Angesichts der sich rasch wandelnden Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung müssen die geltenden Arbeitszeitregelungen nach Auffassung der Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie angepasst werden. „Hier sind insbesondere die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes auf den Prüfstand zu stellen“, sagte Martin Holder, Sprecher der regionalen Unternehmer-Kontaktgruppe von Südwestmetall kürzlich in Reutlingen.

Kritik an Ruhezeit

Das heutige Arbeitszeitgesetz sieht zwingend die Einhaltung einer Ruhezeit von elf Stunden nach Beendigung der Arbeit vor. „Dies gilt auch, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitszeit selbst gewählt hat“, so Holder: „Wird einem Beschäftigten beispielsweise ermöglicht, um 15 Uhr nach Hause zu gehen, um sich um seine Kinder zu kümmern, und arbeitet dieser Beschäftigter dann abends noch einmal von 20 bis 22 Uhr, wenn die Kinder schlafen, so darf er nach der jetzigen Gesetzeslage am nächsten Tag vor 9 Uhr nicht wieder in die Firma kommen.“

Gebe er seine Kinder um 7.30 Uhr in der Kita ab, müsste er also wieder nach Hause fahren, anstatt direkt zur Arbeit zu gehen. „Eine solche Regelung ist nicht mehr zeitgemäß und widerspricht auch den von der Politik immer wieder geforderten familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen“, kritisierte Holder.

Die Gesamtarbeitszeit müsse künftig flexibler und bedarfsgerechter über die Woche verteilt werden können, forderte Holder. „Das ist im Interesse der Unternehmen – und der Arbeitnehmer“, sagte er: „Und es würde dem europäischen Recht entsprechen. Wir müssen von dem Gedanken loskommen, dass die deutsche Politik bei Regulierungen immer eine Schippe drauflegen muss.“

Leber-Kompromiss

Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe, mahnte die Gewerkschaften, nicht zu vergessen, dass diese Flexibilität Teil des vor langer Zeit ausgehandelten, nach ihrem Schlichter benannten ‚Leber-Kompromisses‘ war. „Die Arbeitszeit wurde damals in Schritten auf 35 Stunden reduziert, und zwar im Tausch gegen eine Erhöhung der tariflichen betrieblichen Flexibilität für die Arbeitgeber“, erinnerte Vetter.

„Vor diesem Hintergrund wird sich die IG Metall die Frage stellen müssen, ob sie den Leber-Kompromiss von damals tatsächlich in Gänze in Frage stellen will. Sollte sie die Flexibilität der Arbeitgeber beschränken wollen, wird dies auf unseren energischen Widerstand stoßen“, warnte er.

Südwestmetall – die Bezirksgruppe


Die Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall und des tarifungebundenen Unternehmensverbandes Südwest betreut in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Calw, Freudenstadt, Zollernalb und im nördlichen Teil des Landkreises Sigmaringen 220 Betriebe mit rund 51 000 Mitarbeitern.