öffentliche Räume als Ausstellungsorte von Kunstwerken zu nutzen und damit ein breites Publikum anzusprechen und ganz nebenbei für Kunst zu sensibilisieren - das ist die Idee für das Projekt "Kunst an jedem Ort" (KuajO). Es begann alles mit einer Vision der Reutlinger Künstlerin Beate Hanek, die sogleich Paul Schlegl, Leiter der Katholische Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V., dafür begeistern konnte. Nach bald drei Jahren Vorbereitungszeit in einem Kernteam steht nun ein großes gemeinsam entwickeltes Programm an wechselnden Ausstellungen von Kunstobjekten, Künstlergesprächen sowie Kunstaktionen und Events in der gesamten Stadt am Start, das mit einer großen Vernissage am Sonntag eingeläutet wird.

45 Künstler der Region sind maßgeblich an dem Projekt, das vor allem von KEB, der Stadt sowie der Kreissparkasse unterstützt wird, beteiligt, 33 von ihnen stellen von Sonntag bis 15. Februar 2014 an verschiedenen Orten aus. Um möglichst viele direkt anzusprechen, wird es an einem Sonntag im Monat geführte Rundgänge durch die Innenstadt geben.

Dem Team gehe es vor allem darum, Kunst an Orten zu zeigen, an denen sie nicht unbedingt vermutet wird. Man möchte durch die direkte Begegnung ins Gespräch kommen und auch Impulse geben, "aus dem eigenen Milieu heraustreten".

Eine eigens für diese Aktion entworfene Broschüre gibt Auskunft, was den Kunstinteressierten erwartet, hin und wieder werden künftig noch einige Positionen mehr angeboten und durch die Presse angekündigt. Die Künstlerinnen und Künstler selber schwärmen von einer geglückten und für jeden zufriedenstellenden Umsetzung, der Anregungen untereinander sowie von der Offenheit der beteiligten Kooperationspartner, die ihre Räumlichkeiten für die Kunst zur Verfügung stellen werden.

Als einzelner Künstler habe man es schwer, in öffentlichen Räumlichkeiten auszustellen, sei die Skepsis auf beiden Seiten doch sehr groß. "Doch durch die Nennung des großen Projektes und seine Unterstützer im Rücken gingen stets Türen auf", erzählte Beate Hanek. Das nehme auch die Angst davor, dass die eigene Kunst als Dekoration im Laden einfach verschwinde.

Orte werden unter anderem verschiedene Optiker, Einrichtungsgeschäfte, Banken, Arztpraxen, Weinhandlungen, Kirchen, Bezirksamt, das Amtsgericht und Bekleidungsgeschäfte, aber auch die eigenen Ateliers sein. Das Logo des Projektes wird Interessierte durch die Innenstadt leiten. So wird der Besucher auf eine große Themenvielfalt, verarbeitet in qualitativ unterschiedlichen Techniken stoßen. Auch haben sich die Künstler selbst ihre Ausstellungspartner und Veranstaltungsrahmen ausgewählt, vielfach passend zum verarbeiteten Thema. Begegnung und Kommunikation mit Kunst, erst in einem halben Jahr werde man wissen, wie so ein Projekt fruchtet. Beate Haneks Visionen gehen mit diesem Projekt noch weiter. "Eigentlich sollte jeder erkennen: Wir brauchen ein Auto, ein Computer, ein Handy - und ein Kunstwerk."

Kunst an jedem Ort: Eröffnung und ausstellende Künstler
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