Welt-Ersteinspielung Alte Musik lässt die Augen der Jungs leuchten

In Kooperation mit SWR 2 hat capella vocalis jetzt vier Kantaten von Christoph Graupner aufgenommen.
In Kooperation mit SWR 2 hat capella vocalis jetzt vier Kantaten von Christoph Graupner aufgenommen. © Foto: Foto pr/capella vocalis
Reutlingen / swp 30.03.2017

Der Knabenchor capella vocalis macht einmal mehr von sich reden. Über 200 Kinder singen mittlerweile in drei Gruppierungen (Knabenchor-Mädchenchor-Schulchor) in der In­stitution. Mit Händels Messias und Brittens War-Requiem stehen zwei große Oratorien-Produktionen an, und am 1. April warten die Reutlinger erstmals mit einem Casting-Tag auf. Zwischen 10 und 13 Uhr können musikbegeisterte Jungs Chorleiter Christian Bonath im Chorhaus treffen, um ihre Stimme vorzustellen. „Wir wollen weiterhin neue Wege gehen, um Kinder für das Singen zu begeistern“, so Bonath, „denn die Stimme ist einfach das menschliche Instrument, das jeder besitzt und zum Klingen bringen kann.“ Zudem arbeiten die Macher am großen Jubiläum, denn 2018 wird der Chor  25 Jahre alt, was mit zahlreichen Konzerten und einem Festakt begangen wird.

Intensive Auseinandersetzung

Wozu die jungen Menschen nach intensiver Ausbildung in der Lage sind, zeigte sich jetzt im jüngsten Aufnahmeprojekt der Formation. Im Rahmen der Medienpartnerschaft mit SWR 2 haben die Reutlinger mit dem Barockkomponisten Christoph Graupner die Reihe von Welt-Ersteinspielungen fortgesetzt. Für Liebhaber Alter Musik bietet der Knabenchor damit die Gelegenheit, einen Komponisten kennenzulernen, der zu Lebzeiten hochberühmt war. Als die Leipziger 1723 einen Thomaskantor suchten, wollte man  Graupner auf Empfehlung Telemanns nach Leipzig locken, doch sein Dienstherr, der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, ließ ihn nicht ziehen. Der Rest ist Musik-Geschichte, ein gewisser Bach trat schließlich die Stelle an.

Vier Kantaten des Darmstädter Hofkapellmeisters standen zur Aufnahme an, 28 Sätze hatten die jungen Sänger zu bewältigen. Begleitet wurden sie dabei vom Barockorchester Pulchra musica, das sich unter Verwendung von historischen Instrumenten auf die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert hat. Für den künstlerischen Leiter Christian Bonath war die intensive Auseinandersetzung mit den Kantaten und die Vermittlung an die Knaben eine wunderbare Aufgabe: „Graupners Musik spricht uns auch heute an, die Wortausdeutung ist so unmittelbar und die Qualität ist herausragend. Die Jungs haben mit leuchtenden Augen 300 Jahre alte Musik gesungen, allein das rechtfertigt ein solches Projekt“.

„Mit den Knaben im Sopran“ führt Bonath weiter aus „sowie falsettierenden Männerstimmen (Altus) und dem Prinzip des Solistenchores, der in den Chorpartien durch das Ripieno verstärkt wird – nur drei Sänger pro Stimme umfasste unser Chor – wollten wir uns an den Aufführungsbedingungen vor 300 Jahren so nah als möglich orientieren“. Aus den Reihen des Knabenchores capella vocalis sind der Sopransolist Til Krupop sowie Altus Jan Jerlitschka zu hören. Und das mit einem Riesenpensum: Fünf Arien und sieben Rezitative hatten die jungen capella-Solisten zu stemmen und erledigten dies mit Bravour. Sie dokumentieren so eindrucksvoll das hohe Niveau der künstlerischen Ausbildung bei den Reutlingern.

Von Seiten des SWR hat Musik­redakteurin Dr. Anette Sidhu-Ingenhoff das Projekt betreut und ist über das Ergebnis begeistert: „Das ist ein wunderbarer Chor, die Knaben und jungen Männer sind hochmusikalisch, klanglich bestens geschult und hervorragend angeleitet. Das hat große Freude bereitet und wir freuen uns auf mehr!“

Die rasante Entwicklung von capella vocalis schreitet also Schritt für Schritt voran, man darf freudig gespannt sein, wie sich das Ensemble zukünftig präsentieren wird.

Kooperation mit SWR geht 2018 weiter

Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein gemeinsames Projekt mit dem SWR geben. Chorleiter Christian Bonath zeigt sich sehr glücklich: „Der Sektor Knabenchor ist stark umkämpft, um so erfreulicher ist es, dass unsere positive Entwicklung auch durch den SWR mit weiteren Aufnahmen begleitet wird“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel