Reutlingen Auftakt mit sexy Olaf Schubert

Reutlingen / Kathrin Kipp 03.09.2018
Das franz.K hat in der kommenden Saison mit Wortkunst, Musik, Tanz und Diskussion wieder viel vor.

2017/2018 war „eine gute Spielzeit“, finden Andreas Roth und Sarah Petrasch vom franz.K. Zwar seien die Zuschauerzahlen (mit knapp 50­ 000) nicht weiter gestiegen, aber das sei auch nicht das Ziel gewesen. Im Gegenteil, die Anzahl der Veranstaltungen (325 statt wie bisher über 350) wurde aufgrund der überlasteten Infrastruktur des Hauses etwas reduziert. Aber vor allem überregional werde das franz.K immer stärker wahrgenommen, so Roth. Sowohl vom Publikum, als auch von den Agenturen, Medien und Künstlern, die nun in Reutlingen gastieren, auch wenn sie vom Namen her eher „nach Stuttgart gehören“, wie Rufus Wrainwright. Und so sei das Kulturzentrum schon längst „Teil des internationalen Tourbusiness“.

Spitzenwerte erreicht

Auch in der Online-Befragung des Reutlinger „Markenbildungsprozesses“ habe man „Spitzenwerte“ erreicht, zeigt sich Roth ein wenig stolz, auch wenn er einer weitsichtigen Stadtentwicklung dem bloßen Stadtmarketing den Vorzug gibt. Weshalb das franz.K der Fortschreibung der Kulturkonzeption von 2006 auch ein Diskussionsforum bieten will. Für die Soziokulturaktivisten stehen dabei folgende Themen im Vordergrund: Reutlingen müsse das „interkulturelle Entwicklungspotential nutzen“. Außerdem mehr für die Jugend und das Nachtleben tun - die hiesigen Studierenden wandern abends offenbar alle nach Tübingen aus. Und es bestehe ein großer Bedarf an Proberäumen und Ateliers: „Mehr Raum für Unfertiges“, fordert Roth, auch „als Humus für Stadtentwicklung“, für Kunst oder Startups. Potenzial dafür sieht Roth unter anderem in der Entwicklung City Nord.

Neben der Diskussion von sozio-, inter- und jugendkulturellen Visionen geht im franz.K ab 14. September auch wieder das kulturelle Tagesgeschäft los, mit Tanz, Musik, Diskussion und Kabarett. Unter anderem steigt am 22. September (14 und 19 Uhr) erstmals ein „situationistisches Stadtspiel“ für alle, die Lust haben an Interaktion, Performance und urbanen Abenteuern: Die Aktion „NEU-Stadt“ wurde konzipiert von der Berliner „urbansupergroup“ für insgesamt sieben Soziokultur-Städte in Baden-Württemberg. Und so soll es auch beim Reutlinger NEU-Stadtspiel darum gehen, öffentliche Räume neu zu entdecken, wahrzunehmen und für sich zu erobern. Dafür trifft man sich an der Nikolaikirche, findet zu Gruppen zusammen (oder geht als Gruppe gemeinsam los), bekommt ein „Anleitungs“-Buch und muss die unterschiedlichsten Missionen erfüllen, bei denen es an selbstgewählten Plätzen zu performativen oder situationistischen Szenen kommt.

Wer die klassische Zuschauerrolle bevorzugt, der kommt im franz.K in der kommenden Spielzeit natürlich auch auf seine Kosten. Unter anderem beim traditionellen Kleinkunstherbst, den der „selbsternannte Betroffenheitslyriker“ im Karo-Pullunder Olaf Schubert am 28. September kapazitätsbedingt in der Stadthalle eröffnet, unter dem hoffnungsvollen Titel „Sexy Forever“. Alle anderen Kleinkünstler treten im franz.K auf: die „Migrationstussi“ Jilet Ayse gibt sich am 5. Oktober „Ghettolektuell“: Ihre „messerscharfen Analysen“ sind „nichts für schwache Nerven und enge Herzen“. Am 19. Oktober ist dann einer der bekanntesten  Poetry Slammer Jan Philipp Zymny zu Gast, der „Meister des Absurden“. Am 26. Oktober stehen mit Özgür Cebe „Born in the BRD“ noch einmal komödiantisch verpackte Integrationthemen auf dem Programm. „Halleluja“ heißt es am 15. November mit den kabarettistischen Singer-Songwritern Simon & Jan: Liedermaching 2.0 mit lustig-giftigen Texten. Lisa Fitz präsentiert am 22. November unter dem Titel „Flüsterwitz“ „Blödsinn und Tiefsinn, Wortwitz und bayrische Direktheit“. Den Abschluss macht am 15. Dezember Christian Ehring, bekannt aus der Heute Show und Extra3. Ende November ist eine Benefiz-Veranstaltung geplant zur Seenotrettung. Im Dezember feiert das franz.K außerdem mehrfach seinen 10. Geburtstag mit lokalen und überregionalen Weggefährten. Karl Marx‘ 200. Geburtstag wiederum wird musikalisch-literarisch gefeiert (14. November).

Die musikalischen Highlights

Die nächsten musikalischen Höhepunkte im franz.K: 11. Oktober: Lea: Fahrtwind-Tour; 31. Oktober: Bukahara; 8. November: Helmut Hattler (Bassist von Kraan, Tab Two); 9. November: Phillip Boa and the Voodoo-Club; 17. November: Dobet Gnahoré;  21. November: Max Lilja (Apcalyptica) und Fried Dähn: Electric-Cello;  23. November: Mayito Rivera;  6. Dezember: Nils Wülker; 7. Dezember: Anna Depenbusch.

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