Spende Ansprechpartner für junge Menschen in der Krise

Finanzspritze für das gut nachgefragte Projekt „Youth-Life-Line“ (von links): Bürgerstiftungsvorsitzender Dr. Hans Hammann, die beiden Peer-Berater Kevin und Frida, Ursel Riehle (Bürgerstiftung), der Geschäftsführer des Arbeitskreises Leben Reutlingen, Jens Saure, und Gregor Voelker von der Bürgerstiftung.
Finanzspritze für das gut nachgefragte Projekt „Youth-Life-Line“ (von links): Bürgerstiftungsvorsitzender Dr. Hans Hammann, die beiden Peer-Berater Kevin und Frida, Ursel Riehle (Bürgerstiftung), der Geschäftsführer des Arbeitskreises Leben Reutlingen, Jens Saure, und Gregor Voelker von der Bürgerstiftung. © Foto: Peter U. Bussmann
Reutlingen / Peter U. Bussmann 22.02.2018

Die Spende von 5000 Euro, mit der die Bürgerstiftung Reutlingen bereits zum dritten Mal das Online-Projekt Youth-Life-Line des Arbeitskreises Leben (AKL) Reutlingen/Tübingen unterstützt, sind großteils verbraucht, sagte gestern der neue Geschäftsführer des AKL Reutlingen, Jens Saure. Die Summe floss weitgehend in die mehrere Monate dauernde Schulung des neuen Jahrgangs von 22 jungen Leuten, die nun darauf brennen, als so genannte Peer-Berater („Peer“ bedeutet Gleichaltrige) mit Jugendlichen in Krisensituationen per E-Mail zu korrespondieren. Im Juni 2002 wurde Youth-Life-Line als innovatives Modellprojekt mit dem Titel „Suizidgefahr – Suizidprävention: Jugendliche helfen Jugendlichen in Krisen“ konzipiert, ging im März 2003 dann als eine der deutschlandweit ersten Peer-Beratungen online. Aktuell stehen rund 30 bis 50 Peer-Berater mit jeweils zwei bis drei Klienten in Kontakt. Rund 500 Online-Anfragen hat die „Rettungsleine“ (= Lifeline) von Jugendlichen zwischen zwölf und 21 Jahren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es Jugendlichen in akuten Krisen und bei Suizidgefahr leichter fällt, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. Die Kommunikation online und anonym erleichtert es zudem den Jugendlichen, sich zu öffnen.

Suizid ist bei jungen Menschen unter 25 Jahren die zweithäufigste Todesursache – täglich versuchen sich laut Statistik deutschlandweit etwa 41 Jugendliche das Leben zu nehmen.

Die ehrenamtlich tätigen Peer-Berater haben in der Tübinger Einsatzzentrale an drei Nachmittagen pro Woche  Sprechzeiten eingerichtet, in denen sie an zehn Rechnern korrespondieren. Sie haben nicht nur vorbereitend die rund 80-stündige Ausbildung durch pädagogisch-therapeutische Fachkräfte genossen, auch zwei Sozialpädagogen begleiten sie bei ihrer Arbeit. „Keine Mail geht raus, ohne gegengelesen zu werden“, betont Jens Saure, „auch zum Schutz der Peers“. Im Jahr 2016 wurden rund 2000 solcher Mails verschickt.

Für Dr. Hans Hammann, den Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes der Bürgerstiftung Reutlingen, zeigt allein die Zahl der Erstanfragen, wie wichtig die Arbeit von Youth-Life-Line ist. „Hut ab, dass sie das tun“, zollte er bei der Spendenübergabe den beiden Peer-Beratern Kevin und Frida stellvertretend Respekt. Hammann hofft, dass die Stiftung auch in diesem Jahr wieder rund 40 000 Euro ausschütten kann und dass Youth-Life-Line wieder unter den unterstützten Projekten sein wird. Das Projekt wird zwar zu 60 Prozent aus der öffentlichen Hand finanziert, aber ohne „die Spenden gäbe es uns nicht“, unterstreicht Jens Saure.

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