Übersbergzufahrt Auf dem Weg zum Politikum

Die Zufahrt zum Übersberg ist seit September gesperrt und mittlerweile ein Politikum.
Die Zufahrt zum Übersberg ist seit September gesperrt und mittlerweile ein Politikum. © Foto: Evelyn Rupprecht
Pfullingen / Von Evelyn Rupprecht 22.01.2018

Die Übersbergzufahrt, die seit September wegen Hangrutschungen gesperrt ist, wird in Pfullingen immer mehr zum Politikum. Den 15 Stadträten, die bereits im November fraktionsübergreifend den Antrag gestellt hatten, dass die Straße schnellstmöglich saniert werden soll, folgt nun Günther Hecht, der Ehrenvorsitzende des Lichtensteingaus des Albvereins, mit seinem Aufruf. „Der Schwäbische Albverein, mein Nachfolger Vizepräsident und Gauvorsitzender des Lichtensteingaus, Thomas Keck, sowie die Ortsgruppe Pfullingen und ich persönlich vertreten die Auffassung, dass dieser Zugangsweg für den Tourismus mit einem Eilbeschluss des Gemeinderats und der Stadtverwaltung im Jahr 2018 saniert werden sollte“, schreibt Hecht in einem offenen Brief, den er am 18. Januar an die Stadtverwaltung geschickt und am 19. Januar bei der Hauptversammlung der Pfullinger Albvereins-Ortsgruppe verlesen hat.

In seinem Brief geht Hecht auf die 120-jährige Geschichte der Zufahrt zum Übersberg ein, die dank einer Stiftung von Ernst Laiblin an die Stadt gebaut werden konnte, „um den nordöstlichen Landschaftsteil von Pfullingen zu erschließen“. Die Albvereins-Ortsgruppe, der einst auch Laiblin angehörte, habe in Zusammenarbeit mit der Stadt zwei Schutzhütten, die Elisen- und die Ernst-Hütte, errichtet. „Unzählige Wanderer und Erholungssuchende aus Nah und Fern konnten bis vor einem halben Jahr über diesen Albaufstieg das schöne Naturschutzgebiet und den Segelflugstützpunkt von Pfullingen aus erreichen“, schreibt Hecht in seinem offenen Brief und verweist im Zusammenhang mit der jetzt von ihm und anderen geforderten Sanierung darauf, dass „unser früherer Bürgermeister und Ehrenbürger Rudolf Heß vor einigen Jahren einen namhaften Landeszuschuss für derartige Schadensregulierungen erwirkt hat und dieser den Rücklagen der Stadt zugeführt wurde.“ Damit dürfte die Finanzierung gesichert sein, ansonsten wäre ein Spendenaufruf auch noch hilfreich, glaubt Hecht. Die Stiftung von Ernst Laiblin sollte es als Kulturgut der Biosphären-Stadt Pfullingen wert sein, für die Nachwelt erhalten zu bleiben, endet das Schreiben des Vizepräsidenten a. D. des Schwäbischen Albvereins, der damit eine ähnliche Forderung stellt, wie sie die Stadträte Gert Klaiber, Thomas Mürdter, Christine Böhmler, Uwe Wohlfahrt, Sven Hagmaier, Carolin Abele, Florian Lang, Gerd Mollenkopf, Traude Koch, Britta Wayand, Felix Mayer, Malin Hagel, Walter Fromm, Stephan Wörner und Bettina Bamberg bereits im Spätherbst formuliert hatten. Sie hatten nicht nur die schnellstmögliche Sanierung gefordert, sondern auch beantragt, die Suche nach Alternativen unverzüglich einzustellen. Denn die Verwaltung hat, so Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle bei einer der letzten Gemeinderatssitzungen im vergangenen Jahr, tatsächlich Untersuchungen aufgenommen, ob es andere langfristige Erschließungswege für den Übersberg gibt. Derzeit wird der Verkehr über die Lichtensteiner Gemarkung via Göllesberg umgeleitet. Dort aber sind die Anwohner verärgert über die zusätzliche Belastung und auch die Autofahrer sind unglücklich über den schlechten Zustand der Umleitungsstrecke. Wie es nun weiter geht, wird sich bald zeigen, denn laut Cornelia Gekeler, Pressesprecherin der Stadt, laufen die Planungen und das Thema werde demnächst erst nicht-öffentlich, dann öffentlich im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen. Sie spricht von einem „Findungsprozess“, der ganz oben auf der Agenda steht. Und Martin Fink, der den erkrankten Bürgermeister Michael Schrenk seit November vertritt, ist sich „bewusst, wie wichtig das Thema ist“. Man werde es öffentlich zeitnah beraten. Gespannt sein darf man, ob die Verwaltung dann dazu tendiert, für Alternativ-Routen zu werben, und ob sie die Sanierung der einzigen Zufahrt auf Pfullinger Gemarkung, die der Elisenweg mit seiner Verlängerung darstellt, noch in Betracht zieht.