Pfullingen Auf dem Surfbrett zur Ausbildung

Den Bildschirm fest im Blick: Ein Achtklässler wagt sich auf den Gastro-Surfer.
Den Bildschirm fest im Blick: Ein Achtklässler wagt sich auf den Gastro-Surfer. © Foto: Evelyn Rupprecht
Von Evelyn Rupprecht 07.11.2018

Der Achtklässler kann sich auf dem Balance-Brett kaum halten. Wild wedelt er mit den Armen und wackelt hin und her. „Du schaffst das“, ermuntern ihn seine Kumpels. Und tatsächlich: Der Junge beantwortet – den richtigen Körperbewegungen sei Dank – fast alle Fragen zu Küchen- und Hotelthemen, die auf dem Bildschirm vor ihm auftauchen, korrekt. „Das ist unser Gastro-Surfer“, erklärt Martin Eberhard mit Blick auf die Brett-Computer-Kombination. „Auf diese Weise wollen wir zeigen, dass wir in unserer Branche weltweit unterwegs sind“, sagt der Mann vom DEHOGA Baden-Württemberg, der am Dienstag mit dem Gastro-Mobil, einem um- und ausgebauten Linienbus, an der Pfullinger Schloss-Schule Station gemacht hat.

Die ersten Jugendlichen, die an diesem Vormittag zwei Schulstunden lang das Mobil des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands mit seinem Außen- und Innenleben erkunden, sind begeistert. Während die Mädchen der 8 a im Mini-Kino sitzen und sich über die Berufe in der Branche informieren, turnen die Jungs auf dem Surfbrett herum, checken an der Rezeption im Bus ein, decken einen virtuellen Tisch, kochen interaktiv ein Menü und müssen Gewürze an ihrem Geruch erkennen. Zu guter Letzt dürfen sie noch ein Event für 40 Personen organisieren – haben dafür aber „nur“ 4000 Euro zur Verfügung.

Das Gastro-Mobil bietet aber auch eine Art Job-Börse. Sämtliche Stellen-Angebote in sechs Ausbildungsberufen können die Jungen und Mädchen hier abrufen – für die Jugendlichen und den DEHOGA Baden-Württemberg eine Art Win-win-Situation. „Immer mehr Gasthöfe, Restaurants und Hotels müssen schließen, weil sie kein Personal mehr finden“, weiß Martin Eberhard. Oft fehlt es am Nachwuchs, der bereit wäre, in die Gastronomie einzusteigen. Mit dem umgebauten Linienbus geht der DEHOGA deshalb an die Schulen und zu Messen, um die Jugendlichen auf sich aufmerksam zu machen und für die Branche zu werben. Doch auch den Schülern scheint das Mobil wie gerufen zu kommen. „Das alles hier ist sehr informativ und abwechslungsreich gemacht“, findet die Klassenlehrerin der 8 a, Heike Christof.  „Die Schüler haben heute extrem viele Fragen“, hat sie schon beobachtet. Denn die meisten von ihnen schauen sich zwar in Sachen Ausbildung um, trauen sich aber nicht so richtig ran an die Betriebe. Zumal 13 von 20 Schülern der Klasse einen Migrationshintergrund haben und noch nicht sehr lange in Deutschland leben. Das Gastro-Mobil, freut sich Heike Christof, sei da eine echte Bereicherung – und es setze die Hemmschwelle, sich mit einem Ausbildungsberuf zu befassen,  deutlich herab.

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