Hochwasser Alle verfügbaren Kräfte im Einsatz

Region / ce/lyn/swp 12.06.2018

Als am Montagabend gegen 19 Uhr der heftige Regen in Reutlingen einsetzte, ahnte wohl noch niemand, dass sich die Echaz innerhalb kurzer Zeit in einen reißenden Strom verwandeln würde. Bereits in der Innenstadt am Lindachufer stieg der Wasserpegel bis knapp unterhalb der Brücke an und überflutete den gesamten Echazuferweg. In reißendem Tempo bahnte sich die braune, stinkende Brühe ihre Bahn fluss­abwärts. Kurze Zeit später war das Betzinger Zentrum überflutet. Großalarm für die Feuerwehr in Reutlingen.

Dabei waren die rund 30 Wehrmänner erst kurz vorher von ihrem Einsatz im Parkhaus Echaz-Zentrum zurückgekehrt. Dort hatte, wie berichtet, ein Auto gebrannt. Wegen des Einsatzes kam es zudem zu langen Staus in der gesamten Innenstadt.

Gleich nach Beginn des Starkregens liefen bei der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst eine Vielzahl von Einsatzmeldungen ein. In kürzester Zeit standen Straßen unter Wasser und liefen tief gelegene Geschosse voll. 140 wetterbedingte Einsätze folgten für die Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner der Stadt Reutlingen.

Der Führungsstab der Feuerwehr unter Leitung von Feuerwehrkommandant Harald Herrmann nahm im Lage- und Führungszentrum der Feuerwache die Arbeit auf und koordinierte die Einsätze, alarmierte weitere Fahrzeuge und Einheiten nach.

Ebenso wurde der Verwaltungsstab der Stadt unter Leitung von Bürgermeister Alexander Kreher alarmiert. Der Verwaltungsstab organisierte die Unterstützung der städtischen Ämter vor Ort. Hand in Hand arbeiteten vor Ort die Stadtentwässerung, das Amt für Tiefbau, Grünflächen und Verkehr, das Amt für öffentliche Ordnung, die Technischen Betriebsdienste und die Feuerwehr mit ihren Kräften, um die Schäden für die Betroffenen  zu minimieren. Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz machte sich zusammen mit Bezirksbürgermeister Thomas Keck ein Bild vom Ausmaß der Schäden vor Ort.

Einsatzschwerpunkte waren die Echaz im Stadtbezirk Betzingen, der Reichenbach im Stadtbezirk Sondelfingen sowie die Oststadt, hier vor allem Bismarck-, Charlottenstraße, Kaiserstraße und Schulstraße.

Eine Person wurde in einem Auto von den Wassermassen eingeschlossen. Sie konnte von der Feuerwehr befreit werden.

Eine Baugrube in Sondelfingen lief voll mit Wasser, weshalb die Standfestigkeit eines Baukrans kurzzeitig in Frage stand, er drohte umzukippen. Vom Wasser betroffene Baustromverteiler verursachten einen zeitweisen Stromausfall im dortigen Ortsteil.

Auch der Scheibengipfeltunnel in Reutlingen war von einer Sperrung betroffen. Am Nordportal war es zu einem kleineren Erdrutsch gekommen, wobei elektrische Leitungen für die Röhre beschädigt wurden. Der Tunnel musste deshalb bis kurz nach Mitternacht geschlossen werden.

In Betzingen trat die Echaz über die Ufer, Treibgut hatte sich vor der Brücke der Hoffmannstraße angestaut. Im Ortskern kam es dadurch zu mehreren vollgelaufenen Kellern. Außer der Feuerwehr war dort auch ein Spezialgerät und  ein Bagger, im Einsatz.

Die Pegelstände entlang der  Echaz wurden durch Feuerwehrleute überwacht, nachdem die Echaz erheblich angeschwollen war. Ebenso wurden vor Ort die Wasserstände vor allem Brücken kontrolliert.

Die Reutlinger Feuerwehr war mit allen Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr mit 30 Fahrzeugen und rund 210 Einsatzkräften eingesetzt. Ein weiterer Löschzug stand auf der Feuerwache in der Innenstadt für weitere Notlagen bereit. Ebenso waren im Norden und Süden der Stadt weitere Fahrzeuge als Brandschutzreserve in Bereitschaft.

Neben den durch Starkregen bedingten Einsätzen wurde im Rahmen der Überlandhilfe noch ein Brandmelderalarm im Samariterstift Pfullingen bearbeitet. Zu  kleineren Erdrutschen, mit Geröll verschmutzten Fahrbahnen und umgestürzten Bäumen vermeldet die Polizei auch neun Verkehrsunfälle, die auf Aquaplaning und auf die schlechte Sicht zurückzuführen waren. Die Unfälle blieben aber glücklicherweise allesamt ohne größere Folgen.

Nachdem sich das Wetter gegen 22 Uhr wieder beruhigt hatte, fielen die Pegelstände der Echaz wieder rasch. Bis 0.45 Uhr waren die letzten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr noch unterwegs, um die vollgelaufenen Keller und tieferliegenden Räume auszupumpen.

Bis zum Einsatzende um 1 Uhr waren insgesamt 33 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, drei Fahrzeuge vom THW, zwei Spülfahrzeuge der Stadtentwässerung, zwei Kehrmaschinen und weitere Fahrzeuge der Technischen Betriebsdienste eingesetzt. Zu Spitzenzeiten waren in Reutlingen bis zu 335 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz.

Das Unwetter ließ auch das Gemeindegebiet Eningen nicht außen vor. Ab 19.43 Uhr musste die Eninger Feuerwehr insgesamt sieben Einsatzstellen abarbeiten. Zum Einsatzspektrum zählten hauptsächlich vollgelaufene Keller und verstopfte Bacheinläufe. Diese wurden durch die Einsatzkräfte ausgepumpt oder von Ästen und Geröll befreit. Neben der Feuerwehr war auch der Bauhof der Gemeinde mit einem Bagger im Einsatz. Die Einsatzarbeiten konnten nach rund drei Stunden beendet werden. Im Einsatz waren fünf Fahrzeuge mit 20 Personen. Bürgermeister Alexander Schweizer verschaffte sich im Feuerwehrhaus einen Überblick über das Einsatzgeschehen.

Auch in Pfullingen war die Feuerwehr im Großeinsatz. Vor allem im Gewerbegebiet Steinge ging’s hoch her. Dort standen die Untergeschosse von gleich mehreren Firmen unter Wasser. Kommandant Dietmar Rall und seine Feuerwehrleute waren zwischen 19 Uhr und Mitternacht bei insgesamt 22 Einsätzen und brauchten dazu auch Überlandhilfe aus Lichtenstein, Sonnenbühl und Engstingen. 100 Feuerwehrleute waren in Pfullingen mit 20 Fahrzeugen unterwegs. „Unser Hochwassereinsatzplan hat gegriffen“, erklärt Rall mit Blick auf den Juni 2016, als die Stadt beinahe komplett geflutet war. Auch die Flutmulde und andere bauliche Maßnahmen, die seitdem umgesetzt worden sind, haben geholfen, dass am Montagabend nicht allzu große Schäden entstanden.

Dabei ließ der Starkregen die Echaz und den Eierbach deutlich ansteigen, „bis sie über die Ufer getreten wären, hätte es aber noch eine halbe Stunde länger regnen müssen“, ist der Kommandant froh, dass es nicht zum Schlimmsten gekommen ist. Diesmal war vor allem das Grundwasser, das nach oben gedrückt hat, das Problem. 

210

Einsatzkräfte der Reutlinger Feuerwehr waren am Montagabend im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Vor allem Betzingen hat es erwischt, wo das Zentrum überflutet war.

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