Vom ersten Augenarztbesuch und dem perfekten Salat für Barbies Ken, von der Angst vor Nachbars Boxerhunden auf dem Schulweg und von Telefonstreichen, Albernheiten mit Oma und Opa und von Fantasie-Texten, die sie in Ermangelung besseren Wissens englischen Popsongs unterlegt, von alldem erzählt Anke Kuhl in 18 gezeichneten Kapiteln.

Ä Mänafa Mitleid?

„Gimmi Gimmi Gimmi Ä Mänafa Mitleid“ – klingt vage vertraut. War das nicht Abba? Rudi Carrell jedenfalls nicht, aber der wird dank der neuen – knallroten – Brille im Fernsehen „noch schöner, als ich dachte!“.

Den Zweikampf um die Lieblingsunterhose mit der älteren Schwester mag nicht jeder Leser unter Zuhilfenahme einer Klobürste ausgefochten haben. Trotzdem sind die kleinen Geschichten in ihrem Comic „Manno!“ gut nachvollziehbar. Und zwar für große und kleine, alte und junge Leser gleichermaßen. Herrlich.

Glück, Tragik, Langeweile

„Meine Kindheit war eine Mischung aus großem Glück, Tragik und Langeweile, also nichts besonderes eigentlich.“ Das schrieb die 1970 in Frankfurt geborene Illustratorin und Autorin im Exposé zu dem im Februar erschienenen Buch. Der Untertitel, „Alles genau so in echt passiert“, klingt wie eine typisch kindliche Beteuerung. Da ist der Leser geneigt, in Gedanken grinsend noch ein „echt ehrlich“ anzufügen, so wie er oder sie das selbst in den 1970er und 80er Jahren wohl kichernd getan hätte.

Mit Schalk, Charme und Tiefe

Brigitte Helbling, selbst Autorin und mit sieben Kollegen unter dem Vorsitz des FAZ-Literaturchefs Andreas Platthaus in der Jury des Comicbuchpreises, den die Ditzinger Berthold Leibinger Stiftung seit 2014 jährlich vergibt, sieht in diesem Satz die Grundzüge von Anke Kuhls neuestem Buch vereint: Schalk, Charme und Tiefe.

Denn auch Streit zwischen den Eltern oder das Thema „Schöner Schmerz“ blendet Anke Kuhl in diesen reizenden gezeichneten  Kindheitserinnerungen in Form eines All-Ages-Comics nicht aus.

Dafür hatte die Illustratorin von so großartigen bekannten Büchern wie „Lola rast“, „Lehmriese lebt!“, „Das Liebesleben der Tiere“ und dem 2011 zusammen mit ihrem Mann veröffentlichten „Alle Kinder“ mit alles andere als unschuldigen Schulreimen wie „Alle Kinder genießen die Sonne. Außer Olli – der trägt ’nen Rolli“ 2019 an ihrem 49. Geburtstag diese höchstdotierte deutsche Comic-Auszeichnung bekommen.

Verlage rufen zum „#bücherhamstern“ auf, wir zudem zum Selberzeichnen


Literatur ist wichtig „zur Stärkung der Lebensfreude“, schreibt der Züricher Dörlemann Verlag; „Alles zu?! Nein – Bücher dürfen weiterhin geöffnet werden!“, betont die Basler Edition Moderne; und der Berliner Avant Verlag warnt, die aktuelle Entwicklung rund ums Coronavirus treffe insbesondere Comic- sowie andere unabhängige Autoren, Verlage und Buchhändler. Die brauchten jetzt insbesondere die Solidarität ihrer Leser und Fans, deshalb #bücherhamstern: „Kauft Bücher!“ – via Telefon, Mail oder Webshop.

Die Verleihung des Comicbuchpreises der Berthold Leibinger Stiftung in Stuttgart, wo vor einem Jahr Anke Kuhl für „Manno!“ (Klett Kinderbuch, 136 Seiten, 16 Euro) ausgezeichnet wurde, ist von 4. Mai auf 8. November verschoben.

Aufruf an unsere Leser: Nutzt die Zeit zuhause und zeichnet eigene kleine Szenen aus Eurem Leben. Comics in der Größe dieser Info-Box, die per Mail an muv.redaktion@swp.de oder per Post an SÜDWEST PRESSE, Römerstraße 19, 72555 Metzingen, eingehen, drucken wir gerne ab. cli