Verwaltungsleiter Matthias Schmied hat die Zahlen im Blick: Die Tonne-Jahre 2017 und 2018 seien umzugsbedingt zwar nicht unbedingt vergleichbar, sagt er, dennoch lasse sich erkennen, dass der Neubau ein Erfolg wird.

Mit gewissen Anlaufschwierigkeiten: „Die ersten drei Monate haben wir versucht, so zu tun, als ob wir ein funktionsfähiges Theater hätten“, so Schmied. Vieles war nicht ganz fertig und erforderte eine enorme „Kraftanstrengung“. Den Partnern, dem Publikum und auch den Theatermachern wurde „einiges zugemutet“. Zunächst lautete das Motto: „Wir machen alles, was geht“. Mit drei Großproduktionen („Von Weimar bis Merkel“, „Cyrano“ und „Dreigroschenoper“), mit Gastspielen, Schulkooperationen und privaten Vermietungen. Mit Großveranstaltungen wie Tagungen, Jubiläen oder dem Handfest-Markt konnte die Tonne zwar neue Publikumsschichten erreichen, diese Veranstaltungen waren aber auch mit einem immensen Aufwand verbunden. Insgesamt hat die Tonne nun ein Jahr lang „viele Erfahrungen“ gemacht, unter anderem, dass das Kühlsystem im Haus eine durchaus sinnvolle Investition war.

Und trotz der großen Herausforderung: „Wir bereuen nichts.“ Die Tonne-Leute wissen jetzt aber auch, dass so ein hoher Aufwand nicht jedes Jahr möglich ist. „Die Messlatte hängt jetzt hoch, wir wollen sie gezielt unterlaufen“. Die vorläufigen Zahlen seien nur bedingt aussagekräftig, weil 2017 mehrere Monate lang nur der Tonne-Keller bespielbar war. Dennoch: Die Tonne hat 2018 aus Kartenverkäufen 225 000 Euro erwirtschaftet (2017: 135 000 Euro) und durch Fremdnutzungen kommerzieller und kultureller Art erstmals 50 000 Euro. Dafür stiegen mit dem großen Haus die Personalkosten um 20 Prozent: Durch Verstärkungen bei Technik, Betriebsbüro, Reinigung und Hausmeister. Diese Kostensteigerungen seien aber durch die höheren Zuschüsse schon abgedeckt, so Schmied.

Die Konsequenz aus dem ersten Neubau-Jahr ist, dass die Tonne-Macher bezüglich der externen Anfragen „wählerischer“ werden: Durch das eigene Programm, die Gastspiele, die Proben diverser Gruppen (Tonnellis, Tonnejugendforum, das inklusive Ensemble und Schultheater-AGs) sind die Räume voll ausgelastet. Eine weitere intensive Raum-Nutzung durch private Interessenten würde den Betriebsablauf stören. Offen sei man aber nach wie vor für den Verkauf geschlossener Theatervorstellungen, beispielsweise für Betriebsfeiern.

Unter anderem mit dem Sommertheater habe man ein jüngeres Publikum erreicht, eine „interessante Entwicklung, über die wir nicht unglücklich sind“. Intendant Enrico Urbanek würde gerne mehr Reutlinger Studenten sowie Zuschauer mit Migrationshintergrund ins Theater locken. Das neue Gebäude bekomme viel mehr Aufmerksamkeit als die Planie, sagt er und scherzt: „Wir machen zwar dasselbe wie vorher, aber in anderer Hülle. Und Fülle.“ Urbanek muss derzeit oft „Hinter-die-Kulissen-Führungen“ anbieten.

Durch die neue Infrastruktur würden auch die Besucher anspruchsvoller, so Schmied. Trotzdem wolle man keine Sitzplatznummerierung, weil sich die Bestuhlung jedes Mal ändern kann: „Wir wollen den Werkstattcharakter beibehalten“. Die meisten Besucher seien vom Neubau begeistert, vom Foyer, vom Blick auf die Stadthalle, von der Akustik. Und auch die Theaterleute freuen sich über die vielen technische Möglichkeiten, den betanzbaren Boden und die großen Kulissen: „Viele Dinge laufen nun so, wie wir uns das gedacht haben.“

Immer mehr Karten gehen im VVK raus


Die Anzahl der Abonnements konnten auf 71 erhöht werden. Insgesamt wurden 15 000 Karten übers eigene System verkauft, dazu kamen noch „extern“ verkaufte Veranstaltungen wie Theateroffensive oder Gastspiele. Die Karten werden zunehmend im Vorverkauf bestellt – eine „beruhigende Entwicklung“, findet Tonne-Intendant Enrico Urbanek.  kk