Reutlingen Artisten fühlen sich hier wohl

"Was die Reutlinger sehen wollen, sind Tiere", weiß Direktor Michael Sperlich vom Reutlinger Weihnachtscircus, "wir haben nicht gespart damit." Attraktion hinter den Kulissen war das gerade mal vier Wochen alte weiße Kamel-Baby Katharina aus Sibirien, hier mit Melanie, der fünften Generation der Sperlich-Zirkusfamilien-Dynastie.  Foto: Angela Steidle
"Was die Reutlinger sehen wollen, sind Tiere", weiß Direktor Michael Sperlich vom Reutlinger Weihnachtscircus, "wir haben nicht gespart damit." Attraktion hinter den Kulissen war das gerade mal vier Wochen alte weiße Kamel-Baby Katharina aus Sibirien, hier mit Melanie, der fünften Generation der Sperlich-Zirkusfamilien-Dynastie. Foto: Angela Steidle
ANGELA STEIDLE 04.01.2014
Der Weihnachtscircus endet am 6. Januar: Mit zehn Prozent mehr Besuchern und einer begeisterten Artistenfamilie, die in ihren internationalen Netzwerken damit prahlt, wie toll es in Reutlingen ist.

"Woher wissen sie, dass eine Verlängerung geplant war?" fragt Zirkusdirektor Michael Sperlich nach. "Fast 30 000 Besucher, das war anzunehmen - bei dem Erfolg." Nur leider bleibt die internationale Truppe des Reutlinger Weihnachtcircus nicht zusammen: Die Feltinis gehen gleich anschließend mit ihrer Rollschuh-Nummer zum Internationalen Zirkusfestival nach Monte Carlo. "Sie haben dort Aussicht auf einen der vorderen Plätze", erklärt Direktor Sperlich, "Das Festival legt sehr viel Wert auf Kostüme und Choreografie." Von diesem glamourösen Ambiente hat auch der Reutlinger Weihnachtscircus profitiert. Bauchredner Kenneth Huesca aus Italien ist für das große Zirkusfestival im südfranzösischen Marseille nominiert.

Im Hintergrund werden längst die Fäden gesponnen: Der Verein der Zirkusfreunde ist deutschlandweit Forum für Weihnachts-Galas. "Da hat wer vom Reutlinger Zirkus geschwärmt", meint Michael Sperlich. Das hat sich bis in die Schweiz herumgesprochen. Freddy Knie höchstpersönlich besuchte die Reutlinger Show zweimal mit seinem Programmdirektor. Sperlich vermutet: "Es muss ihm doch einiges gefallen haben."

Absoluter Publikumsrenner am Markwasen war die Motorradkugel aus Brasilien. Für den Weltklasse-Auftritt stockten Gomaringer Metaller eigens den Artisten-Eingang auf sieben Meter Höhe auf. "Kinder und Familien waren begeistert", erzählt der Zirkusdirektor, "sogar eine Oma mit Rollator war ganz aufgeregt!" Gefolgt von Huescas Bauchredner-Show und natürlich der Hundenummer von Willi Lauenburger aus Österreich - ausgezeichnet mit einer Bronzemedaille in Monte Carlo. "Es gibt weltweit nur zwei bekannte Nummern mit Bauernhoftieren", betont Sperlich, "man merkt sofort, ob die Tiere bei der Arbeit verängstigt sind. Sowas würde ich gar nicht ins Programm nehmen. Bei ihm sind die Hunde so happy, die folgen ihm aufs Wort."

So soll das im nächsten Jahr auch mit der bereits gebuchten Papageien-Nummer aus Italien sein: "Die Tiere fliegen direkt über den Köpfen des Publikums." Bereits verpflichtet ist auch eine Schleuderbrett-Artistik der Extraklasse aus der Ukraine. Aus Frankreich kommt Kara Kavak mit seiner Reptilienshow. Der Auftritt: Als Indiana Jones auf einem Motorrad aus den Fünfzigern, Fünf-Meter-Schlange, Kaiman, Leguan, Skorpionen und Vogelspinnen auf nackter Frauenhaut - fast wie im Dschungelcamp. Für die Tiere wird wohl ein extra beheiztes Stallzelt nötig sein. Das macht dann auch das Veterinäramt happy.

Hinter einer Seelöwen- und Pinguin-Nummer steht noch ein Fragezeichen. In den nächsten Tagen erwartet Michael Sperlich Bescheid von einer australischen Artistentruppe: Messoudis menschliche Pyramiden und Jonglage sind heiß begehrt. Auch "Sascha the frog" - er verdreht seinen Körper um 180 Grad - ist vom Reutlinger Weihnachtscircus angefragt. Nächste Weihnacht zieht auch wieder ein richtiges Orchester in die Manege ein, unter der Stabführung von Vladimir Kasachok. Möglicherweise wird es dem Zirkusdirektor dann ähnlich ergehen wie in diesem Jahr: "Ab der Generalprobe war mir das Programm sehr sympathisch."

Nach zehn Jahren in Reutlingen ist der Weihnachtscircus längst eine Attraktion für sich. Direktor Sperlich: "Wir bekommen interessante Anfragen. Die Artisten fühlen sich in Reutlingen superwohl." Aber auch unter den Kollegen hat es gepasst: "Ich bin in diesem Jahr unheimlich begeistert von der Zusammenarbeit der Artisten. Sie sind umgänglich und hilfsbereit." Bei sieben Nationen, die unter einem Zeltdach arbeiten, will das etwas heißen. Hauptattraktion für die Artisten war ein begeistertes, zuverlässiges Publikum zwischen Freudenstadt und Sigmaringen sowie Nachbarn, "die alles mitmachten".

Weiterer Höhepunkt des Reutlinger Weihnachtscircus wird am 6. Januar, 12.15 Uhr, die Gala des Kinderzirkus-Wintercamps sein mit rund hundert Kindern, die vier Wochen in Workshops ihr eigenes manegenreifes Programm einstudiert haben.