Reutlingen Auch "leise" Projekte kommen zu ihrem Recht

Hugo Häring Preis (von links): Festredner Prof. Dr. Dieter Hassenpflug, Juryvorsitzende Elke Reichel, BDA-Vorsitzender Neckar-Alb Axel Walk und Kunstverein-Geschäftsführer Christian Alexander Malycha.
Hugo Häring Preis (von links): Festredner Prof. Dr. Dieter Hassenpflug, Juryvorsitzende Elke Reichel, BDA-Vorsitzender Neckar-Alb Axel Walk und Kunstverein-Geschäftsführer Christian Alexander Malycha. © Foto: Simon Wagner
Reutlingen / SIMON WAGNER 29.11.2014
Am Donnerstag wurden im Kunstverein 13 Gebäude mit dem Hugo-Häring Preis ausgezeichnet. Um die begehrte Architekturauszeichnung bewarben sich 61 Projekte aus der Region - zu sehen bis Sonntag.

"Architektur bedient nicht nur Notwendigkeiten, sondern weckt Sehnsüchte nach schönen Momenten und einem schönen Leben", schreibt Axel Walk, Vorsitzender des Bunds Deutscher Architekten (BDA) in der Region. Festgehalten sind seine Zeilen im Ausstellungskatalog, der am Donnerstag bei der Verleihung des prestigeträchtigen Hugo-Häring-Preises druckfrisch in den Hallen des Kunstvereins auslag. Das Büchlein stellt jene 61 Bauprojekte aus der Region vor, mit denen sich die Bauherren und ihre Architekten um die alle drei Jahre vom BDA verliehene Regional-Auszeichnung bewarben. Der "kleine Hugo" qualifiziert die Preisträger für die Endrunden des Hugo-Häring-Preises 2015 auf Landes- und nachfolgend vielleicht sogar auf Bundesebene.

Gleich 13 Bauprojekte aus der Region sind weiter im Rennen. Sie hat die fünfköpfige Wettbewerbsjury vor Ort besichtigt und als besonders herausragend gewürdigt. Unter den Preisträgern finden sich dabei gänzlich unterschiedliche Bauten: die Sporthalle Sonnenbühl, der Polizeiposten in Mössingen oder die Stadthalle Reutlingen, aber auch private Wohn- oder Geschäftsgebäude. Gemein ist ihnen, das sie richtungsweisende und individuelle Problemlösungen gesucht und gefunden haben, wie die Architektin und Juryvorsitzende Elke Reichel erklärte. Dabei habe nicht die Größe oder das Bauvolumen die Hauptrolle gespielt, sondern auch kleine und "leise" Projekte kamen zum Recht: "Wir wollen das Individuelle prämieren", fasste Reichel den angelegten Bewertungsmaßstab und den Anspruch der Jury zusammen, sich in die jeweilige Architektur einzudenken, das Wesen und die Seele des gebauten Raums zu erfassen. Die Auswahl sei angesichts der durch die Bank sehr guten Qualität der Einreichungen nicht leicht gefallen, so Elke Reichel über die angeregte und auch kontroverse Diskussionen der Jury. Ob prämiert oder nicht, alle Architekten seien mit Leidenschaft ans Werk gegangen und hätten so dazu beigetragen, "die Welt ein bisschen besser zu machen", hielt Reichel fest. Für sie und als Mitglied des Präsidium und des Bundesvorstands des BDA eine willkommene Gelegenheit, den Berufsstand der Architekten ins rechte Licht zu rücken.

Dass Architektur eben mehr ist als ein paar Steine aufeinanderzuschichten, darauf machte auch der Stadtplaner Professor Dr. Dieter Hassenpflug von der Universität Duisburg-Essen aufmerksam. In seiner Festrede vor den versammelten Bauherren und Architekten beleuchtete er die kulturhistorische Dimension des Bauens und speziell aktuelle Prozesse, die die Stadt als solche betreffen: "Wir müssen uns wohl auf eine Entwicklung einstellen, in der das Verhältnis von analogem und digitalem Einzelhandel neu ausgehandelt wird - mit entsprechenden räumlichen Konsequenzen."

Es gelte als Reaktion darauf, Stadträume aufzuschließen, die vielfältige Koppel- und Anschlussaktivitäten ermöglichen, forderte Hassenpflug. Er sieht darin die kommende Herausforderung und eine Verantwortung, die der künftigen Planung und dem Management der Innenstädte anheim falle.

Info Alle 61 Wettbewerbsbeiträge sind noch bis Sonntag in den Hallen des Reutlinger Kunstvereins in der Eberhardstraße 14 zu sehen. Die Ausstellung hat jeweils zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.

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