Reutlingen Auf Klassenfahrt mit Thees

"Paris im Herbst", "Die Nacht war kurz" und andere Songs: Thees Uhlmann war im franz.K zu Gast. Foto: Jürgen Spiess
"Paris im Herbst", "Die Nacht war kurz" und andere Songs: Thees Uhlmann war im franz.K zu Gast. Foto: Jürgen Spiess
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 27.03.2012
Romantik-RocknRoll mit Gefühl und Schmackes: Thees Uhlmann bescherte den 550 Fans im Reutlinger franz.K einen wunderbaren Konzertabend.

Manchmal fühlt man sich bei seinem Konzert wie auf Klassenfahrt mit Leuten, die man nie zuvor gesehen hat. Wenn er Lieder schreibt, sagt Thees Uhlmann, dann erzählt er sich selbst sein Leben. Lieder schreiben, das ist fast so wie "Denkmäler setzen". Und wenn er singt "Man fühlt sich, als hätte man die Liebe erfunden", klingt das mindestens wie "Und ganz nebenbei die Welt gerettet". Der Sänger, Gitarrist, Songschreiber und Sprachrohr der Band Tomte hat sich mit seinem Soloprojekt zur Aufgabe gemacht, den Menschen Hoffnung zu geben und die Ironie abzuschaffen.

Aber vor allem hat er sich mit seiner fünfköpfigen Begleitband vorgenommen, das franz.K zu rocken. Nein, hier stehen keine abgehobenen "Hamburger-Schule"-Nerds auf der Bühne. Satter Alternativrock und hymnischer Gitarrenpop mit Klavier-Einschüben gehen da mit den poetischen Mehrdeutigkeiten von Sänger Thees Uhlmann eine stimmige Verbindung ein, aus der gitarrenstürmende, mitreißende Rockmusik entsteht. Es ist eindeutig. Da tanzen vorne mehr als nur ein paar vom Gefühlspathos überwältigte Mädchen, und die hinten stehende Gruppe von Leuten, die sämtliche Lieder des 2011 veröffentlichten Debütalbums lauthals mitsingen, sind keineswegs Ausnahmen. Während bei "Paris im Herbst" manch einer seiner Liebsten den Text simultan ins Ohr flüstert, geht es bei Titeln wie "Die Nacht war kurz", "Sommer in der Stadt" und natürlich bei "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" bewegter zu.

Uhlmann spielt nicht die Rolle des abgeklärten Berufsmelancholikers. Viel lieber jongliert er mit Emotionen und dem süßen Gefühl der Nostalgie. Seine Geschichten erzählen von der schon lange verlassenen Heimat Niedersachsen, von Herausforderungen des Lebens und von Jugendsünden, die einem im Alter heimgezahlt werden.

Während seine Lieder auf Platte eher zurückhaltend rüberkommen, entwickeln sie live eine geradezu magische Wirkung. Es dominieren hymnische Gitarrenwände, und Thees Uhlmann selbst platzt fast vor Wortwitz und Tatendrang.

Als letzte von vier Zugaben spielen der 37-jährige Frontmann und seine fünf Mitspieler ein zweites Mal das hinreißende "Die Nacht war kurz". Das Publikum singt im Chor mit. Und man fühlt sich sofort wieder, als sei man auf Klassenfahrt mit Leuten, die man nie zuvor gesehen hat.

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