Die gängigen Business-Limousinen vor der Tür, die Krawatte am Anzug nochmals gerade gerückt - so ging es für 330 Unternehmer am Mittwochabend zur Manz AG. Hatte doch der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband seine Mitgliedsbanken aufgerufen, Geschäftskunden zum Wirtschaftsdialog einzuladen.

Trotzdem stand neben dem Zusammentreffen und Informationsaustausch bei Fingerfood und Baiser nicht nur die alltägliche Arbeit oder der in Altenburg angesiedelte Gastgeber und Maschinenbauspezialist Manz im Mittelpunkt. Vor allem mit Joey Kelly, Musiker, Mitglied einer bekannten Großfamilie und Ausdauersportler, kam ein Mann zu Wort, der für eine lockere Atmosphäre sorgte.

Obwohl das Thema "No Limits - wie erreiche ich meine Ziele?" lautete und das Gros der geladenen Bankkunden diesen Status sicherlich schon erreicht haben dürfte, bewies der 40-Jährige Entertainer-Qualitäten. Einblicke gabs nämlich in die Familiengeschichte. Geschichten über den strengen Vater, der einst Theologie studierte, dann aber doch lieber eine große Familie mit zwölf Kindern gründete und mitsamt dem Nachwuchs nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stand. Denn aus Geldmangel hätten die ersten Auftritte auf der Straße stattgefunden, wo das Potenzial der Kellys letztlich durch einen Plattenfirma-Vertreter erkannt wurde.

Dem kleinen VW-Bully folgte dann allerdings ein Londoner Doppeldecker-Bus, mit dem es durch die Lande ging. Und weil sich der erste Plattenvertrag als Knebel entpuppte, wurde kein Anschlusspapier unterzeichnet, sondern führte bei Papa Kelly dazu, sich samt Familie selbständig zu machen. Auch wenn die vermeintliche Sicherheit damit wieder fehlte. Dennoch hatten sich die Kellys durch harte Arbeit schon einen gewissen Ruf erarbeitet und konnten von der neuerlich angegangenen Straßenmusik einträglich leben: "An schlechten Tagen hatten wir 3000 bis 5000 Mark eingenommen, an guten 20 000 bis 30 000 Mark", sagte Joey Kelly und erinnerte sich mit einem Lachen an die Tage, als die Einnahmen tatsächlich nur aus Münzgeld bestanden hätten.

Die Familiengeschichte sollte trotzdem nicht abendfüllend sein, auch wenn Joey Kelly vermeintlich aus dem Nähkästchen plauderte und bemerkte, dass Bruder Angelo ja selbst schon vier Kinder habe, weshalb er in der Familie nur noch "Rabbit" genannt werde. Vielmehr ging es letztlich um das Leben von Joey und dessen Weg in den Ausdauer- und Extremsport, der ihn vieles gelehrt habe, auch wenn sein erster Triathlon ein Fiasko gewesen sei und er sich angesichts fehlenden Trainings beim Schwimmen nach wenigen hundert Metern an einer Boje habe festklammern müssen, "sonst wäre ich abgesoffen".

Trotz aller schwierigen Zeiten ist Joey Kelly nie abgesoffen: "Ausdauer, Disziplin, Mut und Leidenschaft", erklärte der Musiker und Sportler seine Erfolgsfaktoren, um seine Ziele und Träume zu erreichen. Und weil der Triathlon irgendwann sein Leben genauso bestimmte wie die Auftritte mit der Familie, sei er zu einem Konzert im Münchener Olympiastadion mit Michael Jackson als großem Star des Abends fast zu spät gekommen.

Denn zuvor musste noch der Wettkampf im fränkischen Roth absolviert werden. Joey Kelly sei deshalb auch in Trikot und mit Startnummer vor den 50 000 Zuschauern aufgetreten. Fürs Umziehen sei schlicht keine Zeit gewesen.

"Schmerzen sind eine Hysterie des Körpers", sagte Kelly jedoch weiter und weiß, dass mehr Reserven als angenommen in jedem Einzelnen stecken. Gejammer ließ er deshalb genauso wenig zu, auch wenn es teils fraglich erscheint, was der Musiker sich zumutet. Denn bei einem Extrem-Marathon stundenlang mit einem Magen-Darm-Infekt durch die Wüste zu laufen und nur noch als Schatten seiner selbst durch den Sand zu wanken, das dürfte nicht jedermanns Sache sein. Es erinnert vielmehr an eine Selbstkasteiung.